Schild: Justizvollzugsanstalt Kleve, Landeswappen NRW

Tödlicher Brand in JVA Kleve Zweifel an Suizid-Theorie

Stand: 19.10.2018 11:54 Uhr

In den Fall eines Syrers, der zu Unrecht inhaftiert war und infolge eines Feuers in seiner Zelle ums Leben kam, kommt Bewegung: Die offizielle Version hat offenbar Lücken.

Im Fall des Syrers, der zu Unrecht inhaftiert war und infolge eines Feuers in seiner Gefängniszelle ums Leben kam, gibt es Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse. Der 26-jährige war am 29. September, zwei Wochen nach einem Feuer in seiner Gefängniszelle in Kleve, an seinen Verletzungen gestorben. Bisher war die Landesregierung davon ausgegangen, dass der Mann das Feuer in suizidaler Absicht selbst gelegt hatte.

Häftling wollte Hilfe holen

Nach WDR-Informationen stellt sich der Verlauf allerdings anders dar, als bislang bekannt. Ermittler haben neue Details rekonstruieren können. Demnach soll der Inhaftierte noch versucht haben, Hilfe zu holen, als der Brand ausbrach. Damit wird die Suizid-Theorie unwahrscheinlicher. Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums wollte sich auch am Freitag (19.10.2018) dazu nicht äußern. Er begründete dies mit den laufenden Ermittlungen.

Am Donnerstag (17.10.2018) hatte die SPD bereits den Druck auf die Landesregierung erhöht. In einem Brief fordert SPD-Fraktionsvize Sven Wolf einen "umfassenden, ausführlichen und vollständigen" Bericht über den tödlichen Vorfall.

Der SPD-Abgeordnete Sven Wolf | Bildquelle: dpa
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Sven Wolf fordert Aufklärung

SPD beklagt "Salamitaktik"

Das Schreiben ging an Innenminister Herbert Reul und Justizminister Peter Biesenbach (beide CDU) und liegt dem WDR vor. Die SPD beklagte darin einen fehlenden Aufklärungswillen. So würden sich die bisherigen Berichte und Antworten der Minister teilweise widersprechen. An anderer Stelle werde ungenau, ausweichend oder gar nicht geantwortet. SPD-Mann Wolf sprach von einer "Salamitaktik".

Amad A., bei JVA-Brand gestorbener Syrer
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Amad A. ist nach dem Brand gestorben

Fragen zu Suizid und Verwechslung

Konkret will die SPD wissen, warum mittlerweile von einem Suizid ausgegangen wird, während anfangs noch von einem Unfall gesprochen wurde. Auch müsse geklärt werden, warum die Suizidgefahr des 26-jährigen unterschiedlich bewertet wurde. Außerdem müsse geklärt werden, wie der Syrer mit einem Afrikaner aus Mali verwechselt werden konnte und ob der Betroffene nicht selber auf die Verwechslung hingewiesen habe.

Untersuchungsausschuss möglich

Die SPD fordert nun "zügig" einen Gesamtbericht, um den Fall nach den Herbstferien bewerten zu können. Einen Untersuchungsausschuss zu dem Fall hält sich die SPD weiter offen.

Quelle: wdr.de

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