Ein Handy mit der Telefonnumer vom Hausarzt liegt auf einem Tisch neben einem Fieberthermometer. | dpa/Frank May

Nordrhein-Westfalen Corona-Pandemie: Weniger Krankmeldungen, längere Fehlzeiten

Stand: 14.09.2021 12:24 Uhr

Führungskräfte aus dem Pflegebereich sind in der Pandemie häufig krank zur Arbeit gegangen. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Fehlzeiten-Reports der AOK, der heute vorgestellt wurde.

In der Corona-Pandemie gibt es bei Beschäftigten weniger Krankmeldungen - allerdings fehlen sie krankheitsbedingt länger. Das ist ein Ergebnis des Fehlzeiten-Reports des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Studie vergleicht die Pandemie-Monate von März 2020 bis Juli 2021 mit dem Vorkrisen-Zeitraum.

  • Urteil: Krankheit muss im Zweifel nachgewiesen werden

Die größte Differenz zeigt sich demnach bei den Atemwegserkrankungen, die im Pandemie-Zeitraum mit 30,6 Krankschreibungen je hundert AOK-Mitgliedern im Durchschnitt 182 Fälle weniger verursachten als im Vergleichszeitraum. Beschäftigte fehlten aber prinzipiell länger am Arbeitsplatz als vor der Krise.

Mehr Fehlzeiten durch psychische Erkrankungen

So waren Erwerbstätige wegen einer psychischen Erkrankung in der Pandemie im Durchschnitt vier Tage länger krank gemeldet als vor der Pandemie. Bei Herz-Kreislauferkrankungen lag die Differenz bei 2,5 Tagen je Fall, bei Atemwegserkrankungen und Muskel-Skelett-Erkrankungen fiel die Differenz mit 1,8 beziehungsweise 1,6 Tagen je Fall geringer aus.

Die Autoren gehen davon aus, dass viele Beschäftigte aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichteten und daher die Fallzahlen niedriger lagen. Die höhere Dauer der Krankschreibungen werten sie indes als Hinweis, dass die Erkrankten stärker belastet waren.

Pflegebereich besonders stark belastet

Das gilt vor allem für Führungskräfte aus dem Pflegebereich: Sie sind laut der Studie in der Pandemie noch häufiger krank zur Arbeit gegangen als vorher. Demnach sind die ohnehin schon starken Belastungen in der Altenpflege noch weiter gestiegen. "Der Haupt-Belastungsfaktor war die Sorge um das psychische Wohlergehen der Pflegebedürftigen, insbesondere bei Menschen mit dementieller Erkrankung", sagte Mitautorin Kira Isabel Hower.

Generell trotzten Beschäftigte der Pandemie besser, wenn auch ihr Unternehmen die Krise gut bewältigte. Wer sein Unternehmen als besonders anpassungsfähig, Führungskräfte als Unterstützung und den Zusammenhalt im Betrieb als gut erlebte, berichtete seltener von gesundheitlichen Beschwerden - im Schnitt hatten diese Beschäftigten 7,7 krankheitsbedingte Fehltage in den vergangenen zwölf Monaten. Erwerbstätige, die ihr Unternehmen in der Pandemie besonders schlecht bewerteten, wiesen dagegen 11,9 krankheitsbedingte Fehltage auf.

Quelle: wdr.de