Schüler sitzen mit Maske im Klassenzimmer | WDR / picture alliance / Zoonar

Nordrhein-Westfalen Jugendstudie: Junge Generation im Dauer-Krisenmodus

Stand: 03.05.2022 10:00 Uhr

Mehr als zwei Jahre Corona-Pandemie, seit Februar der Krieg in der Ukraine – und im Hinterkopf die Sorge ums Klima. Gerade junge Menschen leiden besonders stark unter den sich überlagernden Krisen. Das zeigt die neue Studie "Jugend in Deutschland".

Eine Krise überlagert die nächste - und viele junge Menschen in Deutschland haben beim Blick in die Zukunft Sorgen. Sie machen sich Gedanken ums Klima, um ihre finanzielle Situation und fast jeder Zweite hat Angst davor, dass sich der Ukraine-Krieg auf ganz Europa ausweiten könnte.

Jugendforscher Simon Schnetzer | Pio Mars

Jugendforscher Simon Schnetzer Bild: Pio Mars

Der Jugendforscher Simon Schnetzer und der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann befragen regelmäßig junge Menschen dazu, was ihnen Sorgen bereitet und wie sie in die Zukunft blicken.

Krieg war ein Schock für Gen Z

Die Ergebnisse ihrer neuesten Jugendstudie haben sie am Dienstag vorgestellt. Demnach war vor allem der Krieg in der Ukraine ein großer Schock für die 14- bis 29-Jährigen, die gerade erst dabei waren, sich von den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erholen. 68% sagen, dass ihnen der Krieg im Moment am meisten Sorgen macht. Gefolgt von Klimawandel, Inflation, Spaltung der Gesellschaft und der Angst vor einer Wirtschaftskrise.

Ein Gefühl von Kontrollverlust

Professor Dr. Klaus Hurrelmann | imago/Reiner Zensen/ Fotograf: imago stock

Professor Dr. Klaus Hurrelmann Bild: imago/Reiner Zensen/ Fotograf: imago stock

Die Generation Z sieht ihre Zukunftsaussichten in Frage gestellt. Das Sicherheitsgefühl, das durch Corona schon angekratzt war, ist nun noch stärker beschädigt. Die Jugendstudie zeigt, dass viele das Gefühl haben, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren. Das hat Folgen: Bei vielen ist die psychische Belastung gestiegen, fast die Hälfte fühlt sich unter Stress, mehr als jeder Dritte spricht von Antriebslosigkeit.

Die steigende psychische Belastung hängt laut Studie auch damit zusammen, dass junge Menschen durch die Corona-Pandemie wichtigen Rückhalt verloren haben, weil sie Freundschaften nicht wie gewohnt führen und pflegen konnten. Das beschäftigt fast jeden Dritten der mehr als 1.000 Befragten.

Wunsch nach mehr Wissen und Kompetenzen

Die Studie soll aber nicht nur ein Bild der schwierigen Lage zeichnen, sondern auch den Blick darauf lenken, was junge Menschen an Unterstützung erwarten, um mit Krisen besser umgehen zu können. Ein Wunsch: Mehr Angebote für psychologische Unterstützung, Coaching oder Mentoring. Und ein Unterricht an Schulen, in dem sie nicht nur Inhalte lernen, sondern auch Umgang mit Stress und Selbstorganisation.

Mit Blick auf die Zukunft weiß die Generation Z, wie wichtige es ist, gut mit Finanzen umzugehen. Und auch hier wünschen sie sich eine Ausbildung, die ihnen nicht nur hilft, die Steuererklärung auszufüllen, sondern die ihnen Kontrolle zurückgibt. Kontrolle über die eigene finanzielle Absicherung für jetzt und für später.

Quelle: wdr.de