Staugeplagte Orte starten PR-Kampagne "Stau mal wieder rein"

Stand: 01.04.2005 08:36 Uhr

23 Gemeinden in Deutschland haben sich zur "Interessengemeinschaft verkehrsfunkbekannter Urlaubsorte" (IG VefUO) zusammengeschlossen. Die Bürgermeister der Gemeinden unterschrieben die Gründungsurkunde bei einem Treffen in Neuss-Norf.

Autobahn
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Im Stau kommt man sich näher, hat aber kaum Augen für die Schönheit der Umgebung

Ziel des Bündnisses sei es, die Bekanntheit der Ortsnamen aus den Verkehrsmeldungen im Radio touristisch besser zu vermarkten, so Konrad Brandmair, Bürgermeister von Odelzhausen an der A 8 in Bayern und designierter VefUO-Vorsitzender. "Der Name Odelzhausen ist fast täglich auf Bayern 3 zu hören - aber kaum jemand kennt unseren Ort wirklich - das wollen wir ändern", so Brandmaier. Er verwies auf die verkehrsgünstige Lage seiner Gemeinde, die gerade für Kurzurlauber ein großer Vorteil sei.

Gut schlafen und günstig waschen

Die IG VefUO plant neben einer gemeinsamen Werbekampagne ("Stau mal wieder rein") auch Pauschalangebote für Automobilisten. So wollen alle Orte ein Paket anbieten, das neben der Übernachtung mit Frühstück auch eine Rundfahrt durch den Ort, Vergünstigungen für den Besuch der nächstgelegenen Waschstraße, einen Ersatzkanister Benzin und eine Auto-taugliche Spielesammlung für Kinder beinhaltet. Auch an 14-tägige Rundreisen durch die Mitgliedsorte sei gedacht.

Darüber hinaus wollen die Kommunen Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Im kommenden Jahr soll der Austausch von Blasorchestern und Herrenchören beginnen, die entlang der Strecken auf Mittel- oder Standstreifen die Wartenden unterhalten.

Gebühren für Mittelstreifenbepflanzung

Stau auf der A 2
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Reichlich Potential für die örtliche Tourismus-Branche: Stau auf der A2

Angesichts der Finanznot der Kommunen verlangte Rainer Lammers, Bürgermeister von Lotte bei Osnabrück, einen Anteil an den Rundfunk-Gebühren. "Schließlich sparen die Sender durch die stündliche Nennung unserer Ortsnamen einen beträchtlichen Teil ihrer Sendezeit", sagte Lammers. Die Einnahmen könnten in die Verschönerung der besonders stauanfälligen Strecken durch Blumenrabatte und in die Aufstellung mehrsprachiger Informationstafeln gesteckt werden.

In dem Verband sind Gemeinden aus allen Teilen Deutschlands zusammengeschlossen - so etwa Wildeshausen in Niedersachsen, Erwitte und Anröchte in Nordrhein-Westfalen, Sinsheim-Steinsfurt in Baden-Württemberg und Irxleben in Sachsen-Anhalt. Auch einige Großstädte gehören der Gemeinschaft an. Sie wollen bislang eher unbekannte Stadtteile touristisch besser vermarkten.

So geht Düsseldorf mit dem Mörsenbroicher Ei ins Rennen, Jena mit den Stadtteilen Göschwitz und Lobeda und Karlsruhe mit Durlach. Neben Odelzhausen werden zunächst zwei Gemeinden den Vorsitz übernehmen, die trotz ihrer Lage an der Autobahn schon heute über viel Erfahrung im Tourismusgeschäft verfügen: Nesselwang und Porta Westfalica.

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