Schlusslicht

Steppenadler  | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Russisches Ornithologie-Projekt Wenn der Steppenadler zum Pleitegeier wird

Stand: 25.10.2019 19:01 Uhr

Für eine Gruppe russischer Ornithologen ist der Schutz der Steppenadler zur teuren Herzensangelegenheit geworden. Denn die Reiselust einiger der Vögel trieb ihre Beschützer fast in den Ruin - via Telefonrechnung.

So manch einer kennt dieses Phänomen vielleicht: Da will man etwas Gutes tun - und zahlt am Ende drauf. So ging es auch einer Gruppe von russischen Ornithologen, die ihr geflügeltes Artenschutzprojekt teuer zu stehen kam.

Die Wissenschaftler haben sich den Schutz der Steppenadler zur Aufgabe gemacht. Die Art ist nach Angaben der Organisation der Bird Life International zunehmend gefährdet. Doch um die Tiere zu schützen, mussten ihre Beschützer erst einmal so viel wie möglich über sie in Erfahrung bringen.

Adler als SMS-Schreiber

Der Plan der Ornithologen war eigentlich ziemlich simpel: 13 Steppenadler wurden mit mobilen Ortungsgeräten ausgestattet. Diese Geräte schicken regelmäßig eine SMS mit dem aktuellen Standort der Vögel. So konnten die Forscher genau verfolgen, wohin die Tiere unterwegs waren und wie lange sie sich wo aufhielten.

Zunächst verlief auch alles nach Plan. Die Adler flogen los und weiter bis ins zentralasiatische Kasachstan. Hier brütet die Art ihre Jungen aus. Und damit begann für die Tierschützer die "ruhige" Phase ihrer Arbeit. In Kasachstan gibt es kaum Netzabdeckung. Es herrschte also Funkstille, keine SMS, kein Lebenszeichen.

Doch schließlich fand die Brutzeit ihr Ende und damit - Pling - gingen auch wieder die ersten Nachrichten ein. Und zwar ganz schön viele auf einmal. Hunderte sogar. Nämlich sämtliche SMS, die die Geräte in Kasachstan nicht hatten versenden können. Das wäre ja auch kein Problem gewesen, hätten sich alle 13 Adlerweibchen brav an das Konzept der Ornithologen gehalten. Es geht zum Brüten - und dann wieder in russische Gefilde.

Steppenadler | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o
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Steppenadler gelten als zunehmend gefährdete Art.

In die Ferne statt nach Hause

Einige der Weibchen hatten jedoch ihren eigenen Kopf und offenbar noch keine Sehnsucht nach dem heimatlichen Adlerhorst. Stattdessen entschieden sie sich für eine Reise in den Iran, einige Vögel brachen auch zu einem Trip nach Pakistan auf.

Das Fernweh ihrer gefiederten Schützlinge wird für die Forscher aber zunehmend kostspieliger. Denn im Iran und in Pakistan fallen wesentlich höhere Roaming-Gebühren an als in Russland. Und bei der Menge der SMS wuchs die Rechnung der Tierschützer in rasanter Zeit auf horrende Summen an. Und da sich die Ortungsgeräte nicht einfach ausschalten lassen, lief das Artenschutzprojekt zunehmend Gefahr, dass ihm das Geld ausgeht. Der reisefreudige Adler drohte sprichwörtlich zum Pleitegeier zu mutieren. Sogar einen Kredit mussten die Wissenschaftler aufnehmen, um ihre Arbeit fortsetzen zu können.

Um dem Bankrott zu entgehen, starteten die Ornithologen einen Spendenaufruf - und der fand bei zahlreichen Vogelfreunden Gehör. Zumindest bis Jahresende ist das Projekt finanziell abgesichert. Und da noch immer Spenden eingehen, hoffen die Tierschützer nun sogar, ihre Arbeit wie geplant bis zum Frühsommer fortführen zu können.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass die abtrünnigen Adler irgendwann wieder gen Russland aufbrechen und sich nicht für noch weitere, kostspielige Reiseziele entscheiden. Aufhalten könnte sie schließlich niemand. Denn die Freiheit über den Wolken muss ja bekanntlich grenzenlos sein.

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