Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn

Nordrhein-Westfalen Kandidaten für CDU-Vorsitz betonen Zusammenhalt

Stand: 29.11.2018 06:30 Uhr

Runde sechs im Wettbewerb um die Merkel-Nachfolge: Die drei Kandidaten mit den größten Erfolgsaussichten präsentierten sich vor rund 4.000 Mitgliedern in Düsseldorf.

Thomas Drescher

Es scheint, als würde Armin Laschet in seiner kurzen Eröffnungsrede den Ton für diesen Abend setzen, als er die rund 4.000 CDU-Mitglieder am Mittwoch (28.11.2018) in Halle 9 der Düsseldorfer Messe daran erinnert, alle drei Kandidaten würden nach der Wahl zum Parteivorsitz am 7. Dezember in Hamburg gebraucht - und nicht nur der Gewinner oder die Gewinnerin.

Laschet, Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender in NRW, entschwindet danach in Richtung Ruhrkonferenz nach Bochum, und die sechste von acht regionalen Vorstellungsrunden mit Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn nimmt ihren Lauf.

Man spürt das Bemühen aller drei Bewerber um Sachlichkeit, die Vermeidung direkter Attacken. Es soll keine unüberbrückbaren Differenzen geben. Die Abgrenzung geschieht über unterschiedliche Schwerpunktsetzungen.

Der Wirtschaftsfachmann

Friedrich Merz spricht viel über Wirtschaftsthemen, nennt den ländlichen Raum, aus dem er stammt, das Sauerland, einen Wirtschaftsraum - "und nicht das Erholungsgebiet des Ruhrgebiets".

Merz betont immer wieder, dass Deutschland ein Industrieland ist, dass er den Mittelstand und die eigentümergeführten Unternehmen für das Rückgrat der deutschen Wirtschaft hält - dafür bekommt er langen Beifall.

Er warnt vor einem "Ende der Party": "Was, wenn die Wirtschaft stagniert?", fragt er. Er gibt den eloquenten Transatlantiker, den nachdenklichen Europäer, spricht von "gesundem Patriotismus".

Ziel: 40 Prozent

Annegret Kramp-Karrenbauers Melodie klingt anders: Sie sieht - entgegen aller Prognosen, die eine weitere Auffächerung der Gesellschaft sehen - die Zukunft der CDU als Volkspartei.

Verlorene Wähler will sie wieder zurückgewinnen. Ihre Zielmarke als Parteivorsitzende liegt bei einer Zustimmung von 40 Prozent. Christliche Werte scheinen in ihren Statements immer wieder durch.

In die Euphorie über die Dynamik der chinesischen Wirtschaft mag sie nicht einstimmen, während dort gentechnisch designte Babys auf die Welt kommen und Wissenschaftler Gott spielen. Zusammenhalt, Gemeinsamkeit, Werte, politische Heimat für möglichst viele verschiedene Köpfe: das ist der Sound von AKK.

Der Blutjunge

Und Jens Spahn, den manche mit seinen 38 Jahren noch für "blutjung" halten? Er liefert einen starken Auftritt, spricht druckreif über seine Vision von Deutschland im Jahr 2040. Die Leute, "die den Laden am Laufen halten", sind sein Thema; die morgens früh aufstehen und abends spät heimkommen. Die will er entlasten, vom Soli etwa.

Die alte Formel von der "Leistung, die sich wieder lohnen muss", kommt ebenso vor wie die klaren Werte: gegen Antisemitismus, gegen Homophobie, gegen Rassismus, Vollverschleierung und Machotum. Einen modernen Patriotismus will auch Spahn.

Doch nicht an seinen Mitbewerbern arbeitet er sich ab, sondern an den Grünen: an ihrem "ungeklärten Verhältnis zum staatlichen Gewaltmonopol" - im Hambacher Wald etwa - oder an ihrer Haltung zur Abtreibung.

Gemessen an der Lautstärke des Beifalls hören viele einen leichten Vorteil für Friedrich Merz gegen über Annegret Kramp-Karrenbauer. Jens Spahn, so sagen einige, die man danach fragt, habe ja noch Zeit.

Quelle: wdr.de

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