Suchtklinik

Nordrhein-Westfalen Schwieriger Brandschutz in NRW-Gefängnissen

Stand: 02.12.2018 06:00 Uhr

Zum zweiten Mal in Folge brannte eine Zelle in der JVA Kleve. Wie kann das passieren? Ein effektiver Brandschutz im Gefängnis scheitert offenbar an diversen Hürden.

Nina Magoley

Zweimal bereits brannten Gefängniszellen in der JVA Kleve. Im ersten Fall im September starb der zu Unrecht inhaftierte Syrer Amad A.. Am 26. November gab es wieder Feuer in einer Zelle, diesmal wurde der 28-jährige Insasse zwar unverletzt gerettet. Zwölf Gefängnismitarbeiter aber erlitten Rauchvergiftungen.

Fünf Tage später wurden ein 38-jähriger Häftling und ein Mitarbeiter der JVA Hamm leicht verletzt, nachdem in der Zelle des Inhaftierten ein Feuer ausgebrochen war. In den zwei ersten Fällen soll der Brand vorsätzlich gelegt worden sein. Auch bei dem aktuellen Brand in Hamm steht der Verdacht der Brandstiftung im Raum.

Wie kann in einer Gefängniszelle Feuer ausbrechen?

80 Prozent der Gefangenen in NRW sind Raucher, sagt eine Sprecherin des NRW-Justizministeriums. Häftlinge, die "nicht auffällig" oder suizidgefährdet sind, dürften in ihren Zellen rauchen. Streichhölzer seien zwar nicht erlaubt, dafür aber zwei Einwegfeuerzeuge pro Zelle.

Nach dem Feuer in Hamm am 1. Dezember brachte der SPD-Abgeordnete Sven Wolf E-Zigaretten für rauchende Sträflinge ins Spiel. Auch der Grünen-Politiker Stefan Engstfeld forderte neue technische Lösungen bei Feuerzeugen und nicht brennbaren Materialien für Matratzen.

Reichlich brennbares Material

Ein Häftling sitzt auf seinem Bett in seiner Zelle. Er liest in einem Buch. | Bildquelle: IMAGO
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Viele Insassen sind Raucher

Denn ein weiteres Problem ist das leicht entflammbare Material, das es in den Gefängniszellen reichlich gibt: Von der Häftlingskleidung über Bettdecken und Bücher bis zur Matratze.

Schwer entflammbare Matratzen seien zwar in NRW mal getestet worden, hätten sich aber als zu unkomfortabel erwiesen. In moderneren Haftanstalten sei das Mobiliar aus speziell beschichteten Platten.

Keine Notrufsystem in den Zellen

Darüber hinaus aber gibt es weder Notrufsysteme noch Feuerlöscher in den Zellen. Zu groß sei die Gefahr des Missbrauchs durch die Gefangenen. Auch Sprinkleranlagen, die im Ernstfall Wasser von der Decke versprühen, könne man in den Zellen nicht installieren.

Auf den Fluren und in den Büros der JVA-Beamten gebe es Rauchmelder und Alarmsysteme, sagt Peter Brock, NRW-Chef des Bunds der Strafvollzugsbediensteten. Auch feuerhemmende Türen seien mittlerweile in vielen Haftanstalten Standard.

JVA Werl
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Teils sehr alte Gebäude

Bauten aus der Kaiserzeit

Wie ausgefeilt das Brandschutzkonzept einer JVA ist, hänge aber vom Baujahr und Zustand ab - ein Teil der 36 Gefängnisse ist noch aus der Kaiserzeit. Der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW und auch die örtlichen Feuerwehren müssten die Gebäude regelmäßig prüfen.

NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hat eine Expertenkommission angekündigt, die unter anderem auch die Brandsicherheit der Haftanstalten untersuchen soll.

Quelle: wdr.de

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