Trümmer vor einer Häuserzeile in Altenahr | WDR / Christoph Hensgen

Nordrhein-Westfalen Unwetter-Live-Ticker: Warnung an Bevölkerung im Ahrtal

Stand: 24.07.2021 16:29 Uhr

Was gibt es Neues in Sachen Hochwasser-Katastrophe? Hier im Live-Ticker halten wir Sie über die Entwicklungen auf dem Laufenden.

Blick aus dem Fenster: Regen und Sturm (Archivbild) | dpa

Sturmtief über Deutschland Bild: dpa

Sorge um neue Niederschläge

Am Wochenende kann es in NRW wieder viel regnen: Vor allem am Nachmittag kann es gebietsweise Schauer und Gewitter geben, die dann punktuell mit Starkregen, kleinem Hagel und Sturmböen einhergehen können.

Es kann zu Regenintensitäten von 10 bis 25 Litern pro Quadratmeter binnen einer bis drei Stunden kommen, punktuell und meist nur in Ausnahmefällen sind auch 25 bis 30 oder nahe 40 Liter Regen pro Quadratmeter möglich.

16:18 Uhr: Entsorgungsaktion in Wuppertal

Ein riesiger Müllberg auf dem ein Bagger etwas ablegt | WDR

Ein riesiger Müllberg auf dem ein Bagger etwas ablegt Bild: WDR

In Wuppertal haben sich heute mehrere Entsorgungsbetriebe aus Münster, Herne, Bochum und Remscheid zusammengetan, um weiteres Sperrgut einzusammeln. Bereits letztes Wochenende haben die Wuppertaler insgesamt 520 Tonnen eingesammelt. Heute und morgen werden vorsichtigen Schätzungen nach weitere 3000 Tonnen Sperrgut eingesammelt werden müssen - so viel, wie sonst in eineinhalb Monaten zusammenkommt.

Helfer bringen Sperrmüll vor einem Haus weg | WDR

Helfer bringen Sperrmüll vor einem Haus weg Bild: WDR

Der Abtransport wird noch zusätzlich erschwert, da das Material durchnässt ist. Der Unrat soll möglichst schnell von den Straßen kommen, bevor die Sperrmüllhaufen Brutstätten für Krankheitserreger werden und beispielsweise Ratten anziehen.

15.02 Uhr: Magdeburgs OB: Zerstörte Häuser nicht an gleicher Stelle wieder aufbauen

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper warnt Gemeinden in den überfluteten Gebieten in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor einem Wiederaufbau der Häuser an gleicher Stelle. Man sollte sich fragen, ob dies wirklich Sinn mache, sagt er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das Hochwasser könne jederzeit wiederkommen und nachhaltige Schutzmaßnahmen seien in diesen Gebieten nicht möglich. "Da kann man nicht einfach Deiche bauen."

Er sei auch nicht der Meinung, dass die Menschen in den Gebieten zu wenig gewarnt worden seien. "Die Menschen haben gewusst, wie viele Liter Wasser auf sie zukommen. Das lief doch Tage vorher schon im Radio hoch und runter." Er glaube auch nicht, dass die Menschen freiwillig ihre Häuser verlassen hätten, wenn noch mehr gewarnt worden wäre.

14.11 Uhr: Helfer-Stau im Ahrtal

Stau auf den Straßen ins Ahrtal, Rettungswagen gelangen nicht mehr rein. | WDR

Helfer verstopfen Straßen in Ahrtal. Bild: WDR

Nach WDR-Informationen sind im Ahrtal so viele Helfer angetreten, dass die Orte teilweise überlaufen sind. Der Shuttle, der die Helfer zu ihrem Einsatz bringen soll, wurde eingestellt. Die Behörden in der Hochwasserregion Ahrweiler fordern alle freiwilligen Helfer auf, nach Hause zu fahren. Die professionellen Helfer von Feuerwehr und THW kommen mit ihren großen Fahrzeugen nicht mehr durch, z.B. Lastwagen mit Maschinen, die zum Wiederaufbau der Trinkwasserversorung benötigt werden. Die Polizei warnt eindringlich: "Kommen Sie nicht!"
In NRW ist die Verkehrslage in den Hochwassergebieten bisher nicht so problematisch.

12.45 Uhr: Sozialämter sollen unbürokratisch schnelle Hilfe leisten

In den Katastrophengebieten sind auch einige Sozialämter und Jobcenter von den Fluten zerstört oder beschädigt worden. Damit Sozialhilfeempfänger trotzdem weiter an ihr Geld kommen, hat das Sozialministerium vereinfachte Hilfe angekündigt. "Wer alles verloren hat, braucht jetzt nicht noch die unbegründete Sorge, dass das Amt die Leistungen streicht", sagte Minister Karl-Josef Laumann (CDU) am Freitag.

Zwei Erlasse sollen sicherstellen, dass die Betroffenen weiter Miet- und Heizkosten und nötigenfalls auch eine Übergangsunterkunft bezahlt bekommen. Wer durch die Flut Hausrat verloren hat, soll über die Leistung "Erstausstattung für die Wohnung" zeitnah Ersatz bekommen.

Außerdem sollen Grundsicherungsleistungen auch dann weiter gezahlt werden, wenn die Betroffenen die nötigen Nachweise verloren haben und deshalb im Moment nicht vorlegen können. Auch Neuanträge würden "ohne intensive Nachweisprüfung vorübergehend und unter Vorbehalt bewilligt", versprach Laumann. Die Sozialämter und Jobcenter seien angewiesen worden, "unbürokratisch zu verfahren".

11.50 Uhr: Bessere Katastrophenvorsorge in Betreuungseinrichtungen gefordert

Die Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heike Baehrens, will nach der Flutkatastrophe die Sicherheitsvorkehrungen in Seniorenheimen und Behinderteneinrichtungen auf den Prüfstand stellen.

"Bestehende Einrichtungen sollten auf den Katastrophenschutz hin überprüft werden", sagte die SPD-Politikerin der "Heilbronner Stimme". "Geplante und neue Einrichtungen werden in Zukunft mehr noch als bisher Katastrophenszenarien berücksichtigen müssen."

Der Vize-Fraktionschef der FDP im Bundestag, Stephan Thomae, forderte derweil in der Zeitung regelmäßige Schulungen für Personal und Bewohner. Ein Evakuierungsplan müsse Pflicht sein. Auch müsse frühzeitig vor möglichen Gefahren gewarnt werden, am besten über Sirenen, da ältere Menschen ihre Mobiltelefone oftmals nicht ständig bei sich tragen würden.

10.40 Uhr: Essener Bischof fordert sozial-ökologische Wende

Nach einem Besuch in von der Unwetterkatastrophe betroffenen Orten fordert der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck eine sozial-ökologische Wende.

"Menschengemachte Katastrophen - Tsunamis, Dürrekatastrophen, Abholzungen im Amazonas - stellen uns vor Herausforderungen, von denen frühere Generationen nicht zu träumen wagten", sagte er in einem heute veröffentlichten Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Die Menschen müssten selbst so handeln, dass es für die nächsten Generationen nicht nur Belastungen gebe.

10.30 Uhr: NRW-Finanzverwaltung erweitert Katastrophenerlass

Nordrhein-Westfalens Finanzverwaltung hat den Katastrophenerlass zur Unterstützung der vom Unwetter betroffenen Menschen erweitert. Damit sind nun rund 50 steuerliche Entlastungsmaßnahmen möglich, wie das Finanzministerium mitteilte. Zusätzlich sollen die Finanzämter den Bürgern durch die Stundung von Steuern und mit geminderten Vorauszahlungen entgegenkommen.

9.45 Uhr: Nina-Warnung für das Ahrtal

Aufgrund der Einschätzung der Wetterlage durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) wurde eine Gefahrenabschätzung für das Ahrgebiet durch den Katastrophenschutz vorgenommen. Demnach besteht keine akute Hochwassergefahr für die Ahr. Dennoch ist bei Niederschlag mit verstärktem Oberflächenwasser insbesondere in den Orten zu rechnen, in denen Teile der Kanalisation zerstört oder verstopft sind. Dadurch kann es örtlich zu einem erneuten Einlaufen von Wasser in Kellern kommen.

Der Katastrophenschutz bietet allen Einwohnerinnen und Einwohnern des betroffenen Gebietes bei Bedarf eine Unterbringung an. Am Sportplatz in Leimersdorf in der VG Grafschaft wird von Samstag, 10:00 Uhr durchgängig eine Notunterkunft betrieben, die in den nächsten Tagen durchgängig zur Verfügung steht. Es werden Shuttlebusse eingesetzt, Notunterkunft und Bustransfer sind ein kostenloses Angebot des Katastrophenschutzes. Die Abfahrtszeiten der Shuttlebusse können unter www.add.rlp.de abgerufen werden.

9.35 Uhr: THW wird angefeindet

Das Technische Hilfswerk kritisiert, dass seine Mitarbeiter teilweise angefeindet werden. Die Vize-Chefin des THW sagte bei RTL, dass die Helfer zum Beispiel mit Müll beschmissen würden. Sie macht dafür frustrierte Hochwasser-Opfer verantwortlich, aber auch radikale Corona-Leugner. Ihnen wird vorgeworfen, das Hochwasser auszunutzen, um gegen die staatlichen Pandemieregeln zu hetzen und Spenden für ihre eigenen Interessen zu sammeln.

6.30 Uhr: Große Beteiligung am ARD-Benefiztag

Der ARD-Spendentag für die Menschen in den Hochwasser-Gebieten hat bisher 16,5 Millionen Euro eingebracht. Zusammen mit der "Aktion Deutschland hilft" hatte auch der WDR den ganzen Tag zu Spenden aufgerufen.

Am Abend gab es zudem eine TV-Benezifgala der ARD - unterstützt durch prominente Gäste wie Rea Garvey, Roland Kaiser, Die Prinzen, Max Mutzke, Jeanette Biedermann, Yvonne Catterfeld, Joris, Frida Gold und Brings. Udo Lindenberg spendete ein selbstgemachtes Gemälde, das bis Montag für den guten Zweck ersteigert werden kann. Die Aktion Deutschland hilft nimmt weiter Spenden entgegen.

6.00 Uhr: Keine ehrgeizigeren Klimaziele von G20-Umweltministern

Die Fachminister der G20-Staaten für Umwelt, Klima und Energie haben sich bei einem Treffen in Neapel auf keine ehrgeizigeren Klimaziele einigen können. In der gemeinsamen Abschlusserklärung fehlt ein Bekenntnis, das 1,5-Grad-Ziel schon bis Ende 2030 erreichen zu wollen. Der italienische Minister Roberto Cingolani sagte am Freitagabend, mehrere Länder hätten dies abgelehnt.

Die Gruppe bekannte sich aber nochmals zum Pariser Klimaabkommen. Gemeinsames Ziel sei es, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten und die Bemühungen fortzusetzen, sie auf 1,5 Grad zu reduzieren. Der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth sprach von sehr schwierigen Verhandlungen.

Hier die Unwetter-Ticker der vergangenen Tage zum Nachlesen:

Quelle: wdr.de