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Nordrhein-Westfalen "Deutsche Bank hat bereits wichtige Jahre verloren"

Stand: 08.07.2019 12:05 Uhr

Zentrale der Deutschen Bank, Frankfurt am Main | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Deutsche Bank trennt sich von Postbank

Die Deutsche Bank will in den kommenden drei Jahren weltweit rund 18.000 Stellen abbauen. Ein Interview mit WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer über die Konsequenzen.

Die Deutsche Bank will in den kommenden drei Jahren weltweit rund 18.000 Stellen abbauen. Der Konzern kündigte am Sonntag (07.07.2019) den Rückzug aus dem weltweiten Aktiengeschäft und eine Verkleinerung des Handels an. Ein Interview mit WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer.

WDR: Wie bedeutend ist diese Ankündigung?

Ulrich Ueckerseifer: Das ist ein riesiger Schnitt, der viel heftiger ist, als alles, was wir in den vergangenen Jahrzehnten gesehen haben. Besonders gestrichen wird im Investment-Bereich. Ich gehe davon aus, dass etwa dreiviertel der genannten 18.000 Jobs diesen Bereich betreffen. Da werden also vor allem Menschen, die in London und in New York arbeiten, ihren sehr gut bezahlten Job verlieren.

Komplett zurückziehen aus diesem Bereich wird sich die Deutsche Bank jedoch nicht, das Investment-Geschäft wird eher auf ein Normal-Maß zurecht gestutzt.

WDR: Was kostet das und was will das Unternehmen damit einsparen?

Ueckerseifer: Man will mittelfristig etwa ein Viertel der Kosten sparen. Zuvor aber wird der Umbau eine Menge kosten, avisiert sind für die nächsten Jahre etwa sieben bis acht Milliarden Euro.

Inhaltlich sind das meiner Meinung nach richtige Entscheidungen, aber ob das alles hinterher funktioniert, ist eine andere Frage. Die Deutsche Bank hat durch ihr Nicht-Handeln wichtige Jahre verloren. Sie hat also noch alte Probleme und auf der anderen Seite die gleichen Probleme, die auch alle anderen Banken lösen müssen. Stichwort Digitalisierung, also wer braucht überhaupt noch eine Bank?

WDR: Wie gehen die Mitarbeiter mit den Stellenstreichungen um?

Ueckerseifer: Wohl je nach Standort: In New York werden die Mitarbeiter heute wahrscheinlich in einen großen Raum gerufen, wo ihnen gesagt wird, dass sie ihre Sachen packen sollen. Die bekommen zwar noch eine Abfindung, sind dann aber raus. In Deutschland werden auch meines Wissens nach etwa 2.500 Stellen im Privatkundenbereich abgebaut, das ist bereits vor etwa einer Woche vereinbart worden - zusätzlich zu bereits zuvor vereinbarten Kürzungen.

WDR: Aber der jetzt angekündigte radikale Umbau wird doch eher das Ausland treffen und hier in NRW für die Bankkunden gar nicht so spürbar sein?

Ueckerseifer: Bei uns passiert das ja bereits. Die Deutsche Bank hat bereits eine "kleinere" Umstrukturierung verkündet und macht das, was die anderen Banken bei uns auch machen: Filialen werden geschlossen, die Zahl der Mitarbeiter wird reduziert. Dieser Prozess wird weitergehen, also die Deutsche Bank wird keine neuen Filialen aufmachen, sondern eher schließen.

Das Interview führte Max von Malotki

Quelle: wdr.de

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