Naučnik kontroliše sadržaj staklene fiale | Bildquelle: picture alliance / Klaus Ohlensc

Nordrhein-Westfalen Wann, wo, wer: Der Fahrplan zum Corona-Impfstoff

Stand: 10.11.2020 16:03 Uhr

Ein Corona-Impfstoff steht offenbar kurz vor der Zulassung. Wann er kommt, was er bringt, wer ihn als erstes erhält: Fragen und Antworten.

Um was für einen Impfstoff handelt es sich?

Der Impfstoff trägt das Kürzel BNT162b2 und wurde von dem deutschen Pharma-Unternehmen Biontech und seinem US-amerikanischen Partner Pfizer entwickelt. Getestet wurde an 44.000 Probanden, von denen etwa die Hälfte ein wirkungsloses Placebo erhielt, die andere den Impfstoff. Laut Biontech betrug die Wirksamkeitsrate des Impfstoffs in den Tests "über 90 Prozent". Damit läge der Impfstoff deutlich über den Erwartungen der Experten.

Die US-amerikanische Kontrollbehörde FDA hatte angekündigt, einen Impfstoff bereits bei einer Wirksamkeitsrate von 50 Prozent zu genehmigen. Allerdings: Die Daten der Studie sind noch nicht veröffentlicht und wurden noch nicht von unabhängigen Experten bewertet. Der Impfstoff wurde in der Studie in zwei Dosen verabreicht, laut den Herstellern trat der Schutz 28 Tage nach Gabe der ersten Dosis an.

Symbolbild: Impfstoff gegen Corona | Bildquelle: imago images/Michael Weber
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Zwei Dosen Impfstoff sollen schützen

Wie sicher ist der Impfstoff? Welche Nebenwirkungen hat er? Wie lange wirkt er?

Laut Biontech seien in der Studie keine schweren Nebenwirkungen registriert worden. Allerdings wird es hier noch weitere Tests und Langzeitbeobachtungen geben. Auch ist noch unklar, ob die Wirkung des Impfstoffs mit der Zeit nachlässt und, ob er in verschiedenen Gruppen - Junge und Alte, Gesunde und Vorerkrankte - gleich effizient ist.

Wann kommt der Impfstoff auf den Markt?

Biontech und Pfizer wollen für das Präparat voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geht davon aus, dass parallel auch ein Antrag bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA gestellt wird.

Wie lange es dauert, bis der Impfstoff zugelassen und benutzt werden kann, ist noch unklar. Der Weg für ein neues marktreifes Medikament ist in der Regel langwierig und mit vielen Tests verbunden. Angesichts der Corona-Pandemie wurden allerdings viele Verfahren verkürzt und beschleunigt. Aus EU-Kreisen hieß es, eine Zulassung in Europa sei frühestens "Anfang kommenden Jahres" realistisch. Auch Spahn geht davon aus, dass der Impfstoff im ersten Quartal 2021 erhältlich ist.

Welche Länder haben Zugriff auf den Impfstoff? Wer erhält ihn zuerst?

Der Bundesgesundheitsminister will erreichen, dass ein Impfstoff eines deutschen Unternehmens "nicht zuerst in anderen Ländern zur Verfügung steht". Auch Biontech findet, die vorhandenen Dosen sollten "fair" verteilt werden. Es werde nicht "ein Land alles erhalten". Die EU-Kommission hat am Dienstag einen Vertrag zur Lieferung des Impfstoffs fertig ausgehandelt. "Die Verhandlungen mit der Pharmaindustrie sind abgeschlossen", bestätigten Kommissionskreise.

Zuvor hatte es Bedenken gegeben, dass Pfizer als großer US-amerikanischer Pharmakonzern zunächst nur die USA versorgen werde. Bundesgesundheitsminister Spahn sagte am Dienstag, mindestens 200 Millionen Impfdosen seien für Europa gesichert. Er gehe davon aus, dass Deutschland "bis zu 100 Millionen" Dosen erhalten werde. Nach Vertragsabschluss in der EU haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat einen Anteil von rund 19 Prozent.

Zusätzlich zu den Impfdosen, die über die EU verteilt werden, hat sich Deutschland bereits im Vorfeld einige weitere Millionen Impfdosen exklusiv gesichert. Im Gegenzug zu den Forschungsgeldern, die geflossen sind. Wie viele Impfdosen genau, dazu gab es vom Forschungsministerium noch keine Auskunft.

Biontech rechnet zwar damit, noch in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Impfdosen zur Verfügung stellen zu können. Im kommenden Jahr kalkulieren die Hersteller mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Dennoch wird es noch lange Zeit Engpässe geben. In einem Positionspapier von Ständiger Impfkommission (Stiko), Deutschem Ethikrat und der Wissenschaftsakademie Leopoldina wird empfohlen, zuerst Menschen mit Vorerkrankungen zu impfen.

Danach sollten Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, geimpft werden, und dann Menschen in systemrelevanten Berufen mit vielen Kontakten wie etwa Lehrer, Polizisten oder Politiker. Das genauere Prozedere soll erarbeitet werden, bis der Impfstoff vorhanden ist.

Und wenn ich nicht zu diesen Gruppen gehöre?

Wann der Impfstoff für den Rest der Bevölkerung zugänglich ist, steht derzeit nicht fest. Man müsse erst sehen, wie gut es mit der Verträglichkeit und der Verteilung klappt, sagte WDR-Gesundheitsexpertin Christina Sartori. "Eventuell wird das im Sommer 2021 sein, aber da will sich niemand festlegen." Kinder und Schwangere würden als letzte Gruppen geimpft.

Wo bekomme ich den Impfstoff?

Gedacht wird an Impfzentren, die deutschlandweit eingerichtet werden sollen. Dort können deutlich mehr Menschen als in Praxen geimpft werden. Außerdem sind die besser technisch ausgestattet: "Der Impfstoff muss sehr stark gekühlt werden, das kann man keinem Hausarzt zumuten", so Sartori. Für Kranke und Alte könnte es eine Art mobile Impftrupps geben, die in die Heime oder nach Hause kommen.

In NRW sollen bis kommende Woche zwölf Zwischenlager für den Impfstoff benannt werden. Diese müssen mit besonderen Kühlanlagen ausgestattet sein.

Wie lange dauert es, bis die Bevölkerung in NRW geimpft ist? Ist die Infrastruktur dafür vorhanden?

Um 60 Prozent der NRW-Bevölkerung zu impfen und so eine Herdenimmunität zu erreichen, müsste man ein Jahr lang täglich 60.000 Impfungen machen - auch samstags und sonntags. Da bei Impfungen wegen möglicher Komplikationen immer ein Arzt in der Nähe sein muss, droht eine Überlastung des Gesundheitspersonals. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) regte an, dafür Ärzte aus dem Ruhestand zu holen. Auch bei Spritzen und Kanülen, die millionenfach benötigt werden, gibt es derzeit Engpässe.

Die Deutsche Post sieht sich dagegen für die Verteilung eines Corona-Impfstoffs gerüstet. Die Post könne auch Impfstoffe transportieren, die extrem gekühlt werden müssten. "Die Verteilung wird nicht an der Logistik scheitern", betonte Konzernchef Frank Appel. Um die weltweite Versorgung mit Corona-Impfstoffen sicherzustellen, könnten laut einer DHL-Studie rund 200.000 Paletten-Transporte, 15 Millionen Lieferungen in Kühlboxen sowie 15.000 Flüge unter besonderen Temperaturanforderungen erforderlich sein. Da die Impfstoffe schnell entwickelt wurden und nicht auf Haltbarkeit ausgerichtet sind, sind sie extrem empfindlich und müssen in geschlossenen Kühlketten bei minus 80 Grad Celsius verteilt werden. Bei herkömmlichen Impfstoffen reicht eine Lagerung im Kühlschrank zwischen zwei und acht Grad Celsius.

Kommt eine Impfpflicht? Wie ist die Akzeptanz in der Bevölkerung?

Wie Bundesgesundheitsminister Spahn am Montag erneut bekräftigte, stehe eine allgemeine Impfpflicht nicht zur Diskussion.

Umfragen der Universität Erfurt zufolge liegt die Bereitschaft in Deutschland, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, derzeit bei 53 Prozent.

Quelle: wdr.de

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