Handy mit Wort "Fake News" auf dem Display.

Nordrhein-Westfalen Coronavirus im Netz - Falschnachrichten gehen viral

Stand: 14.03.2020 17:05 Uhr

Coronavirus und das Netz: Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Es kursieren viele Meldungen, die bedenklich, falsch, desinformierend oder sogar gefährlich sind.

Von Jörg Schieb

Coronavirus und das Netz: Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur. Es kursieren viele Meldungen, die bedenklich, falsch, desinformierend oder sogar gefährlich sind.

Was davon glauben, was ist unwahr? Das ist gar nicht immer so einfach zu erkennen. Unser Digitalexperte Jörg Schieb gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Welche Arten von Falschnachrichten kursieren gerade?

Die Liste ist lang: Auf YouTube und Facebook kursieren Videos, in denen behauptet wird, das Aufstellen von 5G-Masten wäre für den Ausbruch des neuartigen Coronavirus' verantwortlich. Die Regierungen wollten die Bevölkerung dezimieren.

Oder es gibt Tipps, wie man sich mit dem Konsum von Knoblauch gegen das Virus schützen kann – oder durch das Einträufeln von Essiglösungen in die Nasenlöcher. Wer sich darauf verlässt, riskiert seine Gesundheit.

Auf TikTok kursieren Videos, die Straßen mit lauter Toten zeigen – angeblich Corona-Tote. In Wirklichkeit Ausschnitte aus einem Horrorvideo. Auf WhatsApp gibt es verrückte Kettenbriefe, die verunsichern oder Panik machen können.

Aktuell geht eine WhatsApp-Nachricht viral, in der behauptet wird, das Schmerzmittel Ibuprofen könne einen vorhandenen Infekt beschleunigen. Quatsch! Andere Fake-Nachrichten behaupten, ab Montag wären alle Geschäfte geschlossen. Blödsinn!

Die Liste an Beispielen ist endlos – und der einzelne verunsicherte User kann oft gar nicht entscheiden: wahr oder unwahr? Glaubwürdig oder nicht?

Wie lassen sich falsche von echten Nachrichten unterscheiden?

Das ist leider oft nicht einfach. Vor allem bei Meldungen, die zumindest denkbar sind, kann auch der gesunde Menschenverstand nicht immer weiterhelfen – bei besonders dreisten Lügen und Verschwörungstheorien ist es einfacher, die Lügen zu erkennen. (...)

Es lohnt sich, auf Hinweise zu achten. In sozialen Netzwerken wie Facebook oder Youtube gibt es mitunter Markierungen, dass die Quelle unbekannt oder unseriös ist. Und/oder es gibt Hinweise und Links auf seriöse Quellen, wo man sich weiter informieren kann und sollte. Allerdings sind diese Hinweise oft nur sehr dezent – in grauer Schrift.

Im Zweifel lieber einmal mehr den Wahrheitsgehalt überprüfen: Im Netz googeln – und dann die Einordnung seriöser Quellen heranziehen. Also Behörden, Robert-Koch-Institut, öffentlich-rechtliche Medien, seriöse Zeitungen oder Magazine. Gerade bei aktuellen Meldungen ist das oft der einzige Weg.

Ganz wichtig: Solche Meldungen auf keinen Fall liken oder weiterverbreiten. Denn es ist wie beim echten Virus: Die Infektionskette muss unterbrochen, das Tempo der Verbreitung eingedämmt werden. Nur so lässt sich Schlimmeres verhindern.

Entfernen Plattformen wie Google, Youtube, Facebook, Twitter und Co. solche Inhalte nicht?

Leider wirken Verschwörungsvideos und Falschnachrichten ziemlich gut. Solche Themen passen perfekt in die Erregungsökonomie der sozialen Netzwerke. Aufreger: Super, wird angeklickt, empfohlen, macht die große Runde.

Natürlich schaden solche Falschmeldungen enorm. Sie verunsichern, verwirren, verursachen Panik. Nun haben sich alle Netzwerke bereit erklärt, gegen Verschwörungsvideos, Falschmeldungen und Panikmache vorzugehen. Aber offenbar klappt das nicht so gut.

So ist es kein Problem, auf Youtube das Verschwörungsvideo zum Thema "5G ist schuld" zu finden. Es gibt lediglich unter dem Video einen Hinweis auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Eine Methode, die es schon länger gibt, um Verschwörungsvideos zu relativieren.

Facebook und Twitter entfernen auch Postings. Aber auch nur, weil die Weltgesundheitsorganisation WHO ihnen besonders auffällige Postings und Nachrichten meldet. In welchen Sprachen die WHO das kann, ist unklar. Die WHO macht also die Arbeit. Kein besonderes Engagement derzeit bei den Online-Plattformen.

Quelle: wdr.de

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