Eine Kuscheltier-Giraffe sitzt auf einem Briefkasten, neben einer Grabkerze, vor einem abgesperrten Wohnhauseingang. | Andreas Rentz/Getty Images

Nordrhein-Westfalen Prozess um getötete Kinder in Solingen

Stand: 14.06.2021 06:55 Uhr

Vor neun Monaten soll eine Mutter aus Solingen fünf ihrer sechs Kinder getötet haben. Am Montag beginnt der Prozess gegen die 28-Jährige am Wuppertaler Landgericht.

Von Wolfram Lumpe

Die Solinger Siedlung Hasseldelle stand Anfang September 2020 über Tage im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Belagert von Journalisten und Kamerateams sicherte die Polizei in der Tatwohnung Spuren. "Es gab unter anderem Untersuchungen am Frühstückstisch der Familie und vor allem auch im Badezimmer. An vielen Stellen fanden sich dort Spuren eines beruhigenden Medikaments", sagt Heribert Kaune-Gebhardt, der für den Fall zuständige Staatsanwalt. Laut Anklage versetzte die Frau ihre Kinder mit "einem Medikamenten-Cocktail zunächst in einen Dämmerzustand" und erstickte sie dann.

Nur der elfjährige Sohn überlebte

Die fünf Opfer, drei Mädchen und zwei Jungs, waren zwischen 19 Monate und acht Jahre alt. Ihren mit elf Jahren ältesten Sohn habe die Angeklagte unter einem Vorwand aus der Schule geholt. Mit ihm sei sie dann per Bahn nach Düsseldorf gefahren, von wo aus der Junge zu Großmutter nach Mönchengladbach weitergefahren sei. Die Frau selbst unternahm dann einen Suizid-Versuch, den sie schwer verletzt überlebte.

Bundesweite Reaktionen

Trauer nach Tod von fünf Kindern | WDR

Entsetzen und Trauer bei den Nachbarn Bild: WDR

Ganz Solingen stand damals unter Schock. Am Tatort hatten Menschen viele Stofftiere abgelegt und Grablichter aufgestellt. In der Siedlung Hasseldelle ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt, sagt Hans-Peter Harbecke, Vorsitzender des Nachbarschaftsvereins "Wir in der Hasseldelle".

Natürlich sei die Tat jetzt zu Prozessbeginn wieder ein Thema. "Es war eine Frau, die viele Leute kannten, aber viele auch nicht. Es war dramatisch, deshalb bleibt das hängen, aber es ist ja nicht auf die Siedlung bezogen."

Warum? Die Frage nach dem Motiv

Solingen: Polizisten stehen vor einem ein Wohnhaus | dpa/Marcel Kusch

Untersuchungen am Tatort Bild: dpa/Marcel Kusch

Im vorläufigen psychiatrischen Gutachten sei "keine überdauernden Grunderkrankungen festgestellt worden", sagt Staatsanwalt Kaune-Gebhardt auf die Frage nach dem möglichen Motiv der mutmaßlichen Täterin: "Es drängt sich auf, dass an dem Tag was passiert sein muss."

Ihr letzter Partner soll sie kurz vor der Tat verlassen haben - nur ein möglicher Tatauslöser. Kaune-Gebhardt: "Es sind Chat-Protokolle des Tat-Vormittags ausgewertet worden. Danach sieht es so aus, dass die Probleme in der Partnerschaft eine Rolle gespielt haben können".

Der "unbekannte Mann"

Die Frau selbst soll die Tat noch immer bestreiten. Ihrer Darstellung nach soll sie ein unbekannter Mann gefesselt und geknebelt haben, um dann die Kinder zu töten. Spuren in diese Richtung fanden sich nicht. "Vielmehr gab es aber Spuren, die das widerlegen", so der Staatsanwalt.

Der Prozess beginnt am Montag unter klaren Sicherheitsvorkehrungen. Zeugen sind für die ersten beiden Verhandlungstage noch nicht geplant. Die Schwurgerichtskammer will abwarten, ob die Angeklagte sich zur Tat äußern will.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete WDR Fernsehen am 13. Juni 2021 um 18:45 Uhr in dem Magazin "Aktuelle Stunde".