Mario S. mit Verteidiger

Missbrauchsfall Lügde Verteidiger fordert zwölf Jahre Haft

Stand: 30.08.2019 10:58 Uhr

Mit den Plädoyers von Nebenklägern und Verteidigung geht der Prozess um die Missbrauchsfälle in Lügde in die Endphase. Die Angeklagten haben sich nicht geäußert.

Der Verteidiger des Angeklagten Andreas V., Johannes Salmen, hat eine Haftstrafe von zwölf Jahren für seinen Mandanten gefordert. Vor allem mit dem Geständnis begründete der Verteidiger das geringere Strafmaß.

Der Anwalt von Mario S. verzichtete bewusst darauf, ein konkretes Strafmaß zu benennen: "Ich habe das Gericht nur gebeten, aufgrund des Geständnisses das größtmögliche Entgegenkommen dem Angeklagten gegenüber zu zeigen", sagte Bogner. Ein Grund sei auch, dass man sich im zweistelligen Bereich bewege.

Sicherungsverwahrung wahrscheinlich

Außerdem müssen die Angeklagten mit einer Sicherungsverwahrung rechnen. "Durch die Ausführungen der Sachverständigen müsste jedem Juristen im Saal klar geworden sein, dass beide Angeklagte nicht an der Sicherungsverwahrung vorbeikommen", so Bogner. Dies bedeute eine Verschlimmerung der Freiheitsstrafe, so der Jurist. Eine Einschätzung, die offenbar auch Johannes Salmen teilt: "Man könnte argumentieren, wenn nicht in diesem Fall, wann dann?"

Andreas V. macht gesünderen Eindruck

Auch am zehnten Prozesstag versteckte sich der Angeklagte Andreas V. wieder hinter einem Aktenordner. Allerdings kam er, anders als beim letzten Mal, ohne Hilfe in den Gerichtssaal. Mario S. zeigte sich dagegen wieder offen. Die Angeklagten haben sich nicht geäußert. Wie weite Teile des Prozesses fand auch der letzte Tag vor der Urteilsverkündung weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Informationen kamen vor allem von den Anwälten der Ankläger und der Verteidigung.

Nebenkläger zufrieden mit Prozessverlauf

Die Staatsanwaltschaft hatte 14 Jahre Haft für Andreas V. und 12,5 Jahre für Mario S. gefordert. Thorsten Fust, einer der Opferanwälte, ist mit dem Prozessverlauf zufrieden: „Das Gericht hat alles in sehr weiser Entscheidung geregelt.“ Die Kinder hätten aussagen können, aber nicht müssen. Opferanwalt Peter Wüller hofft, dass das Verfahren dazu beitrage, dass das Thema Kindesmissbrauch sensibler betrachtet wird: "Die Taten haben sich auf einem öffentlichen Campingplatz ereignet. Ich vermute, da haben Leute bewusst weggeguckt." Am Donnerstag (05.09.2019) will die Vorsitzende Richterin, Anke Grudda, das Urteil verkünden.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 30.08.2019 um 15:36 Uhr.

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