Schlusslicht

Pet Airways

In den USA startet die erste Tierfluglinie Ein Cocker-Spaniel ist kein Koffer-Spaniel

Stand: 14.07.2009 08:46 Uhr

Wer schon einmal mit seinem Haustier eine Flugreise gemacht hat, kennt das Drama. Doch kotzende Katzen und jaulende Hunde, die traumatisiert aus dem Frachtraum torkeln, sollen - zumindest in den USA - jetzt der Vergangenheit angehören: Dort haben Tiere jetzt eine eigene Fluglinie.

Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York

Dan Wiesel und Alysa Binder
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Konnten das Gejaule nicht mehr ertragen: Dan Wiesel und Alysa Binder, Gründer von Pet Airways

Das traurige Jaulen ihres Russell-Terriers Zoe klang lange nach in den zarten Seelen der Hundebesitzer Dan Wiesel und Alysa Binder. Zoe wurde in den Gepäckraum des Flugzeugs verfrachtet, als sie einmal alle zusammen wegfliegen wollten. "Und wir haben uns dann nachher angesehen, wie's da zugeht - und das geht nicht, wir haben uns gar nicht wohl gefühlt", erzählt Alysa Binder. "'Da muss es doch etwas Besseres geben', dachten wir, und mein Mann bekam die Idee zu Pet Airways."

Vom Jet Set zum Pet Set: In einer umgerüsteten Propellermaschine finden nun bis zu 50 Katzen und Hunde Platz - in Käfigreihen statt Sitzreihen. Für Menschen ist kein Raum, hier müssen Herrchen und Frauchen leider draußen bleiben.

We do have pilots!

"Wir haben aber Piloten", betont Alysa Binder. "Und Tierbetreuer." Der ausgebildete Pet Attendant betüdelt die vierbeinigen Fluggäste. Für 149 Dollar fliegt Pet Airways innerhalb der USA, von Regionalflughäfen bei New York, Chicago, Denver, Baltimore und Los Angeles. Zunächst immer nur dienstags. Wenn's läuft, wollen sie bis zu 20 Maschinen einsetzen und noch mehr Stopps anbieten. Zum Beispiel ab Herbst auch Florida, wo viele Rentner in der sanften Sonne mit ihren Tieren überwintern.

In den Haustier-, vor allem hundevernarrten USA sind Pet Airways eine echte Alternative. Denn viele Tierhalter fliegen auch weite Strecken nicht, fahren lieber Auto: Sie wollen es sich und dem Tier nicht zumuten, wenn der fellige Freund erst in einer engen Kiste und dann zusammen mit Hartschalenkoffern, Surfbrettern und Reisetaschen in den Frachtraum verschwinden muss. Der ist wahlweise kochend heiß oder eiskalt.

Ein Mitarbeiter von Pet Airways mit einem Fluggast
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Fluffy kommt direkt aus Los Angeles - ein Pet Attendant begleitet den Fluggast in die Pet Lounge.

Vier Pfoten heben ab

"Ich wäre ein Wrack", meint Amanda Hickey, "wenn ich am Gepäckband auf meine Hunde warten müsste." Ein Cocker Spaniel ist schließlich ein Hund und kein Koffer Spaniel. Und viele Hunde sind einfach zu groß, um sie in der Kabine unter dem Sitz zu transportieren.

"Du weißt nie, wo er landet oder wie es da aussieht", meint Tierärztin Amy Coulthard. Sie hat ihre neue Bulldogge beim Züchter abgeholt und im Frachtraum transportiert. Aber sie weiß, dass es dort im Durchschnitt 5000 Verletzungen pro Jahr gibt - bei immerhin gut zwei Millionen Vierbeinern, die als Ladung mitfliegen. Viele Fluglinien nehmen Tiere darum gar nicht erst mit. Das ist die Chance von Pet Airways. In den ersten Monaten sind sie schon ausgebucht. "Du gibst dein Tier in der Pet Lounge ab, da gehen sie noch mal pinkeln, dann direkt ins Flugzeug."

Und wenn sie da drin sind, kann man sich die Kabinendurchsagen vorstellen: "Schließen Sie bitte die Käfigtüren und stellen Sie das Fressen ein." Wuff!

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