Bernhard Günther, der durch einen Säureanschlag vor einem Jahr verletzte Finanzvorstand der Innogy AG | AFP/INA FASSBENDER

Nordrhein-Westfalen Säure-Angriff auf Innogy-Manager: Tatverdächtiger festgenommen

Stand: 06.01.2022 15:34 Uhr

Knapp vier Jahre nach einem Säure-Attentat auf den damaligen Innogy-Manager Bernhard Günther in Haan hat die Polizei in Belgien einen weiteren mutmaßlichen Täter festgenommen.

Der Mann, ein 41 Jahre alter Belgier, wurde bereits am Dienstag in der belgischen Provinz Limburg festgenommen, teilten die Ermittler mit. Bei dem Mann bestehe dringender Tatverdacht: Zuvor durchgeführte umfangreiche Ermittlungen hätten unter anderem ergeben, dass das DNA-Profil des Beschuldigten mit einer am Tatort gefundenen DNA-Spur übereinstimme.

Nach Erlass eines europäischen Haftbefehls befindet er sich derzeit in Belgien in Haft. Eine kurzfristige Auslieferung sei beabsichtigt. Die umfangreichen Ermittlungen, insbesondere die Auswertung sichergestellter Beweismittel, dauern an.

Festnahme knapp vier Jahre nach der Tat

Im März 2018 hatten zwei Vermummte dem damaligen Innogy-Manager Bernhard Günther in Haan vor seinem Haus hochkonzentrierte Säure ins Gesicht geschüttet und ihn dabei schwer am Kopf verletzt. Lange Zeit verliefen die Ermittlungen nach den Tätern im Sand.

Im Oktober 2019 war es im Zusammenhang mit der Tat zu einer Verhaftung eines Mannes in Köln gekommen. Der Mann musste wieder freigelassen werden. Danach hätten sich Hinweise auf den zweiten Verdächtigen aus Belgien verdichtet. Insgesamt werde gegen vier Verdächtige ermittelt.

Hohe Belohnung ausgesetzt

Zwei Jahre nach dem Säure-Attentat auf den Manager hatte dann sein damaliger Arbeitgeber, das Energie-Unternehmen Innogy, eine Belohnung von 100.000 Euro für die Aufklärung der Tat ausgesetzt und Plakate aushängen lassen, mit denen nach möglichen Zeugen gesucht wurde. Der aktuelle Fahndungserfolg sei dabei auch der hohen Belohnung zu verdanken, so Dorothea Tumeltshamer von der Staatsanwaltschaft Wuppertal.

Rotumrahmtes Plakat auf Bahnhofsvorplatz mit Hinweis auf Belohnung | WDR

Plakate hängen in Düsseldorf und Köln Bild: WDR

Das Unternehmen hatte befürchtet, dass die Tat im Zusammenhang mit Günthers Managertätigkeit stehen könnte. Auch Günther selbst hatte vermutet, dass der Drahtzieher aus seinem beruflichen Umfeld stammen könnte. Konkrete Namen wollte der Manager allerdings nicht nennen.

Wenige Tage nach dem Angriff war die Zerschlagung von Innogy bekannt gegeben worden. Günther blieb nach der Übernahme von Teilen der Firma durch Konkurrenten Eon als einziger Innogy-Vorstand im Amt.

Hoffnung auf Hinweise zu Hintermännern

Weitere Informationen zu der Festnahme wollen die Ermittler der Staatanwaltschaft Wuppertal und der Düsseldorfer Mordkommission aus ermittlungstaktischen Gründen zurückhalten. Martin Meinberg, der Anwalt von Günther, hegt die Hoffnung, dass jetzt Bewegung in die Aufklärung des Falls kommt. Meinberg sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Dieser Zugriff hat uns hoffentlich den Weg zu den Hintermännern und Auftraggebern eröffnet".

Günther selbst äußerte sich ähnlich: "Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Fortschritt des Ermittlungsverfahrens. Durch die Festnahme erhoffe ich mir, unserem Ziel ein großes Stück näher gekommen zu sein, die Mittelsmänner und den Auftraggeber dieses Angriffs auf mich zu identifizieren".

Quelle: wdr.de