Schlusslicht
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Schlusslicht Taucherdackel, Tigerküsser und eine Wurmaffäre

Stand: 27.12.2010 19:33 Uhr

Russland weckt das Tier im Mann: Was hat uns das einstige Zarenreich dieses Jahr nicht alles für Geschichten geliefert? Die Wurmaffäre Wulffs, fliegende Esel und natürlich den König der tierischen Tundra-PR: Ministerpräsident Putin. Dieser war wahlweise am Wal harpunieren, Eisbär knuddeln oder den Tiger knutschen.

Von Christina Nagel, ARD-Hörfunkstudio Moskau

Nicht WikiLeaks deckte den Skandal auf, sondern der Gouverneur der Region Twer. Dimitri Selenin veröffentlichte in seinem Twitter-Blog ein Foto, das die Kreml-Herren gewaltig wurmte: Zu sehen war ein Teller, der Bundespräsident Christian Wulff beim Staatsbankett im Kreml aufgetischt worden war. Zwischen letzten Salatresten kringelte sich: ein Regenwurm. Ein Zeichen besonderer Frische, scherzte der Gouverneur launig an diesem Abend. Am nächsten Tag hätte er sich am liebsten in einem Mauseloch verkrochen…

Immerhin durfte der Gouverneur trotz der Wurmaffäre im Amt bleiben. Moskaus langjähriger Bürgermeister Juri Luschkow hatte da weniger Glück. Noch im Mai hatte es den Anschein, als habe er Tier-PR-technisch alles im Griff. Während Premier Wladimir Putin in Sotschi mit Leoparden posierte, stellte Luschkow neue Größen des berühmten Bolschoi Theaters vor - riesige weiße Kakerlaken: "Zehn Zentimeter sind sie groß, würde ich sagen. Sie sind weiß, weil es dort unten dunkel ist. Und weil sie nicht von Menschen angefasst werden wollen. Ich habe es versucht, sie sind direkt ins Wasser gesprungen."

Screenshot der Internetseite YouTube

Screenshot der Internetseite YouTube

Esel können sehr wohl fliegen

Dabei hat Luschkow ein besonderes Händchen für kleine Lebewesen. Vor allem für Bienen. Es dürfte ihm ein Stachel im Fleisch sein, dass ausgerechnet seine Lieblinge mitverantwortlich sind für seinen Sturz. Die Moskauer haben Luschkow nämlich nicht verziehen, dass er sich während des Smogs und der Hitzewelle im August nicht um sie kümmerte, sondern wie es im Fernsehen hieß, Millionen für das Wohl der geplagten Bienen ausgab. Seine Begründung war stichhaltig: "Bienen machen Honig."

Und Esel können nicht fliegen. Was allerdings einige PR-Manager am Strand des Asowschen Meeres nicht davon abhielt, einen Esel an einem Gleitschirm, gezogen von einem Motorboot, in die Luft gehen lassen - zu Werbezwecken. Der Esel schrie, Kinder weinten, die Verantwortlichen lachten. Der Esel überlebte den halbstündigen Flug. Und bekam Hilfsangebote aus aller Welt. Brigitte Bardot schrieb sogar einen Protestbrief an den russischen Präsidenten und klagte telefonisch den russischen Fernsehzuschauern ihr Mitleid: "Ich habe furchtbar geweint. Ich war entsetzt, wie man so mit Tieren umgehen kann. Wie konnten sie so etwas tun? Wie grausam! Eine abstoßende Barbarei."

Putins-Power-Tier-PR

Dabei geht es doch auch anders. Weil sein Dackel am Strand während der Tauchgänge seines Herrchens litt wie Hund, entwickelte Sergej Gorbunow aus dem Fernen Osten in diesem Jahr für seinen Bonifazius einen Taucheranzug samt Helm. Ob sich der Dackel auf Dauer mit Wurst vom Sinn seiner neuen Freizeitbeschäftigung überzeugen ließ, ist leider nicht überliefert. Es ist aber auch letztlich ein anderer russischer Tierfreund, der mit Abstand die meisten Schlagzeilen in diesem Jahr machte. Ministerpräsident Wladimir Putin: Er küsste einen Amur-Tiger, harpunierte einen Wal, natürlich nur zu wissenschaftlichen Zwecken, und klärte eine unwissende junge Journalistin über die Eisbären in der Arktis auf. Diese hatte gefragt: "Herr Putin, wie ist Ihr Eindruck vom Händedruck des Eisbären?" Die belehrende Antwort Putins: "Das ist kein Hände-, sondern ein Pfotendruck! Die Pfote ist sehr schwer. Der Herr der Arktis - das spürt man sofort."

Wladimir Putin mit Tiger

Ein ganz besonderer Tierfreund: Russlands Ministerpräsident Putin markiert den Tigerbändiger.

Ein wenig Salz - werter Yeti?

Noch mehr lernen konnte man nur noch auf den Internetseiten der Behörden aus dem Kusbass. Die warnte im Herbst die Bevölkerung vor wildernden Yetis. Die Schneemenschen würden Vieh und Hunde reißen - und die Bären bekämpfen. Um die Situation zu entschärfen, machten sich Förster und Yetifreunde auf den Weg. In einer Höhle hinterließen sie ein eingeschaltetes Funkgerät, über das sie nun regelmäßig Hilfsangebote schicken: "Vielleicht brauchst du Brennholz, Streichhölzer, Salz oder etwas anderes? Wenn ja, gib uns ein Zeichen. Wir kommen und bringen es mit. Dann Tschüss!"