Touristen liegen am Strand von Parede in Lissabon. | dpa

Corona-Reisebeschränkungen Hoffnung für Großbritannien und Portugal

Stand: 01.07.2021 14:45 Uhr

Portugal und Großbritannien werden wohl bald nicht mehr als Variantengebiete eingestuft - denn Experten gehen davon aus, dass die Delta-Variante auch bald in Deutschland dominieren wird.

Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus werden Portugal und Großbritannien womöglich bald nicht mehr als Virusvariantengebiete eingestuft - mit Auswirkungen für Heimkehrer.

Wenn die Delta-Variante in Deutschland vorherrschend werde, "werden wir uns in den nächsten Tagen die Situation anschauen", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Dann wird man "Portugal und das Vereinigte Königreich auch wie Hochinzidenzgebiete behandeln können."

Rücknahme der Reisebeschränkungen?

Damit machte er den Ländern Hoffnung, dass die gravierenden Reisebeschränkungen für diese Länder noch im Juli zurückgenommen werden könnten. "Mit dem Wissen, dass sich jetzt in den letzten Tagen bestätigt hat, dass bei dieser Variante die doppelte Impfung schützt, haben wir die Möglichkeit, dann zu einer anderen Einstufung zu kommen", sagte Spahn. Auch hier mache dann die doppelte Impfung "einen Unterschied". 

Portugal war kürzlich ebenso wie Russland und zuvor Großbritannien wegen der Ausbreitung der Delta-Variante als Virusvariantengebiet eingestuft worden. Damit gelten für Heimkehrer strenge Beschränkungen. Die Rückkehrer müssen auf jeden Fall für 14 Tage in Quarantäne - auch wenn sie geimpft oder genesen sind.

Spahn wies noch einmal darauf hin, dass jeder, der sich in ein Flugzeug nach Deutschland setze, ein negatives Testergebnis oder einen gültigen Impf- oder Genesenennachweis vorlegen muss - und zwar vor Betreten des Fliegers.

Delta-Variante auf dem Vormarsch

Die besonders ansteckende Delta-Variante ist auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der Anteil der Ansteckungen mit der zuerst in Indien festgestellten Variante an allen Neuinfektionen verdoppelte sich laut Robert Koch-Institut (RKI) in der dritten Juniwoche auf 37 Prozent. Die Experten gehen davon aus, dass Delta spätestens in dieser Woche zum dominierenden Virusstamm in Deutschland wird. Spahn sagte, er rechne damit, dass "wir noch im Juli sehen werden, dass Delta auch bei uns über 70, 80 Prozent der Infektionen ausmacht".

Reisewarnung für mehr als 80 Länder aufgehoben

Doch obwohl die Delta-Variante sich rasant ausbreitet, rät die Bundesregierung nicht mehr grundsätzlich von touristischen Reisen ins Ausland ab. Auch die Reisewarnung für die mehr als 80 ganz oder teilweise als Corona-Risikogebiete eingestufte Staaten wurde aufgehoben. Darunter ist die gesamte Türkei sowie Urlaubsgebiete in Spanien und Kroatien.

Außenminister Heiko Maas verteidigt den Schritt: "Die Zeit der Pauschalbeurteilungen muss vorbei sein", sagte der SPD-Politiker. "Dort, wo es positive Entwicklungen gibt, gibt es auch keinen Grund, Restriktionen aufrechtzuerhalten."

Nur noch drei Kategorien

Maas hatte zu Beginn der Pandemie am 17. März 2020 eine weltweite Reisewarnung für Touristen ausgesprochen. Hintergrund war, dass damals viele Urlauber wegen der plötzlichen Kappung von Flugverbindungen im Ausland gestrandet waren und in einem beispiellosen Kraftakt nach Deutschland zurückgeholt werden mussten. Im September wurde die Warnung dann auf Corona-Risikogebiete mit einer Infektionszahl von mehr als 50 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen (Sieben-Tage-Inzidenz) beschränkt. Aber auch für alle nicht als Risikogebiete eingestuften Länder riet die Bundesregierung bis zu diesem Mittwoch weiter von Urlaubsreisen ab.

Damit ist jetzt Schluss. Nun gibt es in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts drei Kategorien von Ländern.

Reisewarnung für 40 Länder

Die Reisewarnung gilt erst ab einer Inzidenz von 200 (Hochinzidenzgebiete) und für Gebiete, in denen sich gefährliche Virusvarianten stark verbreitet haben (Virusvariantengebiete). Das sind weltweit nur 40 von insgesamt rund 200 Ländern. In Europa gibt es gar keine Hochinzidenzgebiete mehr.

Eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts soll vor allem abschreckende Wirkung haben. Vor Corona wurde sie nur für Kriegs- und Krisengebiete wie Syrien, Jemen oder den Gaza-Streifen ausgesprochen. Die praktischen Auswirkungen sind aber begrenzt. Urlaubern ermöglicht die Reisewarnung vor allem eine kostenlose Stornierung von Buchungen.

Besondere Vorsicht: 26 EU-Länder

Für 26 EU-Länder gilt folgende Regelung: Soweit sie nicht mehr als Risikogebiet eingestuft sind, wird in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts nur noch "um besondere Vorsicht gebeten". Ausgenommen sind einzelne Regionen in Spanien, Irland, Kroatien und Schweden, die weiterhin als Risikogebiete eingestuft sind. Für sie rät das Auswärtige Amt weiter von Reisen ab. Darunter sind beispielsweise das südspanische Andalusien und die kroatische Küstenregion Zadar.

Zwischen Vorsicht und Abraten: Mehr als 100 Drittstaaten

Zwischen diesen beiden Kategorien gibt es weit mehr als 100 weitere Länder außerhalb der EU, die entweder Risikogebiete sind oder als "risikofrei" gelten. Für die meisten dieser Länder rät das Auswärtige Amt von Reisen ab. Eine Ausnahme gibt es nur, wenn einer dieser Drittstaaten Land nicht als Risikogebiet eingestuft ist und dort keine Einreisebeschränkungen oder Quarantänepflichten für Deutsche gelten. Dann gilt nur der Rat zur besonderen Vorsicht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juli 2021 um 04:55 Uhr.