Rosenmontagszug in Düsseldorf | WDR/Thomas von der Heiden

Nordrhein-Westfalen Karnevalszüge vor Absage - Düsseldorfer Rosenmontag wird verschoben

Stand: 25.11.2021 12:46 Uhr

Die Corona-Infektionen schnellen weiter ungebremst in die Höhe - in den Karnevalshochburgen wackeln die Veranstaltungen zum Höhepunkt der Session.

Von Peter Hild und Jochen Hilgers

Das Festkomitee Kölner Karneval schließt eine Verschiebung der kommenden Session ins Frühjahr kategorisch aus. Eine Absage des Karnevals wie im vergangenen Jahr ist wegen der Pandemie immer möglich.

Das Kölner Festkomitee sagt aber, aus traditionellen Gründen gebe es auf keinen Fall eine Verschiebung der Session. Das würde nur der fortschreitenden Kommerzialisierung Vorschub leisten.

Treffen mit Landesregierung

Am Donnerstag Vormittag hat nach WDR-Informationen ein virtuelles Treffen mit Vertretern der Veranstaltungsbranche und des rheinischen Karnevals mit der Staatskanzlei begonnen. Dort sollen mögliche Auswirkungen der Coronapandemie auf die kommende Session diskutiert werden.

Die Karnevalisten im Rheinland fragen sich, warum die Düsseldorfer ihre Pläne nicht in diesem Kreis vorgestellt, sondern diesen Alleingang gestartet haben.

Absage in Leverkusen - andere wollen weiter planen

In Leverkusen werden alle Karnevalsumzüge abgesagt, weil die Kontrollmaßnahmen nicht zu leisten wären. Sitzungen können stattfinden - aber nur mit 2G+.

Viele andere Karnevalsvereine in NRW wollen aber erstmal an ihren Umzugsplänen festhalten. "Wir warten noch die weitere Corona-Entwicklung ab und hoffen, dass sich die 2G+-Regel bewährt", sagt Simon Schmid vom Festausschuss in Bonn. Auch in Duisburg, Hamm, Aachen und Münster laufen die Planungen weiter. Entscheidungen sollen dort erst im Dezember bzw. Januar fallen.

Kritik an früher Düsseldorfer Entscheidung

Viele Karnevalisten im Land können die frühe Verschiebung des Düsseldorfer Zuges drei Monate vor Rosenmontag nicht nachvollziehen. Die großen Umzüge ins Frühjahr zu verschieben, kommt für viele Verantwortliche nicht in Frage - schließlich sei der Karneval ein Winterbrauchtum.

Das Düsseldorfer Komitee (CC) nimmt die Kritik gelassen hin: "Außergewöhnliche Zeiten wie Corona erfordern besondere Schritte. Und wir wollen so den Karneval am Leben erhalten, anstatt durch erneute Absagen in der zweiten Session in Folge womöglich viele engagierte Mitglieder und Ehrenamtler zu verlieren", erklärt CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann.

Düsseldorfer Rosenmontagszug am 8. Mai

Der Düsseldorfer Rosenmontagszug wird nicht Ende Februar durch die Straßen rollen, sondern auf den 8. Mai verschoben. Grund sind die steigenden Corona-Infektionszahlen. Die Verlegung hat das Comitee Düsseldorfer Carneval (CC) am Mittwochabend nach einer Gesprächsrunde mit den Präsidenten der angeschlossenen Karnevals-Gesellschaften beschlossen.

Nur so sei "Druck vom Kessel zu nehmen", auch damit die Vereine besser planen können, sagte Tüllmann. Aus dem Grund sei ein Rosenmontagszug am 8. Mai absolut richtig und in dieser Phase vertretungswürdig.

Mit der Verschiebung bleibt nach Angaben des Comitees die Chance, den Umzug dann wie gewohnt mit Tausenden Zuschauern am Straßenrand feiern zu können.

Verlegung als Chance für Vereine

Die Verlegung des Rosenmontagszugs auf einen Sonntag im Mai sei mit der Stadt und der katholischen Kirche abgestimmt, heißt es weiter. "Die Vereine können frei entscheiden, ob, wann und in welchem Umfang sie ihre Veranstaltungen durchführen", betonte CC-Vizepräsident Stefan Kleinehr.

Die Verlängerung der Session sei ein Angebot an die Gesellschaften, ihre Veranstaltungen ins Frühjahr zu verschieben, um nicht durch eine coronabedingte Komplettabsage am Jahresanfang einen finanziellen Verlust zu erleiden. "Wir sehen darin eine echte Chance, den Karneval am Leben zu erhalten und trotzdem zu feiern“, so Kleinehr.

Kritik vom Bund Deutscher Karneval: "Wir sind bestürzt und beschämt"

Mit der Verlegung des Rosenmontagzugs auf den 8. Mai hagelt es auch Kritik am Düsseldorfer Comitee Düsseldorfer Carneval. Besonders der Bund Deutscher Karneval hat die angekündigte Verschiebung heftig kritisiert. Man sei "bestürzt und beschämt" über die Entscheidung vom CC, teilte BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess mit.

Die Entscheidung stelle "einen eklatanten Verstoß" gegen die Satzung des BDK dar, so Fess. Laut Satzung dürfen vor dem 11.11. eines Jahres und nach Aschermittwoch des Folgejahres keine karnevalistischen Veranstaltungen stattfinden.

Verlegung auf Gedenktag des Nationalsozialismus

"Denkbar unglücklich" sei die Wahl auf den 8. Mai auch aus einem anderen Grund, erklärte BDK-Vizepräsident Peter Krawietz. In vielen europäischen Ländern wird an diesem Datum der Gedenktag zur Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des zweiten Weltkrieges begangen.

"In anderen Ländern ist das ein Trauertag und der Rosenmontagszug ist auch ein Tag, an dem geschunkelt wird, wo gefeiert wird, wo viel Alkohol fließt – ich weiß nicht, ob das so zusammenpasst.", kritisiert auch Oliver Ongaro vom Bündnis 'Düsseldorf stellt sich quer'.

Die Entscheidung, den Rosenmontagszug auf den 8. Mai und damit auf den "Tag der Befreiung" zu legen, sei, so Michael Laumen, Präsident des CC, zufällig gefallen. "Das hat man wirklich nicht im Hinterstübchen gehabt, da bin ich ganz ehrlich"“, sagt Laumen. Man habe in der Planung mit den verschiedenen Institutionen einfach nach dem nächstmöglichen Termin gesucht.

Trotzdem stelle das neue Datum auch ein Chance dar – nur eine Woche vor den Landtagswahlen sei der Karnevalsumzug mit den Mottowagen von Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly noch nie so aktuell gewesen wie im Jahr 2022, so der CC-Präsident.

Noch keine Entscheidung zu Altweiber

Zum Straßenkarneval an Altweiber mit dem traditionellen Rathaussturm hätten die Karnevalisten am Abend noch nicht diskutiert, erklärte CC-Geschäftsführer Hans-Jürgen Tüllmann. Dazu gäbe es auch noch keine abschließende Meinung im Comitee, wie man damit umgehe. Da könne man aber auch kurzfristiger entscheiden als beim Rosenmontagszug, so Tüllmann.

Quelle: wdr.de