Astronomen zeigen erstes Bild eines schwarzen Lochs | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Nordrhein-Westfalen Schwarzes Loch: "Noch nie so nah herangekommen"

Stand: 10.04.2019 18:20 Uhr

Wissenschaftler haben das erste Foto eines Schwarzen Lochs veröffentlicht. Daran beteiligt: das Max-Planck-Institut in Bonn. Wir haben mit einem der Astronomen über die Sensation im All gesprochen.

Mit Beteiligung des Bonner Max-Planck-Instituts für Radioastronomie (MPIfR) ist Astronomen erstmals die Aufnahme eines Schwarzen Lochs gelungen. Auf dem am Mittwoch (10.04.2019) veröffentlichten Bild ist das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum der 55 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxie Messier 87 zu sehen. Wir haben über die historische Aufnahme mit dem Astronomen und Physiker Norbert Junkes vom MPIfR gesprochen.

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WDR: Ist das Foto der erste Beweis, dass es Schwarze Löcher tatsächlich gibt?

Dr. Norbert Junkes, Max-Planck-Institut für Radioastronomie | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Astronom und Physiker Dr. Norbert Junkes Bild: Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Norbert Junkes: Es ist das erste direkte Bild. Sehr viele Astronomen waren überzeugt davon, dass es Schwarze Löcher gibt. Aber die Hinweise waren indirekt. Gravity-Experimente hatten schon mit ziemlicher Genauigkeit darauf hingewiesen – aber eben indirekt über die Schwerkraftwirkung.

WDR: Was genau zeigt das Foto?

Junkes: Es zeigt das Zentralobjekt als schwarzen Schatten im Inneren mit dem hellen Strahlenkranz drumherum. Die Materie leuchtet im Bereich der Radiowellen. Das ist natürlich ein Falschfarbenbild. Hier wird Radiostrahlung abgebildet. Diese Strahlung ist zunächst einmal unsichtbar. Um sie darzustellen, ist sie in eine Farbkarte umgesetzt worden.

WDR: Trauen Sie sich zu, den Begriff Schwarzes Loch in drei Sätzen zu erklären?

Junkes: Ich versuche es: Schwarze Löcher sind kosmische Objekte, bei denen die Schwerkraft so groß ist, dass noch nicht einmal Licht herauskommt. Deswegen sind sie so geheimnisvoll. Um ein Schwarzes Loch theoretisch zu verlassen, bräuchte man eine Fluchtgeschwindigkeit höher als Lichtgeschwindigkeit, also grob gerechnet von mehr als 300.000 Kilometern pro Sekunde.

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WDR: Welchen Anteil hat das Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie an der Entstehung des Fotos?

APEX Radioteleskop | Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Das APEX-Radioteleskop in Chile Bild: Max-Planck-Institut für Radioastronomie

Junkes: Einen recht großen. Wir stellen zwei Dutzend der 200 Wissenschaftler dieser internationalen Kollaboration. Wir sind außerdem signifikant vertreten über die Technologie VLBI, also das Zusammenschalten der Teleskope und das Heranarbeiten an immer höhere Frequenzen. Und eines der acht beteiligten Teleskope ist das APEX in Chile. Es steht auf 5.000 Metern Höhe. Das Max-Planck-Institut hat es konzipiert und gebaut.

WDR: Welchen wissenschaftlichen Stellenwert hat das Bild?

Junkes: Die jetzt vorgestellten Beobachtungen mit theoretischen Modellen in Übereinstimmung zu bringen, ist eine fantastische Sache.

WDR: Was ist das Besondere an dem Foto?

Junkes: So nah ist man noch nie an ein Schwarzes Loch herangekommen. Das ist das Aufregende daran.

Das Interview führte Frank Menke.

Quelle: wdr.de