Christian Baldauf an einer Kletterwand | picture alliance / Flashpic

Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz Baldaufs Suche nach der Popularität

Stand: 25.02.2021 10:30 Uhr

Die CDU in Rheinland-Pfalz will nach 30 Jahren endlich wieder die Regierung führen. Doch Spitzenkandidat Baldauf hat es in einem digitalen Wahlkampf gegen die populäre Amtsinhaberin Dreyer schwer.

Von Axel John, SWR

Die Strategen der wahlkämpfenden Parteien in Rheinland-Pfalz dürften heute in der neuesten Analyse von Infratest dimap blättern. Zweieinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz liefern sich CDU und SPD im Wahlkampfendspurt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Christdemokraten geben abermals nach - auf jetzt 31 Prozent. Die Sozialdemokraten dagegen holen weiter auf - sie erreichen 30 Prozent.

Axel John

Déjà-vu der vergangenen Wahl?

Diese Zahlen dürften bei CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf ein Déjà-vu auslösen. Schon bei der vergangenen Landtagswahl wurden die Christdemokraten im letzten Moment von der SPD abgefangen. Damals führte die CDU lange in den Umfragen.

Dann drehte die Flüchtlingspolitik die Zahlen in Rheinland-Pfalz: Julia Klöckner, damalige CDU-Spitzenkandidatin und heute Bundeslandwirtschaftsministerin, fuhr einen unklaren Kurs und wurde von den Wählern auf der Zielgeraden fallengelassen. Die SPD gewann am Ende deutlich.

Schwarze Serie der CDU

Baldauf ist vor anderthalb Jahren angetreten, die schwarze Serie der CDU in Rheinland- Pfalz endlich zu beenden. Nach 30 Jahren will er seine Partei zurück in die Regierung führen und den Ministerpräsidenten stellen. Sein Ziel: 35 Prozent der Stimmen und stärkste Kraft im Mainzer Landtag. Die Partei steht zwar geschlossen hinter dem 53-Jährigen aus Frankenthal. Aber beim Wahlvolk erhält der christdemokratische Herausforderer keine breite Unterstützung. Nur 28 Prozent wünschen sich einen Ministerpräsidenten Baldauf. Amtsinhaberin Malu Dreyer kommt auf 56 Prozent.

Digitaler Wahlkampf erschwert Aufholjagd

Der digitale Wahlkampf macht es dem CDU-Spitzenkandidat fast unmöglich, seine Popularität in Rheinland-Pfalz zu steigern. Statt auf Marktplätzen Hände zu schütteln, müht sich Baldauf in Hinterzimmern vor Handys, um wenigstens im Netz die Aufmerksamkeit der Wähler zu ergattern. Zwar ist online die Reichweite theoretisch deutlich höher als bei einer klassischen Wahlkampftour, aber auch die anderen Parteien merken: Auf Facebook, Twitter oder Instagram erreichen sie oft nur ein paar Dutzend Zuschauer.

"Ich bin jemand, der gerne mit Menschen zusammen ist, mit ihnen diskutiert und Lösungen anbietet. Dass das nur digital geht, ist traurig. Aber es ist nicht zu ändern. Ich möchte ja auch, dass die Inzidenzzahlen fallen", fügt sich Baldauf in das Unausweichliche.

Ohne Großveranstaltungen

Für den Herausforderer einer populären Ministerpräsidentin werde ein profilierter Wahlkampf damit noch schwerer, sagt Politikwissenschaftler Uwe Jun von der Universität in Trier. "Das ist in Pandemiezeiten ausgesprochen schwierig, von sich ohne Großveranstaltungen ein Bild bei den Wählern zu erzeugen", erklärt Jun. Zudem dürfte es seiner Einschätzung nach der CDU und Baldauf schwer fallen, über das Netz Unentschlossene anzusprechen. "Die Online-Zuschauer sind politisch Interessierte und meist sogar Sympathisanten, die die jeweilige Partei sowieso wählen. Eine große Wählerbewegung ist da kaum zu erzeugen."

Kritik verhallt im Netz

Baldauf kritisiert die regierende Ampel-Koalition bei jeder Gelegenheit. So prangert er etwa die rechtswidrigen Beförderungen im von den Grünen geführten Umweltministerium immer wieder an. Aber online haben seine Vorwürfe offenbar keine große Durchschlagskraft. Beim Wähler scheinen Affären und Pleiten der Landesregierung eher eine untergeordnete Rolle zu spielen.

Die Bürger interessiert vor allem die Corona-Krise. Das weiß auch Amtsinhaberin Dreyer. Sie kann sich als handelnde Landesmutter in der Pandemie in Szene setzen. Zudem sind ihre Beliebtheitswerte über fast alle Parteigrenzen hinweg sehr hoch. Der Netz-Wahlkampf stellt für sie daher kein großer Nachteil dar.

Malu Dreyer verteilt im Wahlkampf Tüten mit dem Fastnachtsgebäck | picture alliance/dpa

Bei den Bürgerinnen und Bürgern beliebt: Malu Dreyer beim Wahlkampf auf der Straße Bild: picture alliance/dpa

Briefwahl als Chance

Baldauf sucht in dem Ausnahmezustand aber auch seine Chance. Er hofft auf die Briefwahl. Trotz der Aufholjagd der Genossen lag die CDU in den vergangenen Wochen und Monaten in Umfragen stets vorn. Deshalb wirbt Baldauf auch intensiv um eine frühe Stimmabgabe mittels Briefwahl. Das Kalkül: die aktuell gute Stimmung schon vorab in Stimmen umzusetzen. Zudem könnte die Corona-Krise der CDU in diesem Punkt sogar in die Hände spielen. Der Anteil der Briefwahl lag bereits bei der vergangenen Wahl bei sehr hohen 30,6 Prozent. Dieser Wert dürfte in der aktuellen Pandemie nochmal deutlich nach oben gehen. Zudem verfüge gerade die CDU über eine zuverlässige Wählerschaft, sagt Jun.

"Die CDU ist bei der Briefwahl im Vorteil", sagte der Politikwissenschaftler. "Das wissen wir aus Erfahrungen der Vergangenheit und einigen Studien. Teile ihrer Wähler sehen die Wahl als eine Art staatsbürgerliche Pflicht an. Hier kann die CDU ihre Wähler gut mobilisieren. Das führt dazu, dass die Briefwahl zugunsten der Unionsparteien ausgehen."

Corona-Krise sorgt für Ungewissheit

Die neuen Zahlen von infratest dimap zeigen zudem: Eine breite Wechselstimmung ist eher nicht auszumachen. Mit der steten Aufholjagd der SPD in den Umfragen dürfte es für Baldauf immer schwieriger werden, nächster Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz zu werden.

Die Ampel verfügt derzeit über eine eigene Mehrheit. Vor allem die Grünen würden das Bündnis mit der SPD auch fortsetzen wollen. Aber die Abstimmung findet in einer Ausnahmesituation statt - Überraschungen kann es gerade da immer geben.