Ein mit Polizeiband abgesperrter Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

Nordrhein-Westfalen Dimension im Missbrauchsfall Lügde war früh klar

Stand: 05.05.2019 19:00 Uhr

Das NRW-Innenministerium wusste offenbar schon Mitte Januar um die Dimensionen im Missbrauchsfall Lügde. Das geht aus einem internen Bericht hervor, der dem WDR vorliegt.

Von Marc Steinhäuser

Das Ausmaß des Missbrauchsfalls auf dem Campingplatz in Lügde war für die Behörden bereits Anfang Januar absehbar. Das geht aus einem internen Polizeibericht hervor, der dem WDR-Magazin Westpol vorliegt.

Der bisher unveröffentlichte Bericht vom 11. Januar 2019 ging von der Polizei Lippe an das Landeskriminalamt und drei Tage später auch ans Innenministerium in Düsseldorf.

12.500 kinderpornografische Dateien

In dem Polizeibericht ist bereits die Rede von "möglicherweise 30 und mehr Kindern und jugendlichen Opfern". Allein beim dritten Verdächtigen wurden demnach "12.500 kinderpornografische Dateien" sichergestellt.

Außerdem hielt die Polizei Lippe schon Mitte Januar fest, dass sich "Verdachtsmomente hinsichtlich einer Aktenmanipulation" beim Jugendamt Hameln ergeben hätten. Man rechne mit weiteren Spuren und Verdächtigen.

Ermittlungen erst Wochen später übertragen

Doch die Ermittlungen für diesen schweren Missbrauchsfall verblieben bei der Kreispolizei Lippe. Sie machte zwei weitere Durchsuchungen auf dem Campingplatz, bei denen Datenträger nicht gefunden wurden.

Die Öffentlichkeit erfuhr erst Ende Januar von den Missbrauchsfällen – durch eine Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft. Auch für Innenminister Reul sei dies "der Knall" gewesen, sagt er. Einen Tag später übertrug das Innenministerium die Ermittlungen an die größere Polizeibehörde in Bielefeld.

Das Innenministerium verweist darauf, dass man die Gesamthöhe der Straftaten erst Ende Januar erfahren habe. Außerdem habe die Kreispolizei Lippe "stets betont, den Fall im Griff zu haben". Dies sei auch "die Ansicht der Staatsanwaltschaft gewesen". Eine "Unterstützungsbitte" habe es aus Lippe nicht gegeben.

Grüne fordern Untersuchungsausschuss

Nach den Westpol-Recherchen schwenken nun auch die Grünen im Landtag um - und fordern wie bereits die AfD-Fraktion einen Untersuchungsausschuss zum Fall Lügde. "Das Innenministerium hätte vorher handeln müssen." Man erwarte eine "schonungslose Aufklärung“, so die Grünen-Innenexpertin Verena Schäffer.

Der innenpolitische Sprecher Hartmut Ganzke betonte: "Ab Mitte Januar hat Reul gewusst, um welche Dimension es ging." Die SPD hat sich bisher nicht auf einen Untersuchungsausschuss festgelegt. Die Sozialdemokraten wollen noch die Anklage abwarten.

Quelle: wdr.de

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