Schlusslicht

Andrea Nahles mit einem Pferd auf dem Stoppelmarkt in Vechta | Bildquelle: dpa

Parlamentskreis "Pferd" Furyos

Stand: 20.11.2018 13:51 Uhr

Natürlich macht es nicht immer Spaß, über Umfragetiefs oder Hartz IV zu reden. Gut, dass heute der Parlamentskreis "Pferd" seine gewiss segensreiche Tätigkeit aufnimmt. Von ihm ist einiges zu erwarten.

Von Florian Barz, ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland, Land der Reiter. Auch SPD-Chefin Andrea Nahles sitzt fest im Sattel - vorzugsweise Samstagfrüh auf Siebke, ihrem Friesenwallach. 

Die Liebe zum Pferd teilt die Eiflerin mit gut 1,6 Millionen Reitern in Deutschland und mit Pascal Kober, FDP-Abgeordneter und Gründer des Parlamentskreises "Pferd". Kober bezeichnet sich als "Freizeitreiter". Er wisse von Kolleginnen und Kollegen im Bundestag, die "dem Pferd verbunden sind". Und so, berichtet der Abgeordnete, "haben wir uns zusammengefunden. Ich wusste, dass Frau Nahles ein Pferd hat und habe sie gefragt, ob sie das mit unterstützen würde, was sie sehr gerne getan hat."

Andrea Nahles schaut auf dem Stoppelmarkt in Vechta ein Pferd an. | Bildquelle: dpa
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Das Schöne an Pferden: Sie kümmern sich nicht um Umfragen. Sie wollen nur auf die Weide.

Kulturgut. Wirtschaftsfaktor.

Vier Pferdefreunde haben sich bisher gefunden unter den Abgeordneten. Gemeinsam will man sich einsetzen für das Pferd als Kulturgut und Wirtschaftsfaktor.

Kober hat einige Themen im Kopf - zum Beispiel, "wenn es um den Erhalt seltener Pferderassen oder aussterbender Pferderassen geht, aber auch wenn es um den Erhalt von denkmalgeschützten Gestüten, Gebäuden und Reitanlagen geht".

Da setzt es doch Spott

Lobbyarbeit fürs Pferd - das freut viele Reiter, Nahles' Genossen eher weniger. Was hat sie da bloß geritten, fragen sich viele. Der Spott ist groß, auch in der ARD-Satiresendung "Extra 3".

"Vier Hufe für den Wahlsieg. SPD setzt auf Reiter. Es gibt jetzt einen Parlamentskreis 'Pferd'. Schließlich gebe es 1,6 Millionen Reiter in Deutschland, das ist die Argumentation. Und wie ein SPD-Abgeordneter richtig angemerkt haben soll: Es gibt in Bayern inzwischen mehr Pferde als SPD-Wähler."

Jeder kann Kreise gründen

Dabei sind fraktionsübergreifende Parlamentskreise an sich nichts Ungewöhnliches. Es gibt Kreise zu Energieeffizienz, zum Fahrrad oder zum Tierschutz. Die Grünen-Abgeordnete Tabea Rösner hat zwei Kreise gegründet: gegen Bahn- und gegen Fluglärm.

Dass Nahles nun ausgerechnet aber auf das Pferd setzt, wundert sie. Natürlich könne sich jeder für seine Interessensgebiete einsetzen, räumt Rösner ein. "Ich frage mich dann: Haben die zu viel Zeit?" Wenn die Gründung eines Parlamentskreises Pferd so breit diskutiert werde, habe sie Sorge, "dass die Leute denken: 'Haben die keine anderen Sorgen?'"

Die Autofreunde treffen sich ja auch

Es gibt noch weitere kuriose Parlamentskreise, etwa für den Erhalt von Alleen. Und für Liebhaber von Oldtimern. Etwa 50 Autofreunde im Bundestag sind Mitglied im Kreis "Automobiles Kulturgut". Auch einen gemeinsamen Ausflug gab es bereits.

Und so ist Nahles nicht die einzige Politikerin, die in Berlin Gleichgesinnte für ein Hobby gefunden hat. Und sich dafür auch politisch einsetzt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2018 um 12:20 Uhr.

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