An einem Regal voller Verkehrsschilder lehnt ein Verkehrsschild zur Tempobegrenzung auf 130 km/h

Nordrhein-Westfalen Tempolimit in NRW nur auf 1.757 Autobahn-Kilometern

Stand: 24.01.2020 19:12 Uhr

Tempolimit auf Autobahnen? Bloß nicht, hieß es bislang seitens des ADAC. Sein kategorisches Nein ist ins Wanken geraten. Wobei es Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Autobahnen schon gibt.

70 Prozent der Autobahnen in Deutschland sind ohne Tempolimit, so auch die A555 zwischen Köln und Bonn. Wer will, kann aufs Gas treten. Noch zumindest. Denn beim ADAC, der bislang kategorisch Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen abgelehnt hat, bröckelt die Widerstandsfront.

Das hat Signalwirkung. So jedenfalls sieht es Roman Suthold vom ADAC Nordrhein e.V. Er sagte am Freitag (24.01.2020) dem WDR, wenn eine große Organisation wie der ADAC sein Nein zu Tempolimits aufgibt, könne dies in der politischen Diskussion ein klares Signal sein. Dass nämlich über Barrieren, die vorher bestanden haben, jetzt offen diskutiert werden müsse.

Tempolimits auf 39,6 Prozent des NRW-Autobahnnetzes

Tempolimits auf Autobahnen existieren teils schon jetzt. In NRW sind nach Angaben einer Sprecherin des Landesverkehrsministeriums aktuell auf rund 1.757 Kilometer der 4.440 Autobahn-Kilometer Tempolimits angeordnet. Das bedeutet, dass es auf rund 39,6 Prozent des NRW-Autobahnnetzes Geschwindigkeitsbeschränkungen gibt, wie die Sprecherin dem WDR sagte. Zum Vergleich: Mit Stand April 2018 gab es 1.708-Autobahn-Kilometer in NRW mit Geschwindigkeitsbegrenzung.

Vorübergehende Beschränkungen durch Kurzzeit-Baustellen oder Wetter-Gefahren fließen nicht in die Statistik ein. In diesen Fällen reagieren der Landesbetrieb Straßen.NRW und die Sicherheitsbehörden kurzfristig – mittels elektronischer Anzeigen.

Pro und Contra Tempolimit

Es gibt gute Gründe für ein Tempolimit auf Autobahnen. Der wissenschaftliche Beirat des Bundesverkehrsministers plädierte schon vor zehn Jahren für Tempo 130. Nicht nur mehr Sicherheit war sein Argument. Auch weniger Lärm und Abgase, weniger Spritverbrauch und in Folge weniger CO2, ja sogar mehr Kapazität auf den Schnellstraßen, weil der Verkehr gleichmäßiger fließt. Was auch bedeutet: weniger Stress beim Autofahren.

Die wichtigsten Gegenargumente sind, der Wunsch der Automobilindustrie nach Überhol-Prestige, Reisezeit-Gewinne und der Spruch "Freie Fahrt für freie Bürger“.

Findet die endlose Debatte endlich ein Ende?

Auch die Tempolimit-Gegner in der Autoindustrie sind inzwischen nachdenklicher geworden. Weil bei hohem Tempo die Akkus ratzfatz leer sind, haben viele E-Autos längst ein technisches Tempolimit eingebaut. Und spätestens wenn das pilotierte Fahren kommt, wird das eingebaute Limit bei 130 liegen. Sprich: Wer E-Autos und Assistenzsysteme verkaufen möchte, hat gegen ein generelles Tempolimit nur noch wenig einzuwenden. Könnte also gut sein, dass die endlose Diskussion ums Tempolimit endlich ein Ende findet.

Quelle: wdr.de

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