Anhänger von Donald Trump beim Angriff auf das Kapitol im Januar 2021. | WDR / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nordrhein-Westfalen Jahrestag des Kapitol-Sturms: "Trump ist immer noch beliebt"

Stand: 06.01.2022 16:18 Uhr

Vor einem Jahr stürmten Anhänger von Donald Trump den Sitz des US-Kongresses in Washington. Mehrere Menschen starben. Auch heute ist Trump in den USA immer noch beliebt, sagt eine Expertin.

Washington, 6. Januar 2021: Aquilino Gonell kämpft am Kapitol um sein Leben. Der Polizist steht am Sitz des US-Kongresses einem wütenden Mob gegenüber und versucht verzweifelt, die Randalierer zurückzudrängen. Es sei wie in einer "mittelalterlichen Schlacht" gewesen, sagte Gonell später.

Seine Kollegen und er hätten sich Zentimeter für Zentimeter gegen den brutalen Mob verteidigen müssen. Sie werden geschlagen, getreten, mit Hämmern und Stöcken malträtiert, mit Chemikalien besprüht. "Ich hätte sterben können an jenem Tag. Nicht ein Mal, sondern viele Male", so der Beamte der Kapitol-Polizei.

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Biden rechnet mit seinem Vorgänger im Amt ab

Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump hatten vor einem Jahr den Sitz des Kapitols gestürmt, um die formale Bestätigung des Wahlsieges von Joe Biden zu verhindern. Eindringlinge überwältigten die zahlenmäßig unterlegenen Beamten der Kapitol-Polizei. Bei dem Angriff kamen fünf Menschen ums Leben.

Trump, der ohne Beweise die Mär von einem massiven Wahlbetrug verbreitete, hatte in einer Rede vor dem Sturm auf das Kapitol die Menge aufgeheizt. Daran ließ auch US-Präsident Joe Biden am Jahrestag keinen Zweifel - auch wenn er den Namen seines Vorgängers nicht nannte, als er sich aus der Statuary Hall des Kapitols an die Nation wandte. "Zum ersten Mal in unserer Geschichte hat ein Präsident nicht nur eine Wahl verloren, sondern auch versucht, die friedliche Machtübergabe zu verhindern", sagte er. "Sein angeschlagenes Ego ist ihm wichtiger als unsere Demokratie oder unsere Verfassung. Er kann sich nicht damit abfinden, dass er verloren hat."

Ex-Präsident Trump, dem Ambitionen auf eine zweite Präsidentschaft nachgesagt werden, äußerte sich am Jahrestag der Ereignisse nicht. Eine zunächst geplante Pressekonferenz zum Thema hat er wieder abgesagt.

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Unterschiedliche Interpretation

Der Sturm auf das Kapitol habe gezeigt, wie gespalten die USA seien, sagte Stormy-Annika Mildner vom Aspen-Institute-Germany am Donnerstag im WDR5-"Morgenecho". Die in den 1980er-Jahren entstandene Spaltung habe während der Präsidentschaft Trumps noch deutlich zugenommen.

Die Interpretation des Ereignisses ist bis heute sehr unterschiedlich, wie Mildner erklärte. Für viele Republikaner sei die Erstürmung auch heute noch ein Protest besorgter Bürger, der aus dem Ruder gelaufen sei. Für die Demokraten sei es dagegen ein Putschversuch.

Verständnis für Gewalt

Rund 20 Prozent der Menschen in den USA sind laut einer aktuellen Umfrage der Meinung, dass Gewalt ein zulässiges Mittel sei, um ihre Werte und das Land zu verteidigen. Unter den Republikanern sei diese Zustimmung noch etwas höher als unter den Demokraten, erläuterte Mildner. "Und das ist erschreckend."

Zu einer weiteren Belastungsprobe der Demokratie könne es im November kommen. Dann stehen in den USA, die "Midterms", die Halbzeitwahlen, an. Der Wahlkampf habe bereits begonnen. "Die Umfragewerte von Joe Biden sind relativ schlecht", sagte Mildner.

Hohe Zustimmungswerte für Trump

06.01.2021, USA, Washington: Unterstützer von US-Präsident Trump stehen vor Polizeien auf dem Gang vor der Senatskammer im Kapitol | WDR / dpa / Manuel Balce Ceneta

Trump-Unterstützer im Kapitol Bild: WDR / dpa / Manuel Balce Ceneta

"Die Republikaner setzen nach wie vor auf Trumpsche Politik und können damit auch punkten", sagte Mildner. "Es drohen den Demokraten deutliche Verluste in beiden Kammern - und dann kann schnell die Mehrheit für die Demokraten verloren gehen."

Trump habe in der Republikanischen Partei noch viel Macht. "Noch immer 63 Prozent der republikanischen Wähler wollen, dass Trump weiterhin Führer der republikanischen Partei ist", so Mildner. Außerdem haben 82 Prozent der Republikaner laut einer Umfrage eine hohe Meinung von Trump. "Er ist nach wie vor beliebt, seine Politik ist nach wie vor beliebt."

Quelle: wdr.de