Plastikgeschirr, Besteck | Bildquelle: imago/Anka Agency International

Nordrhein-Westfalen Plastikverbot: Geht es wirklich ohne Kunststoff?

Stand: 19.12.2018 17:24 Uhr

Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen: Die EU verbannt ab 2021 Wegwerfprodukte aus Plastik. Ein Verbot - mit weitreichenden Folgen für Verbraucher und die NRW-Industrie.

Die Europäische Union hat am Mittwoch (19.12.2019) ein Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff beschlossen. Grund: Plastikmüll wird kaum recycelt. Stattdessen landen mehr als 80 Prozent davon in den Meeren, wo es die Ökosysteme bedroht, und auf Umwegen als Mikroplastik im Menschen. Viele Kunststoffe stehen auch im Verdacht, gesundheitsgefährdende Substanzen zu enthalten.

EU verbietet Einweg-Plastik
EU verbietet Einweg-Plastik

Bambus, Baumwolle, Bienenwachs

Das Verbot gilt allerdings nicht für sämtliche Einweg-Produkte: Wenn es keinen umweltfreundlichen Ersatz gibt, dürfen sie weiter vertrieben werden. Der Markt für Alternativen wächst aber: Es gibt Trinkhalme aus Edelstahl, Glas und sogar Nudeln, Bambus-Kaffeebecher aus Bambus, Baumwoll-Einkaufsnetze und Bienenwachs-Frischhaltefolie.

Aber: Nicht alle Ersatz-Produkte sind automatisch umweltfreundlich. "Plastik hat keine schlechte CO2-Bilanz", sagt Philip Held von der Verbraucherzentrale NRW. "Wenn wir nun alle Menüboxen aus Aluminium kaufen, wäre das sogar sehr schlecht für die Umwelt. Auch wenn alle Ersatzstoffe aus Papier oder Pappe hergestellt werden, ist das für die Klimabilanz nicht unbedingt besser. Dann ist es am Strand zwar sauberer, aber der Umwelt ist nicht geholfen", erklärt Held.

Auf der Suche nach Alternativen

Ein Ausweg wäre Biokunststoff aus Stärke oder Milchsäure - Rohstoffe, die nachwachsen und meistens auch biologisch abbaubar sind. Die Verpackungsindustrie treibt die Forschungen voran, der Anteil der neuen Stoffe ist aber noch gering. Sie sind noch zu teuer - und in der Umweltbilanz zum Teil noch schlechter als herkömmliches Plastik.

Das Bild zeig Plastikmüll am Strand.
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Plastik im Meer

Eine Herausforderung für die Branche

Mit solchen Forschungsvorhaben versucht die Kunststoff-Industrie, den Strukturwandel zu schaffen. Gerade in NRW gibt es besonders viele Unternehmen, die Kunststoffe erzeugen und verarbeiten und die dafür nötigen Maschinen bauen. Wie das Netzwerk "kunststoffland NRW" dem WDR sagte, arbeiten 140.000 Beschäftigte in über 1.000 Unternehmen mit einem Umsatz von 37 Milliarden Euro - fast ein Drittel der deutschen Kunststoffindustrie.

Wie sich das Verbot auswirken wird, konnte das Netzwerk noch nicht sagen. Aber: "Für einzelne Unternehmen besonders aus dem Mittelstand kann das sogenannte Plastikverbot durchaus Härten mit sich bringen." Und das Netzwerk rechnet damit, dass nicht nur Einweg-Produkte auf die Verbotsliste kommen - und es die ganze Branche trifft.

Es geht auch ganz ohne Verpackung

Es gibt aber auch schon Verbraucher, die inzwischen lieber ganz auf Plastikverpackungen verzichten und in "Unverpackt-Läden" einkaufen, die es in ganz NRW gibt. "Das sind nicht mehr nur die sogenannten Ökos", sagt die "von Grünstadt"-Geschäftsführerin Helen Mohr in Essen. Das Interesse geht quer durch die Bevölkerung. Jeder will ja Plastik vermeiden und wenn jeder im Kleinen etwas tut, entsteht vielleicht etwas Großes", sagte Mohr.

Quelle: wdr.de

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