Eine Person nähert sich einer weiteren Person auf einem Sofa liegend. | WDR / Maren Kuhlmann

Gericht in Münster Erstes Urteil im Missbrauchsprozess

Stand: 27.11.2020 14:41 Uhr

Das Landgericht Münster hat am Freitag einen 53-jährigen Mann wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt. Es ist das erste Urteil im großen Missbrauchskomplex von Münster.

Der Mann aus Norderstedt muss drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis. Er war angeklagt, im August 2019 bei einem Besuch in Münster einen damals neun Jahre alten Jungen vergewaltigt zu haben. Bei dem Opfer handelt es sich um den Ziehsohn des Hauptbeschuldigten im Missbrauchskomplex Münster.

In der Urteilsbegründung sprach der Vorsitzende Richter von einem "

milden Urteil für ein schweres Verbrechen

". Das Gericht habe das umfassende Geständnis des Mannes gewürdigt. Er habe so dem Opfer eine Aussage erspart. Außerdem verpflichtet sich der Verurteilte seinem Opfer 10.000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen.

Dreieinhalb Jahre Haft gefordert

Der Angeklagte hatte die Tat gegenüber den Ermittlern gestanden und Hinweise zu weiteren Beschuldigten gegeben. In seiner Heimatstadt Norderstedt war er jahrelang Fußballtrainer für Kinder- und Jugendmannschaften. Die Staatsanwaltschaft hatte bei den Plädoyers am Montag dreieinhalb Jahre Haft für den Mann gefordert.

Die Verteidigung sprach sich für eine angemessene Strafe aus, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Das Verfahren am Landgericht Münster findet zum Schutz des jungen Opfers unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Prozess gegen mutmaßlichen Haupttäter läuft

Hauptfigur im Missbrauchskomplex Münster ist ein 27-jähriger Münsteraner. Er soll den Sohn seiner langjährigen Lebensgefährtin mehrfach anderen Männern für sexualisierte Gewaltverbrechen zur Verfügung gestellt und das Kind auch selbst immer wieder vergewaltigt haben. Gegen ihn und weitere Angeklagte läuft ein zweiter Prozess vor dem Landgericht Münster.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2020 um 15:00 Uhr.