Migranten aus Afrika kommen nach ihrer Rettung in der Straße von Gibraltar im Hafen von Tarifa an.

Nordrhein-Westfalen Mittelmeer-Route: Weniger Geflüchtete, viele Tote

Stand: 08.07.2019 18:41 Uhr

Tausende Menschen in NRW haben für die Seenotrettung im Mittelmeer demonstriert. Die Zahl der Geflüchteten ist zwar rückläufig. Doch es gibt weiterhin viele Tote und Vermisste.

Von Oliver Strunk und Frank Menke

Der rechtliche und politische Kampf um das in Lampedusa gelandete Rettungsschiff "Sea Watch 3" hat am Samstag (06.07.2019) Tausende in 13 NRW-Städten dazu animiert, für die Seenotrettung zu demonstrieren. Städte wie Düsseldorf, Köln, Dortmund, Münster oder Wetter hatten sich außerdem bereit erklärt, Flüchtlinge von der "Sea Watch 3" aufzunehmen.

Angesichts fast täglicher Meldungen über ertrunkene Flüchtlinge und blockierte Rettungsschiffe kann der Eindruck entstehen, dass die Zahl der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer massiv zunimmt. Tatsächlich ist das Gegenteil richtig.

Mittelmeer-Route: über 36.000 Flüchtlinge

Laut Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind in diesem Jahr (Stand: 08.07.2019) 28.251 Menschen über den Seeweg an die europäischen Mittelmeerküsten gekommen und noch einmal 8.219 (Stand: 30.06.2019) über den Landweg. Das ergibt zusammen 36.470.

Bei gleichbleibender Entwicklung müsste man für das gesamte Jahr 2019 mit etwa 73.000 Flüchtlingen rechnen. Vergleichszahlen des UNHCR zeigen seit Jahren eine stark rückläufige Entwicklung auf:

Flüchtlings-Entwicklung Mittelmeer-Route
20151.032.408
2016373.652
2017185.139
2018141.472

Restriktive Politik

Diesen Rückgang erklärt die Internationale Organisation für Migration (IOM) auch mit der restriktiven Politik in vielen europäischen Ländern wie Italien.

Entscheidender ist aber das Abkommen zwischen der EU und der Türkei von 2016. Die Vereinbarung sieht insbesondere vor, dass Asylsuchende, die die Türkei als Transitland nutzen und auf den griechischen Inseln erstmals EU-Territorium betreten, wieder in die Türkei abgeschoben werden.

Weiterhin viele Opfer

Der Sprecher der IOM, Flavio Di Giacomo, hat jedoch Ende Juni darauf hingewiesen, dass trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen die Anzahl der Toten weiter hoch bleibe.

Seit Jahresbeginn kamen nach seinen Angaben 257 Menschen auf der zentralen Mittelmeer-Route ums Leben.

Diese Aussage wiederum bedeutet vor dem Hintergrund rückläufiger Flüchtlingszahlen: Der Weg über das Mittelmeer nach Europa ist offenbar noch gefährlicher geworden. Di Giacomo: "Heute stirbt mehr als einer von zehn Migranten auf der Überfahrt, früher waren es wesentlich weniger."

Quelle: wdr.de

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