Foto: Bunte Laterne an Sankt Martin | wdr

Nordrhein-Westfalen Martinszüge diesmal erlaubt - trotzdem viele Absagen

Stand: 11.10.2021 15:31 Uhr

Laternen-Umzüge an Sankt Martin sind für viele ein Lichtblick im dunklen Herbst. Aber auch diesmal wird es vielerorts keine großen Martinszüge geben - eine Folge der Corona-Regeln.

Ein Reiter auf einem echten Pferd, selbst gebastelte bunte Laternen, hunderte Kinder, die gemeinsam Singen und am Ende ein süßes Brötchen für alle. Viele Kinder und Eltern haben sich schon gefreut, dass das dieses Jahr an Sankt Martin grundsätzlich wieder möglich ist. Nun aber kommt es vielerorts in NRW anders. Zahlreiche Martinszüge wurden schon abgesagt oder gar nicht erst angemeldet.

Zahlreiche Martinszüge in NRW abgesagt

Betroffen sind zum Beispiel zahlreiche Martinszüge in Bonn, Duisburg, Krefeld und Dortmund sowie in den Kreisen Kleve und Wesel. Der Grund: Die Veranstalter sind wegen der Corona-Regeln verunsichert.

"Veranstaltungen zum Martinsfest können nach aktuellem Stand in Nordrhein-Westfalen stattfinden und unterliegen, sofern nicht mehr als 2.500 Personen teilnehmen, keinerlei Beschränkungen", teilte das NRW-Gesundheitsministerium auf der Grundlage der aktuellen Corona-Schutzverordnung mit. Allerdings gilt die Verordnung nur bis 29. Oktober - Sankt Martin ist am 11. November. Dann könnten theoretisch schon wieder andere Regeln gelten.

Außerdem können die Kommunen strengere Regeln als die landesweiten erlassen. So war es etwa in Bonn geplant. Erst am Freitag, am letzten Tag vor den Herbstferien, teilte die Oberbürgermeisterin mit, dass für die Martinszüge doch keine verschärften Corona-Regeln gelten.

Großer Bonner Martinszug fällt aus

Da sei es schon zu spät gewesen, kritisierte die Katholische Kirche der Stadt. "Man hat die Martinszüge vor die Wand fahren lassen", hieß es weiter. Viele Schulen und Kitas hätten sich nicht in der Lage gesehen, die städtischen Auflagen umzusetzen und ihre Umzüge daher abgesagt oder gar nicht erst angemeldet.

Wolfgang Picken ist Stadtdechant im Bonner Münster. | WDR dpa

Wolfgang Picken, Bonner Stadtdechant Bild: WDR dpa

"Der große Martinszug wird also ausfallen und die Stadtverwaltung trägt dafür die alleinige Verantwortung. Das ist - um es gelinde zu sagen - ein echtes Trauerspiel," sagte Stadtdechant Wolfgang Picken. Nach dem Ferienende blieben nur wenige Tage bis zum Martinszug, das sei für die Koordination der vielen Gruppen und die Organisation nicht ausreichend, so Picken. Es gebe "leider keinen Weg mehr zurück".

Die Entscheidung treffe gerade Kinder und Familien, die in der Pandemie besonders belastet gewesen seien. "Wir hatten gehofft, dass die Stadt alles daransetzen würde, der jungen Generation die traditionelle Feier des Heiligen Martin wieder zu ermöglichen."

Zahlreiche Martinszug-Absagen auch in Krefeld

"Das Risiko ist zu groß", begründete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine, Manfred Grünwald, die Absage vieler Veranstalter in der Stadt. Die Vorbereitung der Züge mit Pferd, Musik, Feuer, Ordnern und Schulen sei für Ehrenamtler eine große Anstrengung. Wenn dann Absagen wegen gestiegener Inzidenzwerte drohten, verzichte man lieber von vornherein.

Bei den Krefelder Bürgervereinen gebe es nur eine einzige Anmeldung - und eine gut zweistellige Zahl von Absagen, so Grünwald - oder Vereine hätten erst gar keine Züge vorbereitet.

Verunsicherung ebenso in Duisburg, Krefeld und Kleve

Auch in Dortmund, Duisburg und in den Kreisen Kleve und Wesel ist die Unsicherheit bei den Veranstaltern von Martinsumzügen groß. Auch dort gab es Absagen oder erst gar keine Anmeldungen. Aus manchen Grundschulen heißt es, der Organisationsaufwand sei so kurzfristig zu hoch, kleine schulinterne Feiern könnten aber stattfinden - dann allerdings ohne Pferd und oft auch ohne Eltern.

Größter Martinszug in Kempen soll stattfinden

Traditionell findet in Kempen einer der größten Martinszüge in NRW statt. Nachdem er im vergangenen Jahr ausfallen musste, planen die Organisatoren für den 10.11. aber einen "weitgehend normalen" Umzug. "Denn die Kempener hängen an diesem Fest", erklärt Rainer Hamm vom dortigen St. Martin-Verein: "Wir sagen hier manchmal, das ist wichtiger als Weihnachten."

In diesem Jahr rechnen sie dort mit rund 20.000 Menschen beim Martinszug, davon allein 2.500 Kinder mit Laternen. Dabei gelten die 3G-Regeln. Die Besucher sollen mit Stichproben geprüft werden.

Quelle: wdr.de