Kardinal Reinhard Marx

Nordrhein-Westfalen Kardinal Marx tritt nicht mehr an - Reaktionen aus NRW

Stand: 11.02.2020 19:05 Uhr

Die Ankündigung von Kardinal Reinhard Marx, sich von der Spitze der Bischofskonferenz zurückzuziehen, sorgt für erstaunte Reaktionen. Vor allem wegen seiner Begründung.

Damit hatte niemand gerechnet: Kardinal Reinhard Marx teilte am Dienstag (11.02.2020) mit, dass er bei der Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Mainz in drei Wochen nicht für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Bischofskonferenz kandidieren will.

Zur Begründung teilte Marx schriftlich mit: "Ich finde, es sollte die jüngere Generation an die Reihe kommen." Am Ende einer zweiten Amtszeit wäre er selbst 72 Jahre alt.

Thomas Sternberg
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Thomas Sternberg

Aufgaben in der Weltkirche?

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, äußerte Respekt für die Entscheidung des Münchner Erzbischofs: Angesichts der Aufgaben in der Weltkirche und in seinem Bistum verstehe er seine Beweggründe, sagte der Grevenbrücker.

Sie sei zwar nie ein ausgesprochener "Marx-Fan" gewesen, meint Magdalene Bußmann von der Laienbewegung "Wir sind Kirche", aber trotzdem bedaure sie den Rückzug "ein bisschen". Zwar habe der Kardinal Probleme mit ihrer Bewegung gehabt. Aber insgesamt habe er sich zumindest bemüht, "Bewegung in die erstarrte deutsche Kirche zu bringen", sagte die Theologin aus Essen dem WDR am Dienstag.

Theo Dierkes: "Begründung ist schräg"

Theo Dierkes | Bildquelle: WDR/Simin Kianmehr
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Theo Dierkes

Selbst für ausgewiesene Kirchen-Experten wie den WDR-Journalisten Theo Dierkes kommt der Rückzug völlig überraschend. Dass Marx sich allein aus Altersgründen zurückzieht, das hält Dierkes für unwahrscheinlich. "Die Begründung ist ganz schräg. 66 ist für einen Bischof überhaupt kein Alter."

Für wahrscheinlicher hält Dierkes eine andere Erklärung: Überlastung, Krankheit - oder eine interessante neue Aufgabe. "Es könnte sein, dass der Papst ihn als Kurienkardinal nach Rom rufen will." Seit der Inhaftierung des unter Missbrauchsverdacht stehenden australischen Kardinals George Pell sei der Posten des vatikanischen Wirtschaftsministers unbesetzt.

Falls sich Vorwürfe gegen Pell bestätigen, wäre Marx ein geeigneter Nachfolger, meint Dierkes. Für die deutsche katholische Kirche wäre der Verlust von Marx dennoch ein schwerer Schlag. Vor allem bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals habe der Münchner Erzbischof wichtige Arbeit geleistet.

Quelle: wdr.de

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