Russlands Präsident Wladimir Putin mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu. | Bildquelle: REUTERS

Unfall mit 14 Toten Putin bestätigt Atomantrieb des U-Boots

Stand: 04.07.2019 13:19 Uhr

Der Tod von 14 Besatzungsmitgliedern eines russischen U-Bootes geht auf ein Feuer an Bord zurück, das teilte Verteidigungsminister Schoigu mit. Der Nuklearantrieb des U-Bootes sei isoliert worden und funktionsfähig.

Zum Unfall auf dem russischen U-Boot in der Nordarktis mit 14 Toten sind weitere Details bekannt gegeben geworden.

Die russische Präsidialadministration veröffentlichte einen Dialog von Präsident Wladimir Putin mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu, in dem letzterer erklärte, in der Batterieanlage des U-Bootes sei ein Brand ausgebrochen, das sich dann ausgebreitet habe.

Russlands Präsident Wladimir Putin mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu. | Bildquelle: ALEXEI DRUZHININ/SPUTNIK/KREMLIN
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Schoigu unterrichtete Putin über den Ermittlungsstand.

Auf Nachfrage von Putin versicherte Schoigu, dass der Nuklearantrieb des U-Bootes komplett isoliert worden und in einem funktionsfähigen Zustand sei. Damit bestätigte Putin selbst, dass es sich um ein atombetriebenes U-Boot handelt. Zuvor hatte er nur von einem Forschungsschiff gesprochen.

Feuer in der Schaltzentrale

Experten waren davon ausgegangen, dass es sich bei dem havarierten U-Boot um ein AC-31 "Loscharik" mit Atomantrieb handelt, das für lange Einsätze in der Tiefsee ausgerüstet ist. Die Zeitung "Kommersant" berichtete unter Berufung auf Militärkreise, das Feuer sei am Montagabend durch einen Kurzschluss in der Schaltzentrale ausgebrochen. Es habe Kabel oder Öl in Brand gesetzt. Durch das Belüftungssystem habe sich der Rauch im U-Boot ausgebreitet.

Nach Einschätzung des Informanten erholte sich ein großer Teil der Besatzung zu dieser Zeit im von den Diensträumen abgetrennten Wohnbereich. Sie schafften es demnach nicht, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Offenbar hätten nur vier diensthabendene Seeleute und ein mitfahrender ziviler Experte überlebt. Ihnen sei es gelungen, das Feuer zu einzudämmen und das U-Boot an die Wasseroberfläche zu bringen. Dieser Vorgang dauere aber auch bei einer angenommenen Tauchtiefe von nur 200 Metern etwa zehn Minuten.

Die Marinebasis von Seweromorsk | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
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Das U-Boot liegt im Hafen von Seweromorsk.

Allerdings verweist der "Kommersant" mit Bezug auf weitere Experten darauf, dass es sich nur um eine mögliche Version des Unfallhergangs handelt und das U-Boot einer strengen Geheimhaltung unterliegt, so dass nur Sonderermittler aus Moskau freien Zugang erhalten.

Demnach konnten auch die Angehörigen die Toten noch nicht sehen. Das Verteidigungsministerium veröffentlichte aber die Liste der 14 Toten auf seiner Website, zu denen allein sieben Kapitäne ersten Ranges zählten, zwei von ihnen trugen als "Helden Russlands" die höchste Auszeichnung des russischen Staates. Ein Experte sagte zudem im Sender Rossija24, auch zwei Söhne russischer Admirale seien unter den Opfern. Verteidigungsminister Schoigu versprach Putin, dass die Familien der Toten alle notwendige Hilfe erhalten.

Die hochrangingen Besatzungmitglieder und die umfangreichen Geheimhaltungsmaßnahmen hatten Beobachter zu der Vermutung veranlasst, dass das U-Boot ein AC-31 "Loscharik" der Militäreinheit 45707 ist. Diese gehört offiziell zu einer Militärbasis bei St. Petersburg und ist nach Einschätzung von Experten mit geheimdienstlicher Arbeit befasst. Dazu zähle nicht nur der Schutz russischer Militärausrüstung und Kommunikationsanlagen, sondern auch das Ausspähen feindlicher Einrichtungen und womöglich Sabotage von Unterseekabeln.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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