Symbolbild: Person mit Impfpflaster und Impfausweis | imago images/Westend61

Nordrhein-Westfalen Booster-Impfung für alle - geht das überhaupt?

Stand: 02.11.2021 17:12 Uhr

Bundesgesundheitsminister Spahn will, dass alle Menschen schnellstmöglich eine Booster-Impfung erhalten. Aber ist das überhaupt sinnvoll und möglich?

Grundsätzlich besteht laut Impfverordnung für jeden die Möglichkeit, sich eine Booster-Impfung geben zu lassen. Die Ständige Impfkomission, an deren Empfehlungen sich auch das Land NRW orientiert, sieht einen Booster bislang aber nur für bestimmte Gruppen vor. Wäre das Boostern von allen überhaupt sinnvoll und möglich?

Sollten sich wirklich alle eine Booster-Impfung holen?

Bislang ist strittig, wie sinnvoll Booster für alle im aktuellen Infektionsgeschehen sind. Laut dem Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, ist die Grundimmunisierung der Menschen wichtiger als Nachimpfungen. Und da seien die Quoten unzureichend. Mertens will zudem gezielt bestimmten Gruppen Booster verabreichen, um kritische und tödliche Verläufe zu verhindern.

Allerdings gibt es Studien, die darauf hinweisen, dass der Corona-Schutz mit der dritten Impfung erhöht werden kann. Die Stiko hat daher angekündigt, dass sie noch entscheiden will, ob sie Booster für alle empfiehlt. Wann das geschehen soll, ist allerdings noch unklar: Der genannte Zeitrahmen liegt bei "wenigen Wochen".

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte indes, dass man angesichts der steigenden Infektionszahlen wachsam bleiben und entschlossen handeln müsse, was Booster-Impfungen angeht.

Können Booster-Impfungen für alle ohne Impfzentren überhaupt bewältigt werden?

Bisher ist fraglich, ob die nötige Infrastruktur für das schnelle Boostern vorherrscht. Die Hausärzte in NRW sind überzeugt, dass sie die noch ausstehenden Impfungen und Booster-Auffrischungen in ihren Praxen bewältigen können. Das teilte eine Sprecherin des Hausärzteverbands mit.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, ist weniger optimistisch. Er forderte, man solle die Impfzentren wieder mit ins Boot holen. Dafür sprach sich auch der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, aus.

Bundesgesundheitsminister Spahn hat den Ländern diesen Vorschlag unterbreitet - stieß damit aber auf wenig Gegenliebe. In NRW werde es die Impfzentren in alter Form nicht mehr geben, hatte ein Sprecher des hiesigen Gesundheitsministeriums am Montag betont.

Allerdings hatten sich die Länder im Sommer dazu verpflichtet, sicherzustellen, dass die "Impfkapazitäten bedarfsgerecht in kurzer Zeit wieder hochgefahren werden können". Geschehen soll das durch "tragfähige Rückfall- und Notfalloptionen" - z.B. in Kreisen und kreisfreien Städten, wo zusätzlich zu mobilen Impfungen auch eigenständig stationäre Impfstellen eingerichtet werden können.

Gibt es eigentlich genug Impfstoff für alle?

Laut einem Pressesprecher des Bundesgesundheitsministeriums kommen bereits 10 bis 13 Millionen Menschen in Deutschland für eine Auffrischung in Frage. Dazu zählen jene, die vor vier Wochen mit Johnson & Johnson oder vor sechs Monaten mit einem anderen Impfstoff geimpft worden sind. Auch Menschen mit einem geschwächten Immunsysten sind einberechnet.

Bundesgesundheitsminister Spahn versicherte, dass es genug Impfstoff für sie gibt. "Auch wenn das Angebot für Auffrischungsimpfungen erweitert wird, steht genügend Impfstoff für alle impfwilligen Personen zur Verfügung", heißt es auch auf einer Webseite des Gesundheitsministeriums.

Allerdings könnte es mancherorts schon aus logistischen Gründen zu Engpässen kommen. Bislang müssen Arztpraxen die Impfdosen mit zwei Wochen Vorlauf bestellen. Damit muss die Nachfrage recht weit im Voraus abgeschätzt werden. Der Hausärzteverband forderte daher, der Impfstoff müsse kurzfristiger und flexibler lieferbar sein.

Quelle: wdr.de