Eine qualmende Zigarette in einer Hand | dpa

Nordrhein-Westfalen Wieder mehr Rauchende während der Corona-Pandemie

Stand: 27.12.2021 11:58 Uhr

Der Anteil der Raucher in Deutschland steigt bundesweit wieder: Fast 31 Prozent der Menschen ab 14 Jahren greifen zum Glimmstengel. Vor Corona waren es noch 27 Prozent - laut einer Langzeitstudie der Universität Düsseldorf.

Die Corona-Pandemie hat gesundheitliche und seelische Langzeitfolgen: Das gilt auch für den Konsum von Tabak oder Alkohol. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf führt dazu eine nach eigenen Angaben repräsentative Langzeitstudie.

Laut dieser Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (Debra) liegt der Anteil der Raucherinnen und Raucher ab 14 Jahren bundesweit mittlerweile wieder bei 31 Prozent. Vor Corona waren es 27 Prozent.

Wahrscheinlich sei, dass im letzten Jahr mehr frische Ex-Raucher rückfällig geworden seien, sagt der Suchtforscher und Debra-Leiter Daniel Kotz der Nachrichtenagentur dpa. "Ob Corona-Stress oder allgemein Auswirkungen der Pandemie da jetzt hineinspielen, ist ein bisschen spekulativ, kann aber sein."

Alkoholkonsum verlagert sich in Wohnungen

Veränderungen gab es auch beim Alkoholkonsum. Es habe im Zuge der Corona-Pandemie weniger Gelegenheiten zum gemeinsamen Trinken gegeben, sagt der Suchtmediziner und Ärztliche Direktor Falk Kiefer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Dennoch sei der durchschnittliche Alkoholkonsum in Deutschland im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie in etwa gleich geblieben. Er habe sich in die Wohnungen und auf eine spezielle Untergruppe von Konsumenten verlagert, erläutert Kiefer.

Silhouette eines Mannes, der aus einer Flasche Wein trinkt | dpa/Bildagentur-o

Alkohol Bild: dpa/Bildagentur-o

"Menschen, die ohnehin schon regelmäßig Alkohol zu Hause getrunken haben, zum Beispiel zum Schöntrinken des Abends - zum Vertreiben von Einsamkeit, Langeweile oder Sorgen, die trinken nun mehr." Jeder vierte Erwachsene sei betroffen.

Stressfaktoren seien zum Beispiel Mehrfachbelastungen durch Kinder im Home-Schooling oder Ehepartner im Homeoffice. Auch Langeweile und das Gefühl des Nichtgebrauchtwerdens sei für einige ein Grund zum Trinken.

Im ersten Lockdown hatten laut einer Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit und der Uniklinik Nürnberg 37 Prozent von mehr als 2.000 befragten Erwachsenen einen höheren Alkoholkonsum angegeben als zuvor, 21 Prozent einen geringeren. Ein ähnliches Bild ergab sich für den Tabakkonsum.

Motivation zum Rauchen-Aufhören nimmt ab

Auch wenn solche Studien auf oft online erhobenen Selbstauskünften beruhen, sind die Ergebnisse durch die hohen Fallzahlen und die internationale Vergleichbarkeit laut Kiefer belastbar. Schon vor der Corona-Pandemie habe man eine rückläufige Motivation in Deutschland beobachten können, mit dem Rauchen aufzuhören, erläutert der Epidemiologe Kotz, Leiter des Sucht-Forschungsschwerpunktes am Centre for Health and Society der Uni-Klinik Düsseldorf.

Auch die sogenannte Rauchstoppversuchsrate sei rückläufig. Im Gegenzug gebe es aber bei Jugendlichen den klaren Trend, gar nicht erst anzufangen. Das kann auch Preisgründe haben, denn ab Januar wird Rauchen wegen der Tabaksteuer teurer - für eine Packung mit 20 Zigaretten um durchschnittlich 10 Cent.

Quelle: wdr.de