Eine Band spielt vor zahlreichen Menschen mit Masken im Kölner Tanzbrunnen. | dpa

Corona-Pandemie NRW kündigt weitreichende Lockerungen an

Stand: 09.07.2021 06:28 Uhr

Öffnungen von Diskotheken, im Sport und auch bei Volksfesten - das sind die neuen Corona-Lockerungen in NRW ab Freitag.

Von Christian Wolf

Es sind Worte, auf die viele Menschen in NRW lange gewartet haben: Ein "Leben wie vor Corona" sei im Grunde wieder möglich und eine "weitgehende Rückkehr in die Normalität". Das hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch angekündigt. Zwar schränkte er noch "mit Testen" ein. Aber das Signal ist deutlich: In NRW fallen viele Corona-Einschränkungen weg - und das schon ab Freitag (09.07.2021).

Hier die vollständige Pressekonferenz mit NRW-Gesundheitsminister Laumann (CDU) vom Mittwochnachmittag zum Nachschauen:

Inzidenz darf nicht über zehn liegen

Ab Freitag gilt eine neue Verordnung des Landes. Und mit ihr wird eine neue "Inzidenzstufe 0" eingeführt. Sie gilt laut dem Gesundheitsministerium, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz (Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) fünf Tage lang bei höchstens zehn lag. Dann gelten in den Kommunen weitreichende Lockerungen:

  • Die Kontaktbeschränkungen entfallen.
  • Die Einhaltung des Mindestabstands wird weitgehend nur noch empfohlen.
  • Die Maskenpflicht gilt nur noch in Bereichen, die auch ungeimpfte Personen nutzen müssen: Busse und Bahnen, Taxen, Arztpraxen oder der Einzelhandel. Auch in Schulen gilt die Maskenpflicht erst einmal weiter. Im Museum ist zum Beispiel keine Maske mehr nötig.
  • Wer zum Beispiel ins Restaurant geht, muss nicht mehr seine Kontaktdaten hinterlassen.
  • In Geschäften fällt die Begrenzung der Kundenzahl weg.
Disco in Berlin | dpa

Auch Clubs und Diskotheken dürfen wieder öffnen Bild: dpa

Eine Lockerung, auf die vor allem viele junge Menschen gewartet haben dürften, hat Laumann am Mittwoch ebenfalls angekündigt. So dürfen in der "Inzidenzstufe 0" Clubs und Diskotheken öffnen. Das heißt, ab Freitag darf wieder gefeiert werden. Die einzigen Einschränkungen: Die Kontakte müssen erfasst werden und für Ungeimpfte ist ein negatives Testergebnis nötig. Die Maske muss nicht getragen werden.

Kirmes mit Tests

Bei privaten Veranstaltungen wie Hochzeiten gelten keine Beschränkungen mehr, wenn vorher getestet wurde. Auch Volks- oder Straßenfeste sind theoretisch ab Freitag wieder möglich. Die Bedingung ist, dass alle ungeimpften Besucher einen negativen Test haben. Auf einer Kirmes ohne Zugangskontrolle lässt sich das natürlich nicht überprüfen. Laut Laumann soll es aber "stichprobenhafte Kontrollen" geben. Eigentlich war der Schritt erst für Ende August geplant. Wie schnell die Veranstalter nun darauf reagieren, wird sich zeigen. Viele große Feste für diesen Sommer wurden bereits abgesagt.

Auch der Sportbereich kann sich über Lockerungen freuen. So gelten für die Sportausübung keine Beschränkungen mehr. Sportveranstaltungen sind mit bis zu 25.000 Zuschauer erlaubt.

Einschränkungen, wenn die Zahlen wieder steigen

NRW Gesundheitsminister Laumann steht während einer Pressekonferenz an einem Podium. | Jonas Güttler/dpa

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann Bild: Jonas Güttler/dpa

Laumann bezeichnete die Öffnungsschritte als "in vollem Umfang" und "in jeder Hinsicht für verantwortbar". Die Zahl der Neuinfektionen sei gering und in den Krankenhäusern gebe es wenige schwere Krankheitsfälle. Sollte eine Kommune wieder über die Inzidenzschwelle von 10 kommen, kämen auch wieder Einschränkungen. "Wir haben die Pandemie nicht hinter uns, aber wir haben in den meisten Regionen Nordrhein-Westfalens eine gute Lage zurzeit. Wir können Freiheitsrechte zurückgeben. Aber wenn es sich verändert, werden auch wieder Einschränkungen automatisch notwendig werden", sagte Laumann.

Für Urlaubsrückkehrer gilt am Arbeitsplatz künftig eine Testpflicht. So muss jeder, der nach dem 1. Juli fünf Tage oder länger im Urlaub oder aus anderen Gründen nicht am Arbeitsplatz war, am ersten Tag der Rückkehr einen negativen Schnelltest vorweisen. Für Geimpfte und Genese gelten wie immer Ausnahmen.

Kritik von Lauterbach

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat Lockerungen dagegen als verfrüht eingestuft. "Wir sind in einer Phase, in der die Fallzahlen wieder steigen und sich der Impffortschritt verlangsamt. Der Zeitpunkt der Lockerungen hat mich überrascht, ich hätte einen späteren Zeitpunkt besser gefunden", sagte Lauterbach am Donnerstag bei WDR 2. "Ich hätte mich gefreut, wenn wir mit dem Impfen weiter gewesen wären. Nun werden wir im Herbst eine größere Gefahrenlage haben", sagte er weiter.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 07. Juli 2021 um 17:04 Uhr in der Sendung "Westblick - Das Landesmagazin".