Schülerinnen und Schüler sitzen mit einem Mund-Nasen-Schutz in einem Klassenraum | dpa / Boris Roessler

Nordrhein-Westfalen Land lehnt Solinger Schul-Sonderweg ab

Stand: 03.11.2020 20:24 Uhr

Die Stadt Solingen darf nicht - wie geplant - ab Mittwoch die Klassen halbieren und Digitalunterricht einführen. Das NRW-Gesundheitsministerium hat das Modell am Dienstag verboten.

Das NRW-Gesundheitsministerium hat die Stadt Solingen per Erlass angewiesen, die Kombination aus Präsenzunterricht und digitalem Distanzunterricht nicht umzusetzen. Dieses Modell hätte am morgigen Mittwoch (04.11.2020) an den Start gehen sollen. Solingen wäre die erste Stadt in NRW gewesen, die zum digitalen Unterricht zurückgekehrt wäre.

Auch Schulministerin für Verbot

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer | WDR

Gebauer unterstützt Verbot des "Solinger Wegs" Bild: WDR

"Ich bin mit dem Gesundheitsminister einer Meinung, dass der so genannte 'Solinger Weg' einem gleichgerichteten Vorgehen innerhalb des Landes widerspricht", erklärte auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). "Eine pauschale Reduzierung des Präsenzunterrichts führt zu sozialer Benachteiligung vor allem jener Schülerinnen und Schüler, die im häuslichen Umfeld aus ganz unterschiedlichen Gründen weniger Unterstützung erhalten als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler."

Gebauer wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass in mehr als 98 Prozent der Schulen in NRW Präsenzunterricht für alle Kinder erteilt werden könne. Und das müsse auch in Solingen möglich sein.

Landtags-Opposition "entsetzt"

Thomas Kutschaty, SPD-Fraktionsvorsitzender im NRW-Landtag, zeigte sich hingegen "entsetzt" über die Entscheidung des Landes. "Damit stellt sich die Landesregierung nicht nur gegen die Stadt Solingen, sondern auch gegen den Willen der Schulen vor Ort", so Kutschaty. Die Stadt hätte vorbildlich gehandelt und Verantwortung für ihre Bürgerinnen und Bürger bewiesen.

Stadt reagiert mit Unverständnis

In Solingen reagieren nach WDR-Informationen vor allem die Schulleiterinnen und Schulleiter mit Unverständnis auf die Anweisung. Oberbürgermeister Tim Kurzbach zeigte sich auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz enttäuscht. Er hätte gerne mit dem Schulministerium zumindest noch über einen Plan B sprechen wollen. Aber heute "wollte das Ministerium nicht weiter reden, sondern nur anweisen".

Oberbürgermeister Kurzbach wollte Kontakte reduzieren

Am vergangenen Freitag (31.10.2020) hatte Oberbürgermeister Tim Kurzbach den Solinger Schul-Sonderweg angekündigt. Man wolle so verhindern, dass im Infektionsfall ganze Klassen oder ganze Schulen in Quarantäne müssten. Geplant war, Klassen und Kurs der weiterführenden Schulen in Gruppen aufzuteilen, die dann nur noch wechselweise in die Schule kommen sollten. Als Ziel nannte der Oberbürgermeister, die Zahl der möglichen Kontakte so nochmal deutlich zu reduzieren. Komplette Schulschließungen wolle man so vermeiden.

Ministerium hatte Prüfung angekündigt

Diese Regelung war von Anfang an unter Vorbehalt. Das Schulministerium hatte früh Bedenken angekündigt. Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich im WDR-Interview dagegen ausgesprochen, im Wechsel einen Teil der Schüler nach Hause zu schicken und den anderen Teil in den Schulen zu belassen. "Wir wollen alles tun, um den Präsenzunterricht aufrechtzuerhalten."

Anteilig mehr positive Tests

Solingen liegt landesweit mit den Infektionszahlen an der Spitze. So ist die 7-Tages-Inzidenz zuletzt auf über 280 Infektionen pro 100.000 Einwohnern gestiegen. Auch der Anteil der positiven Test sei in der letzten Zeiten größer geworden, so Prof. Dr. Wilfried Randerath, der Chefarzt der Lungenfachklinik Bethanien.

Tim Kurzbach bei der Pressekonferenz in Solingen. Die Stadt informiert über neue Corona Regelungen. | Klingenstadt Solingen

Oberbürgermeister Tim Kurzbach auf der Pressekonferenz Bild: Klingenstadt Solingen

Am Freitag hatte Oberbürgermeister Kurzbach zudem angekündigt, dass die Bundeswehr das Gesundheitsamt unterstützen solle. 55 weitere Mitarbeiter sollen im Solinger Gesundheitsamt eingestellt werden. Auch mit Unterstützung des Landes könne man allenfalls vier zusätzliche Mitarbeiter beschäftigen. Deshalb werde man die Bundeswehr um Unterstützung bitten.

Quelle: wdr.de