Angela Merkel und Armin Laschet besuchen die Feuerwache Schalksmuehle. | AP

Nach der Flut Merkel und Laschet besuchen Hochwassergebiete

Stand: 05.09.2021 20:18 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel und NRW-Ministerpräsident Laschet haben die vom Hochwasser verwüsteten Gebiete in NRW besucht. Der Wiederaufbau werde noch lange dauern, sagte Merkel.

Von Cordula Krell

Es ist noch viel zu tun, aber es geht voran - da waren sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nach ihrem Besuch in besonders stark von der Flut im Juli betroffenen Gebieten in NRW am Sonntag einig.

Die Schäden durch die Wassermassen sind in Hagen und im Märkischen Kreis noch immer immens, auch sieben Wochen später sind die Aufräumarbeiten noch lange nicht beendet.

Treffen mit Feuerwehrleuten: "Ein besonderes Geschenk"

In Schalksmühle trafen Merkel und Laschet Kollegen der beim Hochwasser-Einsatz ums Leben gekommenen Feuerwehrleute. Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr bezeichnete den Besuch als "besonderes Geschenk". Alle Feuerwehrleute leisteten einen freiwilligen Dienst an der Gemeinschaft. Auch Merkel zeigte sich von dem Gespräch beeindruckt.

Bei dem rund 45-minütigen Gespräch waren keine Pressevertreter zugelassen. Die Feuerwehrleute schilderten ihre Eindrücke aus der Hochwassernacht. Nach Angaben der Teilnehmer bewegte sich die Stimmung zwischen gelöster Atmosphäre und Momenten, in denen alle still wurden. Merkel habe mehrfach interessiert nachgefragt, etwa, wie die Ereignisse verarbeitet worden seien. Auch Verbesserungsvorschläge seien aufgenommen worden.

Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr bezeichnete den Besuch als "besonderes Geschenk". Alle Feuerwehrleute leisteten einen freiwilligen Dienst an der Gemeinschaft. Auch Merkel zeigte sich von dem Gespräch beeindruckt. Für die Feuerwehrleute war der Besuch eine Wertschätzung ihrer Arbeit. Rund 100 Schaulustige warteten vor dem Feuerwehrgerätehaus.

Zwei Feuerwehrmänner waren im Einsatz ums Leben gekommen

Den 14. Juli werden die Menschen in Hagen und im Märkischen Kreis wohl nie wieder vergessen. Heftige Regenfälle schneiden ganze Orte von der Außenwelt ab, Straßen und Keller sind überflutet, Menschen müssen gerettet, Altenheime evakuiert werden.

Ein Auto unter den durch starkes Unwetter verursachten Trümmern | AP Photo/Martin Meissner

Unwetter in Hagen Bild: AP Photo/Martin Meissner

In Werdohl und Altena im Märkischen Kreis waren zwei Feuerwehrmänner im Einsatz gestorben. Ein 46 Jahre alter Feuerwehrmann stürzte nach der Rettung eines Mannes ins Wasser und trieb ab, seine Kollegen konnten ihn nur noch tot bergen. Ein 52-jähriger Feuerwehrmann war knapp zwei Stunden später kollabiert und gestorben.

"Schnell wieder Normalität herstellen"

Merkel und Laschet besichtigen Brückenbaustelle in Hagen | WDR

Hier hat das Wasser eine Brücke zerstört Bild: WDR

Nach dem Gespräch mit den Feuerwehrleuten besichtigten Merkel und Laschet in Hagen eine Brücke, die durch das Wasser schwer beschädigt worden war. Mittlerweile sind 85 Prozent wieder hergestellt, wenn alles gut geht, soll sie in zwei Wochen wieder freigegeben werden. Auch mit Anwohnern wurden Worte gewechselt.

Bei einer anschließenden Pressekonferenz erklärte Kanzlerin Merkel, sie sei sehr gerne gekommen, die Gespräche seien für sie sehr wichtig gewesen. "Der Wiederaufbau wird lange dauern." Sie will sich dafür einsetzen, zeitlich befristet das EU-Vergaberecht zu vereinfachen. Das 30 Milliarden Hilfspaket, das nächste Woche beschlossen werden soll, soll schnell in den Katastrophengebieten ankommen.

Auch NRW-Ministerpräsident Laschet betonte, dass man so schnell wie möglich wieder Normalität herstellen wolle. Die betroffenen Menschen sollten so bald wie möglich wieder in ihre eigenen vier Wände zurück können. Für Kinder sei es sehr wichtig, wieder in die gewohnten Kitas und Schulen zu gehen, statt Übergangslösungen zu besuchen. Auch Maschinen und Fließbänder müssten schnell wieder laufen.

Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz sagte anschließend, Merkel und Laschet hätten den betroffenen Kommunen und Kreisen den Rücken gestärkt, mit positiven Signalen und konkreten Zusagen. Das Treffen sei ein "angenehmer, wenig politischer, sondern sehr fachlicher Termin" gewesen.

SIHK Hagen: "Wiederaufbau als Aufgabe eines Jahrzehnts"

Dr. Ralf Geruschkat, Geschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), freut sich, dass durch den Besuch von Merkel und Laschet der Fokus auf die stark geschädigte Industrieregion gelegt wird. Er wünscht sich von der Politik unkomplizierte Genehmigungsverfahren. Denn man sei auf bürokratiearme Verfahren angewiesen, wenn der alte Zustand nicht nur wiederhergestellt, sondern auch an neue Anforderungen angepasst werden soll.

Ein Bagger steht zwischen Schlamm und Matsch auf dem Hof des Kaltwalzwerks | WDR/Lars Faulenbach

Aufräumen im Kaltwalzwerk in Hagen-Hohenlimburg am 16.07. Bild: WDR/Lars Faulenbach

Bei der SIHK, deren Bezirk Hagen, den Märkischen Kreis und Teile des Ennepe-Ruhr-Kreises umfasst, geht man von 1,4 Milliarden Euro unmittelbarer Schadenshöhe bei etwa 2.000 Betrieben aus - nach ersten Schätzungen. "Jeden Tag kommen neue Schäden dazu, die erst jetzt entdeckt werden", sagt Ralf Geruschkat. Er bezeichnet den Wiederaufbau "als Aufgabe eines Jahrzehnts" und ist beeindruckt, wie alle Beteiligten den Kraftakt bisher gemeinsam angehen.

Märkischer Kreis - einige Straßen sind noch betroffen

Grennigloher Weg in Altena nach dem Starkregen, Straßen sind teilweise weggebrochen. | WDR/Claudia Roelvinck

Grennigloher Weg in Altena nach dem Starkregen Bild: WDR/Claudia Roelvinck

In Altena im Märkischen Kreis geht Stadtkämmerer Stefan Kemper von einem Schaden von rund 60 Millionen Euro allein an der kommunalen Infrastruktur der Stadt aus.

40 Prozent der Straßen waren durch die Wassermassen beschädigt. "Die akuten Schäden sind abgearbeitet, die kommunalen Straßen sind wieder frei zugänglich", sagt der Stadtkämmerer. Überregional gibt es immer noch Sperrungen. Der Wiederaufbau wird auch hier Jahre dauern.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. September 2021 um 11:00 Uhr.