Jungsauen stehen in einem Stall | Bildquelle: ddp images/Michael Kempf/Shotsho

Nordrhein-Westfalen Neue Fleisch-Kennzeichnung: Kritik aus NRW

Stand: 06.02.2019 17:44 Uhr

Mehrere Discounter und Supermärkte führen zum 1. April eine einheitliche Fleisch-Kennzeichnung bezüglich der Tierhaltung ein. Tier- und Verbraucherschützern in NRW geht das nicht weit genug.

Frank Menke

Aldi Nord und Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto Marken-Discount, Penny und Rewe informieren den Verbraucher ab 1. April auf einheitlichen Etiketten ihrer Fleischverpackungen über die Haltungsbedingungen der Nutztiere. Ziel: mehr Transparenz für Verbraucher und auch mehr Tierwohl. Die vier Klassifizierungen reichen vom gesetzlichen Mindeststandard bis zur Premiumklasse hauptsächlich nach Bio-Kriterien.

Ralf Unna vom Landestierschutzverband NRW in seiner Kölner Tierarztpraxis mit einem Grauen Labrador
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Ralf Unna vom Landestierschutzverband NRW

Tierschutzverband: "Es geht nicht um Bio"

Für den Landestierschutzverband NRW ist die freiwillige Initiative der Händler nicht konsequent genug: "Es geht nicht um Bio, sondern um mehr Tierschutz in den Ställen", sagte Verbands-Tierarzt Dr. Ralf Unna am Mittwoch (06.02.2019) dem WDR. Das sei "eine staatliche Aufgabe".

Laut Dr. Unna müssten Staat und Tierschutzverbände einheitliche Kriterien für mehr Tierschutz im Stall entwickeln. Anders als von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) für ihr zunächst nur für Schweinefleisch geplantes Tierwohl-Label sollte dies nicht auf freiwilliger Basis, sondern verbindlich passieren. Die Forderung: Die Einhaltung der Kriterien müsse unangemeldet und von unabhängigen Tierärzten kontrolliert werden.

Anlaufstelle für Lobbyisten

Dr. Unna glaubt nicht, dass das so schnell passiert: "Landwirtschaftsministerium und Bundesregierung sind frei von Tierschutzsachverstand. Beide sind Anlaufstellen von Lobbyisten des agraindustriellen Komplexes, deren Heimathafen." Während die Discounter mit ihrer einheitlichen Klassifizierung auf den Druck der Verbraucher reagierten, mangele es auf politischer Seite an Bereitschaft zu klaren Vorgaben.

Schon seit Jahren kritisieren Tierschützer diesbezüglich die Politik. Das Staatsziel Tierschutz sei bisher ohne jede Wirkung geblieben im rechtlichen Rahmen, sagte etwa Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Kritik auch von der Verbraucherzentrale NRW

In eine andere Richtung zielt die Kritik von Sabine Klein von der Verbraucherzentrale NRW. Schon bei Fleisch der dritten Klassifizierung gebe es ein viel zu geringes Angebot: "Es gibt mehr Verbraucher, die bereit wären, Stufe drei und vier zu kaufen, als es tatsächlich ein Angebot gibt.“ Das Gros des Fleisches stamme aus der Produktion der Stufe eins, also aus Stallhaltung auf gesetzlichem Mindestniveau. Wo bleibe da die Wahlmöglichkeit?

Das sieht auch Dr. Unna so. Über 98 Prozent des Fleisches in Deutschland wie in NRW stamme aus Betrieben, in denen die Tiere auf engem Raum lebten, mit wenig oder gar keinem Tageslicht und kaum Auslauf nach draußen.

Quelle: wdr.de

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