Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln | dpa

Nordrhein-Westfalen Vertuschungsvorwürfe gegen Kardinal Woelki

Stand: 10.12.2020 15:41 Uhr

Gegen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki werden schwere Vorwürfe wegen des Vertuschens einer sexuellen Straftat erhoben.

Das Erzbistum bestätigte einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers", dass Woelki von sexuellem Missbrauch durch einen Düsseldorfer Priester gewusst habe. Er habe von den Vorwürfen schon 2011 erfahren, als er noch Weihbischof war.

Kindergartenkind sexuell missbraucht

Der Düsseldorfer Pfarrer soll nach dem am Donnerstag erschienenen Bericht ein Kindergartenkind in den 1970er-Jahren schwer sexuell missbraucht haben.

Der Kölner Erzbischof soll, nachdem er davon erfahren habe, nicht die zuständige Stelle im Vatikan informiert haben und auch keine kirchliche Voruntersuchung eingeleitet haben, so der "Kölner Stadt-Anzeiger". Das wäre ein Verstoß gegen kirchliche Bestimmungen.

Erzbistum bestätigt Bericht

Das Erzbistum bestätigte den Vorgang. Es teilte allerdings mit, dass der Pfarrer nicht vernehmungsfähig gewesen sei. Ein zweiter Schlaganfall und eine fortgeschrittene Demenz hätten eine Konfrontation zur Aufklärung des Falles unmöglich gemacht.

Das habe auch eine kanonische Voruntersuchung verhindert. Der potenzielle Betroffene habe ausdrücklich nicht an der Aufklärung des Sachverhalts mitwirken wollen und sich keine Konfrontation des Pfarrers gewünscht. Auch andere Möglichkeiten zur Aufklärung, beispielsweise Zeugen, seien nicht vorhanden gewesen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Erzbistums.

Kirchenrechtler übt Kritik

Der Kirchenrechtler Bernhard Anuth sagte dem "Kölner Stadt-Anzeiger", das Kirchenrecht biete keinen solchen Ermessensspielraum: "Zur Durchführung einer kanonischen Voruntersuchung war Woelki kirchenrechtlich ebenso verpflichtet wie zur Weiterleitung der Ergebnisse nach Rom, und sei dieses auch ergebnislos oder die Faktenlage noch so fragmentarisch".

Damit wird dem Kölner Erzbischof jetzt erstmals eine persönliche Beteiligung an einer Vertuschungshandlung vorgeworfen. Woelki hatte für den Fall, dass ihm eine Vertuschung nachgewiesen wird, seinen Rücktritt in Aussicht gestellt.

Woelki äußert sich zu Vorwürfen

Woelki erklärte am Donnerstag nach den Vorwürfen gegen ihn: "Der Auftrag der unabhängigen Untersuchung ist klar: Ohne Ansehen von Person und Amt werden alle Vorgänge im Umgang mit sexualisierter Gewalt der vergangenen Jahrzehnte aufgeklärt." Die Untersuchung lasse niemanden aus - auch ihn nicht.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 10. Dezember 2020 um 17:04 Uhr.