Das Gesicht von Christoph Metzelder vor einem weißen Hintergrund | Oliver Killig // dpa

Ex-Fußballnationalspieler Auftakt im Prozess gegen Metzelder

Stand: 29.04.2021 09:10 Uhr

Der Ex-Fußballnationalspieler Christoph Metzelder steht ab Donnerstag in Düsseldorf vor Gericht; ihm wird die Weitergabe und der Besitz von kinderpornografischen Schriften vorgeworfen.

Von Astrid Houben

Der Vize-Weltmeister von 2002 hatte einen hervorragenden Leumund, war für das Amt des DFB-Präsidenten im Gespräch. Im September 2019 stellte sich das Leben von Christoph Metzelder auf den Kopf. Der Vorwurf von Ermittlern: Er soll kinder- und jugendpornografisches Material besessen und Dateien per Handy an drei Frauen verschickt haben.

Metzelder selbst ist den Vorwürfen bislang entgegengetreten. Sein Anwalt sagte heute auf WDR-Nachfrage: "Herr Metzelder hatte sich bislang nicht zum Vorwurf geäußert. Er wird dies frühestens im Gerichtssaal tun." Ob sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss jetzt also das Gericht klären.

Ein Porträt von Julia von Weiler | Jürgen Heinrich // WDR / picture alliance / SZ Photo

Julia von Weiler Bild: Jürgen Heinrich // WDR / picture alliance / SZ Photo

Losgelöst von diesem Prozess wollen wir wissen, ob die Darstellung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen weiter in unserer Gesellschaft verbreitet ist, als wir ahnen. Wir haben genau darüber mit der Psychologin und Autorin Julia von Weiler gesprochen. Sie setzt sich mit dem Verein "Innocent in Danger" für den Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch und pornografischer Ausbeutung im Internet ein:

WDR: Frau von Weiler, wie verbreitet ist der Konsum von Bildern und Videos, die sexuelle Gewalt gegen Kinder zeigen?

Julia von Weiler: Das Ausmaß der Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen und das Ausmaß des Konsums von Missbrauchsdarstellungen, um sich daran sexuell zu erregen, ist gigantisch. Klar ist, dass Millionen und Abermillionen von Bildern unterwegs sind und dass die millionen- und milliardenfach geklickt und runtergeladen werden. Weltweit, jeden Tag, zu jeder Sekunde.

WDR: Verdrängen Konsumenten von kinderpornografischem Material möglicherweise, was sie tun? Wie müssen wir uns das vorstellen?

Von Weiler: Eine klassische Strategie, wenn Menschen solche Straftaten begangen haben, ist, zunächst zu leugnen. Wenn sie nicht mehr leugnen können, auf jeden Fall zu bagatellisieren: 'War doch gar nicht so schlimm.' Aber wissen sie, dass sie eine Straftat begehen? Selbstverständlich. Wissen sie, dass sie das Gesetz brechen? Selbstverständlich. Wissen sie, wenn sie drei Sekunden darüber nachdenken, dass es dem Kind nicht so gut geht, das sie sich da anschauen? Selbstverständlich.

WDR: Wie groß ist das Leid der Kinder?

Von Weiler: Sexueller Missbrauch verändert das Leben eines Kindes unwiederbringlich, für immer. Wenn diese Tat gefilmt und verbreitet wurde, bedeutet das für das betroffene Kind, sein Leben lang mit dem Wissen leben zu müssen, dass irgendwo auf der Welt, vielleicht ganz weit weg, vielleicht aber auch nebenan, sich Menschen diese Darstellung anschauen, um sich daran sexuell zu erregen. Also das Kind wird weiter zum Sexualobjekt.

WDR: Könnte man sagen, dass Konsumenten dieses Leid ausblenden?

Von Weiler: Konsumenten blenden, wie alle Täter und Täterinnen, absolut aus, welche Konsequenzen ihr Verhalten für das betroffene Kind hat. Es ist ihnen am Ende des Tages relativ wurscht, weil sie Lust haben, das zu konsumieren, weil sie finden, sie haben ein Recht darauf, das zu konsumieren, aber das betroffene Kind ist ihnen wirklich total egal.

WDR: Wie groß ist das Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern?

Von Weiler: Das Geschäft mit der sexuellen Ausbeutung von Kindern ist nach wie vor ein absolutes Milliardengeschäft, es ist einfach gigantisch. Genau beziffern können wir es alle nicht.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. April 2021 um 08:35 Uhr.