Eine Zeichnung der Situation vor Gericht | WDR

Missbrauchskomplex Münster Mehr als sieben Jahre Haft für Mutter

Stand: 06.10.2021 13:35 Uhr

Im Missbrauchskomplex von Münster hat das Landgericht am Mittwoch die Mutter des immer wieder schwer sexuell missbrauchten Jungen verurteilt. Sie muss sieben Jahre und neun Monate in Haft.

Eine Frau hält sich einen Aktenordner vor das Gesicht | WDR/Heike Zafar

Die Mutter wurde wegen Beihife verurteilt Bild: WDR/Heike Zafar

Nach Überzeugung der Richter wusste die Mutter, dass ihr damaliger Lebensgefährte Adrian V. ihren heute zwölfjährigen Sohn schwer sexuell missbrauchte. Sie habe die Vergewaltigungen aber nicht verhindert, hieß es in der Urteilsverkündung. Deswegen die Verurteilung wegen Beihilfe durch Unterlassung.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine zehnjährige Haftstrafe für die 32-Jährige gefordert, unter anderem wegen der Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. Die Verteidigung plädierte auf sechs Jahre Haft.  

Angeklagte legte Teilgeständnis ab

Das Verfahren fand zum Großteil, um das junge Opfer zu schützen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die 32-Jährige hatte nach Angaben eines Gerichtssprechers ein Teilgeständnis abgelegt. Demnach will sie ab Oktober 2019 vom Missbrauch ihres Sohnes durch ihren Lebensgefährten gewusst haben.

Die Staatsanwaltschaft warf ihr hingegen vor, schon früher davon gewusst haben. Zudem soll sie sich selbst an einzelnen Taten beteiligt haben. Unter anderem – so der Vorwurf – habe sie ihren Sohn ermutigt, sexuelle Handlungen an ihrem Lebensgefährten vorzunehmen.

Übergriffe im Urlaub offenbart?

Mehrstöckiges Wohhaus von unten fotografiert. | WDR/Detlef Proges

Das Paar lebte unter anderem in diesem Mehrfamilienhaus in Münster Bild: WDR/Detlef Proges

Dass ihr Lebensgefährte Adrian V. den Jungen immer wieder vergewaltigt hat, soll er der angeklagten Frau in einem Urlaub gestanden haben. Die Ermittler fanden auch die Aufnahme eines Gespräches zwischen den beiden, in dem es um den Missbrauch gegangen sein soll. Der Missbrauch soll überwiegend in der gemeinsamen Wohnung stattgefunden haben.

Lange Haftstrafen für mehrere Männer

Adrian V. hatte seinen Stiefsohn auch zahlreichen anderen Männern zum Missbrauch angeboten, zum Beispiel bei diversen Treffen oder Kurzurlauben. In dem Prozess konnte allerdings nicht bewiesen werden, dass die Frau davon etwas wusste.

Adrian V. war bereits Anfang Juli in einem gesonderten Verfahren zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Zudem wurden bislang mehr als ein Dutzend weiterer Männer aus ganz Deutschland als Mittäter des pädokriminellen Rings zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Quelle: wdr.de