Christoph Metzelder beim Prozessauftakt in Düsseldorf | WDR/Benjamin Sartory

Kinderpornografie-Prozess Metzelder legt Teilgeständnis ab

Stand: 29.04.2021 13:39 Uhr

Dem früheren Nationalspieler wird vorgeworfen, kinderpornografisches Material besessen und per Handy verschickt zu haben. Vor Gericht hat er ein Teilgeständnis abgelegt.

Von Martin Höke und Hanna Makowka

Mit brüchiger Stimme hat Christoph Metzelder am Donnerstagmittag vor Gericht erklärt: Es bleibe seine persönliche Verantwortung, er habe Fantasien ausgetauscht und Screenshots verschickt.

"Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer sexueller Gewalt um Vergebung. Ich werde den Rest meines Lebens mit dieser Schuld als Teil der Gesellschaft leben müssen", so Metzelder im Gerichtssaal. Aber er habe nie einen Übergriff geplant oder sei im Darknet aktiv gewesen. Er habe die Taten begangen, obwohl ihm das Leid der Kinder bewusst war und obwohl er wusste, dass er Straftaten begehe.

Die Richterin hatte bei einem Geständnis eine Strafe von zehn bis zwölf Monaten auf Bewährung in Aussicht gestellt.

Metzelder will Auszeichnungen zurückgeben

Metzelder hatte vor Gericht außerdem angekündigt, dass er unabhängig vom Ausgang des Verfahrens alle öffentlichen Auszeichnungen zurückgeben werde, wie den Landesverdienstorden NRW und das Bundesverdienstkreuz - aus Respekt vor den jetzigen und künftigen Preisträgern, so Metzelder.

Der Prozess hatte wie geplant am Donnerstag angefangen und war nach dem Verlesen der Anklage, einem Statement von Metzelders Verteidiger und Angaben zum Werdegang des Fußballers zunächst unterbrochen worden. Anklage, Richterin und Verteidigung hatten sich für ein Rechtsgespräch zurückzogen. Das hatte allerdings keine Einigung gebracht. Deswegen wurde der Prozess fortgesetzt.

Anklage: 30 Taten

In der Anklage der Düsseldorfer Staatsanwälte geht es um zwei Tatkomplexe, sagte Sprecherin Laura Hollmann vor dem Prozess:

"Dem Angeklagten wird vorgeworfen, es in 29 Fällen unternommen zu haben, einer anderen Person den Besitz von kinderpornografischen Schriften zu verschaffen. Zum anderen wird ihm zur Last gelegt, kinder- und jugendpornografische Schriften besessen zu haben."

Der Ex-Profi von Borussia Dortmund, Real Madrid und Schalke 04 soll kinderpornografische Bilder und Videos per Messengerdienst an drei Frauen versendet haben - darunter auch an eine Chatpartnerin aus Hamburg, mit der Metzelder auch eine Affäre gehabt haben soll. Die Frau hatte über einen Boulevard-Reporter die Polizei informiert und so Mitte August 2019 die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Chatpartnerin sagt nicht aus

Als die Polizei knapp drei Wochen später bei Christoph Metzelder anrückte, sollen auf dem Handy des Ex-Profis fast 300 kinder- und jugendpornografische Dateien gefunden worden sein.

Zur Aufklärung sollte die Chatpartnerin aus Hamburg beitragen und im Strafprozess in Düsseldorf als Hauptbelastungszeugin aussagen. Wird sie aber nicht, hat ihr Anwalt angekündigt. Denn gegen die Frau laufe in gleicher Sache noch ein Strafverfahren in Hamburg. Sie müsse als Beschuldigte daher in Düsseldorf nicht aussagen, um sich nicht selbst zu belasten.

Das hält Ulrich Sommer, der Verteidiger Metzelders, für einen Witz, weil sie gleichzeitig ein großes Interview in der Zeit publiziert habe, "wo sie ihre Sicht der Dinge ungefragt, unhinterfragt und wie ich meine, auch falsch wiedergibt."

Metzelder führte laut Anwalt Doppelleben

Die Frau hatte der Wochenzeitung detailliert berichtet, wie sie Metzelder im November vor drei Jahren über Instagram kennengelernt und sich auch persönlich mit ihm getroffen habe. In den Folgemonaten, so ihre eigenen Angaben, hätten die beiden per Chat sexuelle Fantasien ausgetauscht und zuletzt soll ihr der Ex-Profi kinderpornografische Fotos geschickt haben. Diese Frau, sagt Verteidiger Ulrich Sommer, habe seinen Mandanten angestiftet, ihr verfängliche Fotos zu senden.

Der Jurist räumt ein, dass sein Mandant ein Doppelleben geführt, erotische Chats mit Frauen gehabt, mit sexuellen Tabus gespielt und dabei Fehler gemacht habe. Der Verteidiger betont, dass die betreffenden Foto- und Videodateien nicht aus illegalen Quellen stammen, sondern meist Screenshots seien von öffentlich für jedermann zugänglichen Onlineseiten:

"Wenn man meint, aus den Funden schließen zu können, dass es pädophile Neigungen meines Mandanten gibt, dann ist das schlicht falsch. Jeder, der das Handy sieht, weiß, dass das nicht der Fall ist."

Bisher sind für den Prozess in Düsseldorf bis zum 10. Mai noch zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. April 2021 um 14:00 Uhr.