Asli Sevindim (l-r), Moderatorin, Serap Güler, Staatssekretärin  und Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, beteiligen sich an der Veranstaltung "Werte-Dialog". | Bildquelle: dpa

Nordrhein-Westfalen Rheinbad: Aufarbeitung eines schwierigen Sommers

Stand: 22.08.2019 22:49 Uhr

Wegen Eskalationen mit aggressiven Jugendlichen war das Düsseldorfer Rheinbad in den Schlagzeilen. Nun wurde öffenlich darüber diskutiert. Das Interesse war überschaubar.

Von Thomas Drescher

Vor zwanzig Tagen kochten die Gemüter: Am 26. Juli 2019 wurde das Düsseldorfer Rheinbad zum dritten Mal in dieser Saison von der Polizei geräumt - wegen einer Situation mit aggressiven Jugendlichen, die außer Kontrolle zu geraten schien. Viele dieser Jugendlichen haben offenbar eine Migrationsgeschichte.

Eine Frage der Tonlage

Gemessen an der erhitzten öffentlichen Debatte, die der Räumung folgte und die bis in die Berliner Politik reichte, war das Interesse an der Diskussionsrunde zur Aufarbeitung des schwierigen Sommers überschaubar. Nur ein paar Dutzend Bürgerinnen und Bürger folgten am Donnerstag (22.8.2019) der Einladung zum "Werte-Dialog" mit NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP).

Es gehe ihm nicht darum, die Ereignisse minutiös aufzuarbeiten, sagte Stamp. Für ihn sei die "Tonlage" wichtig, in der man solche Ereignisse diskutiert. Gegenseitige Schuldzuweisungen und Beschimpfungen helfen nicht. Die einen würden als Nazis angeprangert, die anderen als linksversiffte Gutmenschen. Es sei besser miteinander als übereinander zu reden.

"Ich zünde Dich an"

Schwimmmeister Wladimir Chetverik (l) und Moderatorin Asli Sevindim sprechen auf der Veranstaltung "Werte-Dialog" miteinander. | Bildquelle: dpa
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Schwimmmeister Wladimir Chetverik

Viele der Diskussionsbeiträge drehten sich um Respekt und darum, dass Eltern ihren Kindern früher gesagt hätten: "Das tut man nicht". Heute gebe es eine Werte-Erosion, sagte Serap Güler (CDU), Staatssekretärin im Integrationsministerium.

Wladimir Chetverik, Schwimmeister im Rheinbad, berichtete über schlimme Drohungen und Beleidigungen, die zu seinem Alltag gehören. Es werde mit der Vergewaltigung der Mutter gedroht. "Ich töte Dich" oder "ich zünde Dich an" habe er hören müssen. Das sei sehr belastend. Er spreche oft mit seiner Frau darüber. Trotz aller Schulungen zur Deeskalation: Diese großen Gruppen im Rheinbad erlebe er als bedrohlich.

Selbstkritischer Oberbürgermeister

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) gab sich selbstkritisch. In einer ersten Reaktion auf die dritte Räumung des Bades hatte er von "marodierenden Jugendbanden" gesprochen und "ausländerrechtliche Konsequenzen" gefordert. "Ich war erregt und sauer" sagte Geisel.

Das sei eine verheerende Nachricht für Düsseldorf gewesen. Aber die Sichtung von Überwachungsvideos habe ergeben, dass es an der Rutsche für vielleicht 20 Sekunden eine kritische Situation mit schwarzafrikanischen Jugendlichen gegeben habe, die sich aber schnell wieder beruhigt habe. "Typische Halbstarke mit Imponiergehabe", nannte er die jungen Männer. Erst die Räumung selbst habe zu anarchischen Szenen geführt.

Blöde Ideen

Eine pensionierte Lehrerin gab der Diskussion eine Wendung jenseits von Moral und Nachrichtenwerten. "Wenn de Leute sich darüber aufregen, dass junge Männer in einem bestimmten Alter auf richtig blöde Ideen kommen und damit auch noch das Sommerloch füllen, finde ich das nicht originell. Diese Story ist tausende von Jahren alt".

Quelle: wdr.de

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