Ein Mensch liegt mit Beatmungsgerät auf der Intensivstation. | Helmut Fohringer

Nordrhein-Westfalen Doppelt geimpft und trotzdem krank: Warum gibt es so viele Impfdurchbrüche?

Stand: 15.11.2021 13:49 Uhr

Immer öfter stecken sich auch geimpfte Menschen mit Covid 19 an, landen sogar in der Klinik. Ein Blick auf die Zahlen zeigt aber: Die Impfung bringt trotzdem was. 

Fünf Millionen erfasste Covid-Infizierte seit Beginn der Pandemie - und ein Ende ist nicht abzusehen. Die vierte Welle rollt und baut sich immer weiter auf. "Wir stehen erst am Anfang eines harten Winters", befürchtet Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). "Die Welle, die wir vor uns haben, wird alle bisherigen Wellen in den Schatten stellen." In Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder sogar den Corona-Katastrophenfall ausgerufen: Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt mit 454,9 weit über dem Bundesdurchschnitt (263,7 am 14.11.2021), in drei Landkreisen ist sie auf 1.000 gestiegen.

Jeder dritte Corona-Intensivpatient ist voll geimpft

Gleichzeitig steigt die Zahl der Erkrankten, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Am 14. November waren es etwas mehr als 3.000 Menschen. Darunter sind wahrscheinlich auch viele Geimpfte - Zahlen für November liegen zwar noch nicht vor, aber im Oktober war jeder dritte Intensivpatient über 60 Jahren doppelt geimpft. Bei den 18- bis 59-Jährigen lag die Quote bei 12,5 Prozent.

Nun könnte sich die Frage stellen: Was bringt die Impfung, wenn man trotzdem auf der Intensivstation landen kann? Der Blick auf die Zahlen zeigt, warum die Impfung trotz solcher Fälle nicht sinnlos ist.

Komplett geimpft heißt nicht komplett geschützt

Schon seit Beginn der Impfkampagne ist klar: Die Impfung schützt nicht zu 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, sie macht ihn nur deutlich unwahrscheinlicher. Das bedeutet: Wenn der Anteil der geimpften Menschen steigt, wird es auch wahrscheinlicher, dass mehr Geimpfte auf Intensivstationen landen.

Impfdurchbrüche aus RKI-Sicht immer noch selten

Das RKI erfasst nur die symptomatischen Fälle solcher Impfdurchbrüche und spricht von 175.188 "wahrscheinlichen Impfdurchbrüchen", die seit Beginn der Impfkampagne bis zum 10. November registriert wurden. Das sind 0,31 Prozent der bis dahin vollständig Geimpften. Anders gesagt: Drei von 1.000 vollständig Geimpften haben sich in dieser Zeit nachweislich angesteckt und zugleich Covid-19-Symptome gezeigt.

Der Schutz nimmt ab, das Risiko wächst

Dritte Impfung | Picture Alliance/ Zoonar Steve Heap

Boostern soll es bringen Bild: Picture Alliance/ Zoonar Steve Heap

Keine große Zahl, so scheint es. Trotzdem macht sie vielen Menschen Angst, gerade wegen der Betroffenen auf der Intensivstation. Dass das oft gerade Ältere sind, hat einen Grund: Der Impfschutz nimmt kontinuierlich ab - parallel steigt das Infektionsriskiko. Weil die Älteren als erstes geimpft wurden, wird der Schutz bei ihnen auch als erstes schwächer. Deswegen dringen Intensivmediziner wie Christian Karagiannidis darauf, beim Boostern den "Turbo" einzulegen. Nur so könnten die Intensivstationen entlastet werden.

Weitaus mehr Ungeimpfte auf der Intensivstation

Um es klar zu sagen: Dort liegen weitaus mehr Ungeimpfte als Geimpfte. Sieben von zehn Intensivpativpatienten mit Corona konnten oder wollten sich nicht gegen Covid impfen lassen. Weil der Impfstatus im Krankenhaus ermittelt wird, steht diese Zahl fest.

Eine Krankenpflegerin steht in einem Zimmer der Corona-Intensivstation des Universitätsklinikums Essen und behandelt einen Patienten. | Fabian Strauch/ picture alliance/dpa

Vor allem Ungeimpfte auf der Intensivstation Bild: Fabian Strauch/ picture alliance/dpa

Anders sieht es bei der Sieben-Tages-Inzidenz aus. Die Vermutung liegt nah, dass sie bei Geimpften wesentlich niedriger ist als bei Ungeimpften. Allerdings wird das nicht überall erfasst oder veröffentlicht. Und es gibt zu viele Unwägbarkeiten. Zum Beispiel: In welche Kategorie fallen einmal Geimpfte, die sich angesteckt haben? Und was ist mit den doppelt Geimpften, deren Infektion gar nicht registiert wird, weil sie sich nicht mehr testen lassen?

Bei den Ungeimpften lag die Inzidenz in Sachsen vergangene Woche bei knapp 1.400 - bei den Geimpften bei 72. Das Land NRW veröffentlicht dazu keine Werte.

... und bei der Sieben-Tages-Inzidenz

Methodische Fragen, die das RKI nicht beantwortet. Anhand der Datenlage kommt es aber zu einem eindeutigen Schluss. "In der vollständig geimpften Bevölkerung lag sowohl die Inzidenz der symptomatischen Fälle als auch die Hospitalisierungsinzidenz zu jedem Zeitpunkt deutlich unter der jeweiligen Inzidenz der ungeimpften Bevölkerung", schreibt es in seinem Lagebericht Ende Oktober. Auch, wenn die Zahl der Neuinfektionen auch bei komplett Geimpften zunimmt: Eine Impfung verringert das Risiko einer Ansteckung entscheidend.

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Quelle: wdr.de