Eine junge Frau wird gegen Covid-19 geimpft. | Shutterstock/Studio Romantic

Nordrhein-Westfalen Viel Impfstoff für Hausärzte: Wie lange brauchen wir die Impfzentren noch?

Stand: 21.04.2021 05:42 Uhr

Kommende Woche sollen zwei Millionen Dosen Corona-Impfstoff von Biontech an die Hausärzte geliefert werden - so viel wie bisher noch nie. Wie lange brauchen wir die Impfzentren dann überhaupt noch?

Von Lena Sterz

Jens Wasserberg ist Hausarzt in Bedburg und wenn es nach ihm ginge, würde er in diesen Tagen in einen Arm nach dem anderen impfen. Wasserberg fühlt sich gegenüber den Impfzentren benachteiligt: "Die Hausärzte kriegen das, was übrig bleibt," meint er.

Eine halbe Million Dosen mehr für die Hausärzte

Arzt mit Brille und Maske

Jens Wasserberg würde in seiner Hausarztpraxis in Bedburg gerne mehr impfen

Es sieht jedoch so aus, als ob sich das langsam ändert: In der kommenden Woche wird auch Wasserberg wohl mehr Impfstoff von Biontech-Pfizer bekommen als gedacht. Zwei Millionen Dosen gibt es für die Hausärzte in Deutschland dann insgesamt, das sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung maximal 48 Dosen pro Arzt in der Woche. Gleichzeitig meldet das NRW-Gesundheitsministerium, dass ab Freitag die Terminbuchung in den Impfzentren für alle Menschen ab 70 Jahren freigeschaltet wird.

Jens Wasserberg meint, dass Hausärzte wie er noch einiges mehr verimpfen könnten - und man die Impfzentren teilweise schließen könne. "In den Städten mag das anders sein, aber aus versorgungstechnischer Sicht gibt es hier auf dem Land überhaupt gar keinen Grund mehr, ein Impfzentrum zu betreiben."

Gesundheitsökonom: "Ein Impfzentrum kostet Zehntausende Euro pro Tag"

Gesundheitsökonom Reinhard Busse kann dieser Position etwas abgewinnen, denn mit 20 Euro pro Impfung sind die Hausärzte günstiger als die Impfzentren. Berechnungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung reichen vom 2,7 bis 13-fachen Preises, das wären zwischen 53 und 256 Euro pro Impfung in einem Zentrum. "Wenn man sieht, dass ein durchschnittliches Impfzentrum am Tag mehrere Zehntausend Euro kostet, dann kann man sich ausrechnen, was die eigentlich impfen müssten", sagt Busse. "An den allermeisten Tagen schaffen sie das halt nicht."

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach | Getty Images

Lauterbach: "Hausärzte und Impfzentren werden ausgelastet sein" Bild: Getty Images

Das liegt aktuell auch an der Impfstoffknappheit, und die könnte bald enden: "Wir werden demnächst so viel Impfstoff haben, sowohl Hausärzte als auch Impfzentren werden parallel voll ausgelastet sein", erwartet Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD).

Lauterbach sieht noch ein anderes Argument als das der Kosten: "Die Impfzentren sind sehr stark darin, Leute anzuschreiben, die Priorisierung eng einzuhalten." Die Hausärzte entscheiden dagegen letztendlich selbst, welche Patienten sie zuerst impfen.

Lange Mietverträge bei den Impfzentren

Es gibt Hinweise, dass manche Hausärzte es dabei mit der Priorisierung nicht so eng nehmen. "Wenn wir die Priorisierung nicht einhalten, würden wir beispielsweise mehr Jüngere impfen und nicht die Priorisierten. Dann hätten wir deutlich höhere Sterbezahlen in den nächsten Wochen," befürchtet Lauterbach.

Eine WDR-Umfrage unter zehn Impfzentren in Nordrhein-Westfalen hat ergeben, dass einige ihre Mietverträge bis August oder Ende des Jahres abgeschlossen haben. Die neueste Äußerung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum weiteren Zeitplan ist: "Im Laufe des Sommers" sollten die Impfzentren schließen.

Quelle: wdr.de