Beginn des neunten Verhandlungstags im Lügde-Prozess

Missbrauchsfall Lügde Staatsanwaltschaft fordert hohe Haftstrafen

Stand: 16.08.2019 14:11 Uhr

Die Staatsanwaltschaft hat ihre Plädoyers im Prozess um den Kindesmissbrauch in Lügde gehalten. Sie fordert 14 Jahre Haft für den Hauptangeklagten Andreas V. und 12,5 Jahre für Mario S..

Am Landgericht Detmold hat die Staatsanwaltschaft am Freitag (16.08.2019) ihre Schlussplädoyers gehalten. Sie fordert 14 Jahre Haft für den Hauptangeklagten Andreas V. und 12,5 Jahre für Mario S..

Geständnis und keine Vorstrafen

Beide sollen anschließend in Sicherungsverwahrung. Das unterschiedlich hohe Strafmaß ergebe sich aus der individuellen Schuld der Angeklagten. Dass beide gestanden haben und nicht vorbestraft sind, habe sich strafmildernd ausgewirkt.

Die Anwälte der Opfer hatten teilweise bis zu 15 Jahre für beide gefordert. "Die Kinder haben eine lebenslängliche Strafe und da gibt es eigentlich gar kein Urteil, dass das aufwiegen kann", so Roman von Alvensleben, der Geschädigte vertritt, nach der Verkündung des Plädoyers.

Gutachten über Angeklagten Andreas V.

Die Gutachterin Dr. Marianne Miller hatte vorab ihre Einschätzung zu Andreas V. abgegeben. Er verhalte sich manipulativ und nutze Menschen, die ihm nahestehen, aus. Er neige dazu, anderen Schuld zuzuweisen und sich überlegen zu fühlen. Andreas V. zeige Teile einer narzisstisch dissozialen Persönlichkeitsstörung.

Bevor er seine Pflegetochter zu sich nahm, sei sein Sexualleben von enttäuschenden Erfahrungen mit gleichaltrigen Sexualpartnern geprägt gewesen. Zu gleichgestellten Partnerschaften sei er nicht in der Lage und empfinde diese auch als verzichtbar. "Warum soll ich die ganze Kuh kaufen, wenn ich nur ein Glas Milch haben will", soll er laut Miller gesagt haben.

Wurde Pflegekind als Lockmittel genutzt?

Daraufhin habe sich der Hauptangeklagte, dem mehr als 300 Einzeltaten vorgworfen werden, stets mit Kindern auf dem Campingplatz umgeben und besonders Mädchen im Grundschulalter als Ersatz gewählt. Sein Pflegekind habe er dabei als Lockvogel benutzt.

"Auf jeden Fall hat er dadurch Macht ausgeübt und seine narzisstischen Bedürfnisse befriedigt", so Miller. Sie vermutet, dass er nicht ausschließlich aus pädophilen Neigungen gehandelt habe. Als zusätzliches Motiv käme auch die Herstellung von Kinderpornografie gegen Geld in Frage.

Sicherungsverwahrung sehr wahrscheinlich

Die Gutachterin hält eine Sexualtherapie für wenig erfolgversprechend. Sie befürwortet aufgrund des jahrzehntelangen Tatzeitraums die Unterbringung des 56-Jährigen in der Sicherungsverwahrung. "Es besteht eine sehr hohe Wahscheinlichkeit, dass Andreas V. auch nach langer Haftstrafe vergleichbare Straftaten wiederholt", fasste Miller zusammen.

Ein Urteil wird Anfang September erwartet.

Tag 9 im Lügde-Prozess: Plädoyer der Anklage
Tag 9 im Lügde-Prozess: Plädoyer der Anklage

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. August 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: