Schlusslicht

Bielefeld | Bildquelle: dpa

Bielefeld-Verschwörung Viel Geld für den Beweis des Nichts

Stand: 21.08.2019 14:26 Uhr

Seit 25 Jahren geistert die Theorie durch die Bundesrepublik, dass es Bielefeld gar nicht gibt. Nun fordert die Stadt den Beweis - und will sich den Nachweis der eigenen Nicht-Existenz ordentlich was kosten lassen.

Sie zählt zu den düstersten und hinterhältigsten Erfindungen in der deutschen Gerüchteküche. Sie reißt ein rund 260 Quadratkilometer großes Loch in die Landkarte der Bundesrepublik und radiert die Existenz von Hunderttausenden unschuldigen Bürgern einfach aus. Aber sie hält sich hartnäckig in den Köpfen - die Bielefeld-Verschwörung.

Seit 25 Jahren geistert die Theorie vor allem durch die unendlichen Weiten des Internets. Und nun reicht der Stadt in Nordrhein-Westfalen das dauernde Gerede über die eigene Nicht-Existenz.

Eine Million Euro ausgeschrieben

Pünktlich zum 25. Jubiläum der Verschwörungstheorie hat Bielefeld einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Wer behauptet, die Stadt, die immerhin seit dem 9. Jahrhundert in Geschichtsaufzeichnungen zu finden ist, sei nur ein Hirngespinst, der solle das gefälligst auch beweisen.

Wer diesen Beweis erbringt, dem winkt ein mehr als stolzer Preis. Eine Million ist Bielefeld der Nachweis wert, dass es eigentlich nie da war. Und das mit dem Preisgeld ist, so versprechen es die Organisatoren der Aktion auf der Internetseite, auch wirklich ernst gemeint. Allerdings gibt sich die Stadt ziemlich selbstbewusst, jeden vorgelegten vermeintlichen Beweis ganz einfach widerlegen zu können.

Es begann auf einer Studentenparty ...

Schuld an der wilden Verschwörung ist übrigens Achim Held. Der besuchte vor 25 Jahren, damals noch Informatikstudent, in Kiel eine Party. Auf dieser Feier traf er einen weiteren Gast - aus besagtem Bielefeld. Nicht nur Achim Held war dieses Städtchen unbekannt, auch die weiteren Feiernden waren überfragt. Und so fiel der Legende nach in einem unbedachten Moment aus einem heute unbekannten Mund der Spruch: "Bielefeld? Das gibt's doch gar nicht."

Die Worte blieben Achim Held im Kopf, und als er kurz darauf tatsächlich an der Autobahnabfahrt Richtung des besagten Ortes vorbeifuhr, der Name der Stadt aber aufgrund von Bauarbeiten durchgestrichen war, konnte sich der Informatikstudent nicht mehr halten. Er schickte die Theorie in die damals noch sehr begrenzten Weiten des sogenannten Usenet, das es schon vor dem Internet gab.

Der Informatikstudent selbst dürfte kaum damit gerechnet haben, wie weite Kreise seine Theorie zog und wie lange sie sich halten würde.

Studium im Nirgendwo

Doch man muss sich mal die Ausmaße der Behauptung vor Augen halten: Mehr als 330.000 Menschen werden auf einmal heimatlos, sollte sich herausstellen, dass Bielefeld nirgends zu finden ist. Jeder, der in Bielefeld etwa Erziehungswissenschaft oder Physik oder Soziologie studiert hat, steht auf einmal ohne Abschluss da. Und nicht nur der Komiker und Schauspieler Ingolf Lück muss mit plötzlichen Lücken in seiner Geburtsurkunde leben, auch der Schriftsteller Bernhard Schlink etwa kommt auf einmal aus dem Nichts.

All jene "Betroffenen" dürften also hoffen, dass es nichts wird mit dem Beweis für die Verschwörung. Für alle anderen ist die Jagd eröffnet. Aber eine Frage bleibt zum Schluss: Falls es wirklich gelingen sollte, den Beweis zu erbringen, woher soll dann die Million kommen, wenn niemand mehr da ist, der sie dem glücklichen Finder überweisen kann?

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. August 2019 um 15:50 Uhr.

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