Omikron Variante App | dpa Pavlo Gonchar

Nordrhein-Westfalen Corona-Variante Omikron: Was Virologen über Fälle, Verlauf und Symptome wissen

Stand: 29.11.2021 09:40 Uhr

Die Coronavirus-Variante "Omikron" hat nach ersten Erkenntnissen eine hohe Viruslast - aber einen milden Verlauf. Nun ist der erste Fall in NRW aufgetreten. Das ist über die Variante bekannt.

Die Ausbreitung einer neuen Variante des Coronavirus im Süden Afrikas löst international Besorgnis aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Variante B.1.1.529 - die den Namen Omikron trägt - als "besorgniserregend" eingestuft.

Südafrika hatte die Mutanten-Entdeckung am 24. November offiziell bekanntgegeben. Es ist allerdings davon auszugehen, dass sich die Variante schon länger verbreitet - und zwar weltweit. So teilte das niederländische Institut für öffentliche Gesundheit (RIVM) mit, dass die Variante in zwei Testproben nachgewiesen wurde, die auf den 19. und 23. November datiert sind.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Variante nachgewiesen. Wie das NRW-Gesundheitsministerium mitteilte, wurde am Dienstagabend ein erster Omikron-Fall in Düsseldorf bestätigt.

Wo sind Omikron-Fälle aufgetreten?

Die ersten Omikron-Fälle sind bereits im Oktober in Nigeria aufgetaucht. Allerdings sei die neue Variante des Coronavirus erst jetzt bei einer nachträglichen Sequenzierung nachwiesen worden, teilte die nationale Gesundheitsbehörde am Mittwoch mit. Vor allem im südlichen Afrika breitet sich die Variante aus, aber auch aus Brasilien, Italien, Australien, England, Israel, Österreich oder den Niederlanden werden Fälle gemeldet - meistens mit Bezug zu einer Reise nach Südafrika.

Inzwischen ist die Variante auch in Deutschland angekommen: In Bayern, Hessen und NRW wurden erste Fälle bestätigt. Beim Münchener Max-von-Pettenkofer-Institut für Infektionskrankheiten geht man davon aus, dass sich die Variante über Wochen international verbreitet habe - auch in Deutschland. "Einige Hundert Fälle können es in Deutschland vielleicht sein", vermutete Institutsvorstand Oliver Keppler.

Wie gefährlich ist die neue Variante?

Das steht noch nicht genau fest. Erste Erkenntnisse deuten daraufhin, dass die bisher bekannten 30 Mutationen der Variante leichter übertragbar und Impfstoffe weniger wirksam seien. Deswegen hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Typ B.1.1.529 zunächst als besorgniserregend eingestuft. Die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC hält das Risiko einer Ausbreitung in der EU für "hoch bis sehr hoch".

Der Virologe Christian Drosten hält eine Bewertung noch für verfrüht - zeigte sich aber besorgt. "Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt. Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann: Es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist", sagte er im ZDF.

Es gebe zudem die Sorge, dass man es bei der Omikron-Variante mit einer wirklichen "Immun-Escape-Variante" zu tun habe. Dann müssten die Impfungen verändert werden. Eine Anpassung der mRNA-Impfungstoffe sei möglich. "Das wird man technisch relativ einfach machen können." Dauern könnte dies aber dennoch Monate, sagte Drosten.

Fakt ist: Omikron breitet sich um ein Vielfaches schneller aus als die Delta-Variante und dominiert so in Südafrika das Infektionsgeschehen, wie Grafiken zeigen.

Wie schwer sind Erkrankung und Symptome?

Bisher haben Ärzte nur milde Krankheitsverläufe bei Omikron-Infizierten beobachtet. Die Patienten klagen nach Angaben der südafrikanischen Mediziner-Vereinigung (SAMA) über einen schmerzenden Körper und extreme Müdigkeit. Außerdem sind es eher jüngere Menschen, die nicht direkt in ein Krankenhaus eingeliefert würden.

Die SAMA-Vorsitzende Angélique Coetzee sagte der britischer Zeitung "Daily Telegraph", kein Patient in ihrer Praxis habe über Geschmacks- oder Geruchsverlust geklagt. "Ihre Symptome waren so anders und milder als die, die ich zuvor behandelt hatte."

Wirken die Impfstoffe gegen Omikron?

Experten können noch keine genauen Aussagen dazu machen. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps sagte, die in Südafrika entdeckte Variante habe ein Spike-Protein, das sich dramatisch von dem der ursprünglichen Variante unterscheide, gegen die die Impfstoffe entwickelt seien.

Charité-Immunologe Leif Erik Sander zeigte sich dennoch optimistisch, dass die bisherigen Corona-Impfstoffe auch gegen die Omikron-Variante wirken. Er sei optimistisch, dass man bei dieser Variante "nicht bei Null" anfangen müsse. Ähnlich äußerte sich RKI-Chef Lothar Wieler.

Die Universität Oxford, Partner des Impfstoffherstellers Astrazeneca, sieht keine Hinweise auf einen mangelnden Schutz vor schweren Krankheitsverläufen bei der Virusvariante Omikron. Die Wirksamkeit des mit Astrazeneca entwickelten Vakzins werde in dieser Hinsicht genau untersucht, teilt die Uni weiter mit. Es gebe bisher nur begrenzt Daten zu Omikron. Sollte es aber notwendig sein, könnte rasch eine neue Version des Impfstoff entwickelt werden.

Der Mainzer Impfstoffentwickler Biontech teilte dem WDR auf Anfrage mit, man habe unverzüglich Untersuchungen eingeleitet. Damit könne man feststellen, ob der Biontech-Impfstoff angepasst werden müsse.

Quelle: wdr.de