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Nordrhein-Westfalen Corona: Wenn die Pandemie zur Endemie wird

Stand: 13.01.2022 15:49 Uhr

Corona ist zwar nicht weg, aber nur noch so gefährlich wie die ein normales Erkältungsvirus - auf diesen Zustand warten alle. Erreichen ihn andere Länder schneller als wir?

Wer nur auf die Infektionszahlen blickt, die Spanien gerade meldet, kann es mit der Angst zu tun bekommen: Die 7-Tage-Inzidenz erreichte dort Anfang der Woche einen Höchstwert von 1.861 - seitdem ist sie nur leicht gesunken. Doch statt über Verschärfungen der Maßnahmen denkt Ministerpräsident Pedro Sánchez darüber nach, die Nachverfolgung der Infektionen einzuschränken, um das Gesundheitssystem zu entlasten.

Covid-19 entwickele sich von einer Pandemie zu einer endemischen Krankheit, sagte Sanchez in einem Interview. Darauf müsse man mit neuen Instrumenten reagieren.

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Auch in Großbritannien sind die Zahlen zum Jahreswechsel stark gestiegen. Doch seit am 6. Januar eine Rekord-Inzidenz von 1.877 verzeichnet wurde, sinken die Zahlen wieder. Und das, obwohl die Maßnahmen im Land weiterhin eher locker sind: Maskenpflicht, 3G - viel mehr wird den Briten nicht zugemutet.

Man könnte auch sagen: Sie lassen es laufen. "Wir wollen die erste große Wirtschaftsnation sein, die den Übergang von der Pandemie zur endemischen Lage schafft", sagte Bildungsminister Nadhim Zahawi.

Je höher die Grundimmunität, desto schneller wird Corona endemisch

Wenn eine Krankheit endemisch wird, haben sich relativ viele Menschen bereits damit infiziert oder sie sind durch eine Impfung immunisiert. "Die Anzahl der Menschen, die schwer erkranken, ist dann deutlich reduziert im Vergleich zur akuten Phase der Pandemie", erklärte Immunologe Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover. Und auch der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass in absehbarer Zeit ein Großteil der Bevölkerung eine Grundimmunität besitzt, so dass man nur noch Ältere und chronisch Kranke impfen müsse.

Andere Voraussetzungen in Spanien oder Großbritannien

Derzeit sieht es so aus, als könnten Spanien und Großbritannien diesen Zustand bald erreichen. In Deutschland sei man davon aber noch weit entfernt, sagt Reinhold Förster. Da die Infektionsraten in Großbritannien doppelt so hoch seien wie hier, sei ein entsprechend breiterer Infektionsschutz vorhanden.

Auch im Vergleich mit Spanien schneidet Deutschland schlecht ab: Kaum ein anderes Land weltweit hat eine höhere Impfquote als Spanien. So sind bereits 85,9 Prozent aller Spanier über 60 geboostert - in Deutschland sind es nur 66,9 Prozent.

WHO sieht noch immer große Unsicherheit

Die Methode "laufen lassen", die in Spanien und Großbritannien diskutiert wird, scheint für Deutschland derzeit also keine Option zu sein. Aber auch die Länder, die eine höhere Immunisierung in der Bevölkerung haben, sollten sich nicht zu früh freuen. So sieht die WHO in Europa die Zeit noch nicht gekommen, die Pandemie zu einer Endemie zu erklären. "Wir haben immer noch eine große Unsicherheit", sagte WHO-Expertin Catherine Smallwood. Das Virus entwickele sich sehr schnell und stelle immer wieder neue Herausforderungen.

Quelle: wdr.de