Blick auf die Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück | Bildquelle: AFP

Corona-Ausbruch bei Tönnies Mehr als 600 Infektionen in Fleischfabrik

Stand: 18.06.2020 11:22 Uhr

Beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind in der Produktion mehr als 650 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. In manchen Teilen geht der Betrieb aber erst einmal weiter.

Beim Fleischverarbeiter Tönnies in Rheda-Wiedenbrück sind in der Produktion mehr als 650 Menschen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Das hat der Kreis Gütersloh am Mittwochabend (17.06.2020) mitgeteilt. Rund 7.000 Mitarbeiter müssten in Quarantäne.

Isabella Eckerle, Leiterin der Forschungsgruppe Emerging Viruses in der Abteilung für Infektionskrankheiten der Universität Genf geht davon aus, dass es in dem Betrieb schon seit längerer Zeit Neuansteckungen gibt. Sie widerspricht damit einer Darstellung des Unternehmen.

Tönnies entschuldigt sich

Mögliche Gründe könnten Reiselockerungen und damit zunehmende Wochenend-Besuche von Werksarbeitern sein. Dazu kämen die Temperaturen am Arbeitsort, die die Ausbreitung noch verstärken, heißt es vom Unternehmen.

Ein Sprecher des Fleischkonzern sagte, Tönnies habe alles getan, das Virus aus dem Unternehmen zu halten. Laut Virologin Eckerle sind dagegen die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen offenbar mit den aktuell notwendigen Hygienemaßnahmen nicht gut vereinbar.

Betrieb bei Tönnies läuft weiter

Der Kreis Gütersloh hatte am Mittwochnachmittag (17.06.2020) die Schließung des Betriebs verfügt. Schlachtschweine werden zwar nicht mehr angenommen. Die Zerlege-Abteilung ist geschlossen. Dennoch läuft die Produktion vorerst weiter. Am Mittwochabend erschienen mehrere hundert Beschäftigte zur Spätschicht.

"In Absprache mit dem Gesundheitsamt"

Sie sollen das in den Kühlhäusern gelagerte Fleisch verarbeiten. Das geschehe in Absprache mit dem Gesundheitsamt, sagte ein Konzernsprecher. Dies könne zwei Tagen dauern. Erst dann werde das Tönnies-Werk komplett geschlossen. Ob diese Mitarbeiter auch infiziert sind, müssen neue Tests ergeben.

"Es wird zu einem Shutdown bei Tönnies kommen", sagte Sven-Georg Adenauer am Nachmittag. Güterslohs Landrat sprach von einer Dauer von sieben bis 14 Tagen.

657 positive Corona-Tests

Bis zum Abend waren 657 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. Insgesamt liegen jetzt fast 1.000 Testergebnisse vor, sagte ein Sprecher des Kreises Gütersloh. Mehrere tausend Mitarbeiter sollen noch getestet werden.

Kita- und Schulschließungen ab Donnerstag

Landrat Adenauer ordnete an, dass wegen der Infektionen ab Donnerstag (18.06.2020) alle Schulen und Kindergärten im Kreis Gütersloh geschlossen werden. Er betonte, dass er verärgerte Eltern verstehen könne, aber es sei ein gutes Mittel um die Ausbreitung zu verhindern. "Dies ist besser als ein Lockdown für den Kreis Gütersloh."

Merkel lobt Kreis Gütersloh

Bundeskanzlerin Merkel lobte das Vorgehen des Kreises: "(...) Deshalb begrüße ich es sehr, dass wenn zum Beispiel so wie heute im Landkreis Gütersloh ein solches gehäuftes Infektionsgeschehen auftritt, dass dann auch sofort Maßnahmen ergriffen werden und zum Beispiel die Schulen geschlossen werden."

Lebende Schweine vom Hof gefahren

Mehrere Transporter mit lebenden Schweinen fuhren im Laufe des Tages wieder vom Tönnies-Gelände. Ein Viehhändler aus Glandorf sagte dem WDR, dass die Schweine jetzt zu einem Tönnies Schlachthof ins Emsland gebracht und heute noch getötet werden.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2020 um 13:00 Uhr.

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