Mehrere tausend Menschen protestieren mit Schildern und Plakaten gegen die geplante Urheberrechtsreform | Bildquelle: dpa

Nordrhein-Westfalen Beschluss zur EU-Urheberrechtsreform schockt Kritiker

Stand: 26.03.2019 20:10 Uhr

Das EU-Parlament hat die umstrittene Reform des Urheberrechts beschlossen. Für die vielen Gegner sei das ein "Schlag ins Gesicht", sagt der Kölner Aktivist Sebastian Worm.

Bundesweit hatten noch am vergangenen Samstag (23.03.2019) Hunderttausende gegen die EU-weite Reform demonstriert. Allein in Köln waren 8.000 Menschen zusammengekommen. Organisiert hatte den Protest der Kölner Sebastian Worm. Er sei mit dem Internet und den digitalen Medien groß geworden, sagt der 28-Jährige. Er arbeitet in einer Kölner "Gamer-Bar" und betreibt seit Wochen die Initiative "Saveyourinternet".

WDR: Haben Sie damit gerechnet, dass das EU Parlament so abstimmt?

Sebastian Worm spricht auf einer Demonstration
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Sebastian Worm bei Protesten in Köln

Sebastian Worm: Das Ergebnis ist ein Schlag ins Gesicht. Vor allem, weil diese Entscheidung wirklich sehr viele Menschen negativ betrifft. Sowohl Content Trader wie Youtuber oder Instagram-Leute, aber auch kleinere Firmen und auch Fotografen, Texter oder Journalisten.

Das Urheberrecht an sich ist ja richtig. Was wir eigentlich kritisieren, sind diese Upload-Filter, die die künstlerische Freiheit und auch die Meinungsfreiheit sehr stark eingrenzen und auch benutzt werden können, um Inhalte zu zensieren. Um zum Beispiel Kritik an der Politik zu verhindern. Wir fürchten eine Zensurgesellschaft.

WDR: Befürworter der Reform weisen aber darauf hin, dass durch Upload-Filter künftig auch Künstler besser geschützt seien. Bisher wird Musik häufig hochgeladen, ohne dass der Urheber etwas davon weiß oder das ihm zustehende Geld dafür bekommt.

Worm: Klar, wir sind nicht gegen das Copyright. Jeder soll für seine Arbeit entlohnt werden – aber nicht über einen Weg, der Zensur zulässt. Andererseits ist es wirklich eine Menge Material, das im Internet jede Minute hochgeladen wird. Das kann man nur über solche Filter kontrollieren. Deshalb würden wir begrüßen, wenn der ganze weitere Prozess möglichst transparent abläuft: Wer bekommt den Auftrag, die Upload-Filter zu erarbeiten? Welche Lobbyinteressen könnte es dabei geben? Wie genau sollen sie konstruiert sein?

WDR: Wer sollte daran beteiligt sein?

Worm: Die Netzspezialisten der Parteien haben größtenteils einen Wissensstand von vor 20 Jahren. Wir fänden es daher gut, wenn auch Vertreter der neuen IT-Generation mit eingebunden würden. Die Leute vom Chaos Computer Club Köln haben mir zum Beispiel schon einige Ideen beschrieben, wie so etwas aussehen könnte. Wir erwarten, dass jetzt nach Alternativen zu den bisher beschriebenen Upload-Filtern gesucht wird.

Das Interview führte Nina Magoley.

Quelle: wdr.de

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