Eine Zuschauerin stürmt die Bühne im Gürzenich, um sich bei Bernd Stelter über einen Witz zu beschweren

Nordrhein-Westfalen "Steltergate" - Debatte um Witze über Doppelnamen

Stand: 25.02.2019 11:00 Uhr

Als sich Komiker Bernd Stelter bei einem Karnevalsauftritt in Köln über Doppelnamen bei Frauen lustig macht, stellt ihn eine Zuschauerin zur Rede. Jetzt bewegt der Vorfall #Steltergate das Netz.

Gabriele Möller-Hasenbeck reist am Freitagabend (22.02.2019) mit ihrem Mann aus Weimar zur großen Karnevalssitzung im Kölner Gürzenich - eigentlich will sie nur zuschauen. Am Ende steht sie aber selber auf der Bühne: aus lauter Ärger über einen Bernd-Stelter-Witz.

Eklat bei TV-Sitzung im Kölner Gürzenich – Bernd Stelter muss Auftritt unterbrechen
Eklat bei TV-Sitzung im Kölner Gürzenich – Bernd Stelter muss Auftritt unterbrechen

Der fragliche Scherz geht an dem Abend auf Kosten der CDU-Bundeschefin Annergret Kramp-Karrenbauer, bezieht sich auf ihren Doppelnamen.

Während sich das Kölner Publikum mehrheitlich amüsiert, geht Gabriele Möller-Hasenbeck zur Bühne und stellt sich direkt vor Stelter: "Fragt mal irgendjemand, was für ein Scheiß-Name ein Mann hat, den die Frau annimmt?", stellt sie den irritierten Komiker zur Rede.

Noch am Montag wird der "Eklat" im Netz - und nicht nur da - rauf und runter diskutiert.

Wer erwartet guten Witz im Karneval?

In der Comedian-Szene stößt der Vorfall überwiegend auf Unverständnis. Haupttenor dabei: Naiv sei, wer im Karneval wirklich guten Humor erwartet. Die Qualität der Witze sei in diesem Universum eigentlich kein Kriterium, wundert sich beispielsweise Micky Beisenherz:

Jan Böhmermann teilt auf Twitter einen Tweet des Kölner Comedians Friedemann Weise, der sich auch einen "Bühnengast" zum Thema Doppelnamen wünscht:

Er selbst twittert im Namen der "Zeit":

Der Wuppertaler Poetry-Slammer David Grashoff erinnert daran, dass Doppelnamen-Witze alte Tradition haben:

Und viele finden, wie TV-Satiriker Philipp Walulis, Gabriele Möller-Hasenbeck habe zu empfindlich reagiert.

Aber auch Bernd Stelter erntet Unverständnis. Vor allem von Frauen:

"Warum wurde Bernd Stelter nicht vor der Berufswahl des Komikers gewarnt?" Die feministische Journalistin Teresa Bücker teilt diesen Tweet:

Ähnlich unwitzig findet Spiegel-Redakteurin Melanie Amann die Stelter-Nummer:

Und auf Facebook schreibt Elke Massner: "Ich habe Bernd Stelter schon beleidigt von der Bühne traben sehen, weil ihm keiner zuhören wollte und er ausgepfiffen wurde. Nun hat ihm mal jemand die Meinung gesagt ...na und?"

Innenminister Reul: "Überflüssig"

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), der ebenfalls unter den Zuschauern saß, bezeichnete den Auftritt der Weimarerin später als "überflüssig", Stelter habe "souverän" reagiert. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte der Kölnischen Rundschau: "Ich hätte versucht, mit der Frau zu reden. Man muss auch mit Kritik umgehen können."

Gabriele Möller-Hasenbeck hat jetzt Hausverbot im Gürzenich. Dem WDR sagt sie später: "im 21. Jahrhundert muss man sich nicht über Namen lustig machen".

Quelle: wdr.de

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